ReviewDVD - Musik

Band
KISS 
Kategorie
DVD - Musik 
Heft
RH #353 
Titel
Kiss Rocks Vegas 
Erscheinungsjahr
2016 
Note

(Eagle Rock)
Wenn eine Rockband ein Multi-Show-Engagement in Las Vegas präsentiert, gehört sie zum Genre-Establishment (was bei KISS jetzt eh nicht zu bezweifeln ist), hat aber ihren kreativen Zenit für gewöhnlich längst hinter sich (was bei KISS nicht mal die Band selbst abstreitet). Also stellt man sich vor ein zahlungskräftiges und recht gesittetes Auditorium, präsentiert eine State-of-the-art-Show (die Casinos dort sind ungefähr so groß wie ´ne Arena in einer europäischen Metropole) und geht bei der Setlist auf Nummer sicher, um das „casual“ Publikum nicht zu vergraulen. Auf „Kiss Rocks Vegas“ sind zwei Songs jünger als 30 Jahre (was ganz besonders schade ist, wenn man sich vor Ohren führt, wie fett das für KISS-Verhältnisse brandneue ´Hell Or Hallelujah´ rockt), und von den noch älteren überrascht kein einziger, auch wenn ´Parasite´ und ´Deuce´ hier immerhin formidabel knallen. Dass die Show keine 90 Minuten dauert – geschenkt. Dass Paul Stanleys Stimme auch bei einer nachbearbeiteten Liveaufnahme oftmals so brüchig klingt, dass man für die kommende „KISS Kruise“ angekündigten „Creatures Of The Night“-Granaten wie ´Danger´ und ´Keep Me Comin´´ eher mit Unbehagen entgegensieht – egal. Komposition und physische Konstitution sind auf „Kiss Rocks Vegas“ nur ein Teil des Puzzles. Der Mitschnitt ist dermaßen perfekt inszeniert (Bühne, Effekte, Sound, Kamera, Schnitt), dass man nur noch staunend vor dem Fernseher sitzt, vorausgesetzt, man gehört nicht zu den Leuten, die chronisch dem Original-Line-up und seinen hochenergischen Mittsiebziger-Performances hinterhertrauern. Zudem gibt´s als Bonus sieben Akustik-Live-Tracks, die normalerweise einer spendablen Klientel auf Kreuzfahrten und Meet & Greets vorbehalten sind.


Jan Jaedike

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