ReviewDynamit

Band
LUCIFER 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #337 
Titel
Lucifer I 
Erscheinungsjahr
2015 
Note
8.0 

Rise Above/Soulfood (43:53)
VÖ: 29.05.
Kaum ein Stern ist in den letzten Jahren so schnell verglüht wie die mit gewaltigen Vorschusslorbeeren gestarteten The Oath, noch nicht mal Beastmilk. Bandkopf Johanna Sadonis ist, schlau genug, wahrscheinlich die Erste, die sich heute fragt, ob die Positionierung als „Frauen-Combo“ mit entsprechendem Artwork richtig war, aber das teilweise massive Internet-Gebashe zeugt ja letzten Endes viel weniger von einem falschen „Image“ als viel mehr von einem nach wie vor vorherrschenden Machismo in der „Rockszene“, gepaart mit dieser immer wieder beinahe amüsanten, allgegenwärtigen Angst vor offensiver weiblicher Sexualität. Die Herangehensweise an die Nachfolge-Truppe, ohne Gitarristin Linnéa Olsson, ist dennoch eine andere: LUCIFER wirken reduzierter und weniger auf die Sängerin ausgerichtet, sondern eher wie eine „richtige“ Band, die versucht, jeder ernsthaften Hype-Gefahr aus dem Weg zu gehen. Dass Ex-Cathedral- und Death-Penalty-Gitarrist Gaz Jennings mit an Bord ist, schadet natürlich nicht: Der Veteran, einer der erklärten Lieblingsklampfer Sadonis´, erschafft mit seinem knarzigen, doomgeprägten Spiel, das deutlich anders klingt als das manchmal beinahe punkige Geriffe Olssons, einen sicheren Unterbau, der die halbe Miete ist. Die anderen 50 Prozent besorgen bei diesem tatsächlich unprätentiösen Debüt die homogene Atmosphäre zwischen Bodenständigem und okkulter „Spinnerei“ und natürlich vor allem das gekonnte Songwriting, das mit u.a. ´Abracadabra´, ´Purple Pyramid´, ´Izrael´ und ´A Grave For Each One Of Us´ diverse veritable Genre-Beiträge zwischen Proto- und Doom Metal sowie Retro-Rock abgeworfen hat, die man auch in ein paar Jahren noch gerne auflegen wird. Quod erat demonstrandum.


Boris Kaiser 8.0

AMAZONEMPFEHLUNG