ReviewDynamit

Band
OPETH 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #150 
Titel
Still Life 
Erscheinungsjahr
1999 
Note
9.5 

Ein CD-Päckchen fische ich meist nur dann mit Andacht aus dem Briefkasten und reiße es voller Vorfreude auf, wenn das Peaceville-Logo auf dem Umschlag prangt. Erst verzückten mich Beyond Dawn und Katatonia - und jetzt ist es der vierte Longplayer von OPETH, der mich in freudige Raserei versetzt. Mit "Still Life" gehen die Schweden noch intensiver in den Spagat zwischen anspruchsvollem Death Metal und melodischen, tiefen, zumeist düster-traurigen Rockharmonien. Sieben überlange Hymnen mit einer Spielzeit von insgesamt einer satten Stunde präsentiert das Quartett - und es ist schon eine Kunst, acht- bis elfminütige Songs auf einem durchweg hohen und vor allem spannenden Niveau zu halten. OPETH wirken gleichzeitig brachial und zerbrechlich, sie können sanftmütig schweben, um kurz darauf grimmig zu schocken. Diese musikalische Weltreise der krassen Gegensätze wird von Frontmann Mikael Akerfeldt um ein Vielfaches verstärkt. Wahnsinn, wie der Mittzwanziger sowohl gefährlich bellt als auch mit der warmen Stimme eines Engels betört. "Still Life" lebt weniger durch das Monumentale der überlangen Stücke, sondern vielmehr durch die tiefe Liebe zum Detail, die sich in den Liedern offenbart. Unzählig viele kleine Ideenpartikel und fast schon unscheinbare Melodien wachsen zu einem bewegenden Musikerlebnis, das noch viel, viel gewaltiger ist, als es die Dream Theater-Fraktion unter unseren Soundcheckern wahrhaben will. "Still Life" ist für mich die Platte des Monats!


Wolf-Rüdiger Mühlmann 9.5

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