ReviewDVD - Musik

Band
STATUS QUO 
Kategorie
DVD - Musik 
Heft
RH #309 
Titel
Hello Quo! 
Erscheinungsjahr
2013 
Note

(Studiocanal)
Bei der Flut an Dokumentarfilmen war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Filmemacher einer der dienstältesten und erfolgreichsten Bands aller Zeiten annehmen würde: STATUS QUO. Der Reiz des Films ist ohne Zweifel die Zeitreise in die psychedelischen sechziger Jahre und der grandios naive Beginn der Band als musikalische Animateure in einem Feriencamp. Im Bonusteil der Doppel-DVD besucht Rick Parfitt den Originalschauplatz, während Francis Rossi und Alan Lancaster den Stadtteil Purley aufsuchen und allerhand Anekdoten zum Besten gaben. Man kann sich nur zu gut vorstellen, wie Rossi, der schon früh ein lebenslustiger „Gammler“ war, auf dem Balkon eines Reihenhauses saß, Joints rauchte und den Leuten zusah, wie sie zur Arbeit fuhren. Lancaster hingegen, dieser heute grauhaarige, liebenswerte Dauergrinser, soll mal ein Heißblut gewesen sein, das keiner Schlägerei aus dem Weg gegangen ist. Und so kommen STATUS QUO in ihrer Biografie sogar zu einem Knastaufenthalt, als Lancaster am Flughafen (!) drei Polizisten per Kinnhaken zu Boden schickte. So will es jedenfalls die Legende.
In den frühen siebziger Jahren stand der Name STATUS QUO für ohrenbetäubenden Heavy-Blues, lange Haare, Jeans und die „Quo Army“. Wenn man so will, waren sie in jeder Hinsicht Heavy-Metal-Vorläufer, ehe sie ab 1978 und ´Rockin´ All Over The World´ zunehmend auf die Hitparaden schielten. Als mit Lancaster und Drummer John Coghlan die Rhythmussektion die Band verließ, war die Luft bei Quo raus, auch wenn die Band noch riesige Erfolge feierte. Das sehen jedenfalls eingefleischte Fans so, weshalb der Trennung im Biografie-Teil besondere Bedeutung zukommt. Die Aufzählung der wichtigsten Quo-Fakten quält sich im Vergleich zu Sam Dunns Rush-Biopic „Beyond The Lighted Stage“ zwar etwas über die Runden, aber das für den Film initiierte Zusammentreffen mit den beiden Ex-Weggefährten ist dafür ein seltenes Highlight des Musik-Dokumentarfilms. Nur mühsam werden Tränen zurückgehalten, und es menschelt an allen Ecken und Enden. Hätten die vier Männer, die jahrelang durch dick und dünn gegangen sind, sich nicht doch über Drogenprobleme, Manager und Ego-Eifersüchteleien hinwegsetzen können? Sie hätten. Nun ist es (fast) zu spät: Lancaster hat Multiple Sklerose, und ob man dem Krachgewitter des Live-Albums von 1976 im Alter von 60+ Jahren noch etwas halbwegs Gleichwertiges entgegensetzen kann, ist ungewiss. Im März spielen STATUS QUO auf jeden Fall noch einmal in ihrer legendären „Frantic Four“-Besetzung. Eine Mahnung an zerstrittene Bands, den Zeitpunkt für eine Versöhnung nicht zu verpassen. Man lebt nur einmal.


Holger Stratmann

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