ReviewBuch

Kategorie
Buch 
Titel
Imagica (Heyne) 
Note

„Imagica“ ist einer der rasantesten Fantasy-Romane, die jemals in einen Computer, respektive eine Schreibmaschine gehackt worden sind. Barker, Autor von Horrorklassikern wie „Cabal“, den „Büchern des Blutes“ und den „Hellraiser“-Filmen, erzählt auf über 1.000 Seiten in atemberaubender Geschwindigkeit die Geschichte des Meisterfälschers Gentle, seiner im wahrsten Sinne des Wortes überirdisch schönen Ex-Freundin Judith und des Zwitterwesens Pie, in das sich Gentle - ebenfalls wortwörtlich zu verstehen - unsterblich verliebt. Die Geschichte beginnt relativ traditionell im modernen London, doch schon bald befinden sich die Drei auf einer gefährlichen Achterbahnfahrt durch ein Multiversum, das in seiner Vielfalt beinahe noch mehr für offene Münder sorgt als Barkers scheinbar nie versiegende Fähigkeit, sein Publikum mit immer neuen Wendungen, spannenden Actionsequenzen und plastischen, nachvollziehbaren Personenschilderungen ans Papier zu fesseln. Viel Raum für wirklich Tiefsinniges bleibt bei solch einem Leserennen auf der Überholspur natürlich nicht, aber Barker vermeidet immerhin die üblichen Fantasy-Klischees und reißt einige philosophische Themen zumindest an. Wenn seine Helden versuchen, die Erde mit den übrigen, verschollenen Dimensionen zu vereinigen, und dabei schließlich mit einigen fabelhaft konzipierten Gottheiten in Kontakt kommen, schwebt gar das Flair großer, wichtiger Literatur im Raum.
„Imagica“, das Fantasy-Äquivalent zu Dan Simmons´ großartigem Science Fiction-Zweiteiler „Hyperion“, eignet sich hervorragend als Wiesenlektüre für den endlich angebrochenen Frühling und ist auch in der deutschen Übersetzung bedenkenlos zu empfehlen.


Michael Rensen

AMAZONEMPFEHLUNG