ReviewAlbum des Monats

Band
OPETH 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #328 
Titel
Pale Communion 
Erscheinungsjahr
2014 
Note
9.0 

Roadrunner/Warner (55:53)
Ihr habt kein Problem damit, dass OPETH keine Death-Metal-Band mehr sind, fandet die letzte Scheibe „Heritage“ aber zu skizzenhaft? Dann dürft ihr aufatmen: Auch „Pale Communion“ ist wieder eine ohne Growls auskommende Düster-Prog-Platte, diesmal aber mit Songs, die es in ihrer Genialität mit den (stilistisch völlig anders gelagerten) Highlights von „Blackwater Park“, „Damnation“ und „Ghost Reveries“ aufnehmen können:
* Das King-Crimson-artig beginnende ´Eternal Rains Will Come´ verwandelt sich auf wundersamste Weise in einen zutiefst originellen Hybriden aus Folk, hypnotischem Orgelprog und Blue-Öyster-Cult-Vocals, der sich in ungeahnte Sphären emporschwingt und erst in den allerletzten Takten seinen Höhepunkt erreicht.

* Völlig andere Aspekte dominieren in dem leicht orientalisch eingefärbten Groove-Wunder ´Cusp Of Eternity´, das von superbem Drumming, feinfühligen Gitarrensoli und hartem, sorgfältig im Zaum gehaltenem Riffing lebt.

* Der phänomenal konstruierte Elfminüter ´Moon Above, Sun Below´ überrascht fast im Sekundentakt mit neuen, spannenden, nie das Grundgerüst sprengenden Wendungen. Mal schleichen sich famose Akkordfolgen um drei Ecken an, mal wird man für einige Atemzüge durch entlegene Galaxien gewirbelt. Irgendwo ganz weit im Hintergrund hallen die zweite Genesis und die erste Psychotic Waltz nach, der absolute Ohrgasmus wartet ab Minute neun.

* Nach der schönen Folk-Ballade ´Elysian Woes´ und dem edlen Jazz-Rock-Instrumental ´Goblin´, das eher an Weather Report als an seine Namensgeber erinnert, folgt mit ´River´ der nächste sich extrem elegant zusammenfügende Prog-Zauberwürfel. Was als verschroben-entrückte, teils pastorale Hippie-Rock-Nummer beginnt, endet als sich immer weiter steigernder Veitstanz, in dem Jazz, Weltmusik und harscher Rock eine beeindruckende Choreografie aufs Parkett legen.

* Beim Schlangenbeschwörer-Epos ´Voice Of Treason´ wird´s dann erstmals richtig bombastisch, wobei die federleichten Drums den Song stets in der Erdumlaufbahn halten. Hat was von einer Devon-Graves-Nummer, nur mit besseren Musikern, einem perfekten Sound (Steven Wilson, noch Fragen?) und einem sensationellen Spannungsbogen.

* ´Faith In Others´ schließlich nimmt den Hörer mit auf eine nie zu schnelle Achterbahnfahrt zwischen Singer/Songwriter-Melancholie und orchestraler Urgewalt. Eine Mondschein-Ballade, allerdings angesiedelt auf dem Jupiter, wo gleich acht farbenprächtige Trabanten am Firmament stehen.
Fazit: ein fast makelloses, von jeglichen kommerziellen Überlegungen unberührtes Meisterwerk. Mehr Kunst geht kaum.

Diskografie
Orchid (1995)
Morningrise (1996)
My Arms, Your Hearse (1998)
Still Life (1999)
Blackwater Park (2001)
Deliverance (2002)
Damnation (2003)
Lamentations (live, 2003)
Ghost Reveries (2005)
The Roundhouse Tapes (live, 2007)
Watershed (2008)
In Live Concert At The Royal Albert Hall (live, 2010)
Heritage (2011)
Pale Communion (2014)
   
Line-up   
Mikael Åkerfeldt (v./g.), Fredrik Åkesson (g.), Martin Mendez (b.), Joakim Svalberg (keys), Martin Axenrot (dr.)  
Die Paten   
Wer mit folgenden Bands etwas anfangen kann, sollte unbedingt in „Pale Communion“ reinhören:
Katatonia * Storm Corrosion * Wisdom Of Crowds * King Crimson * Steven Wilson * Psychotic Waltz * Deadsoul Tribe * Anathema * Mahavishnu Orchestra * Weather Report * sehr alte Genesis * Orphaned Land * The Soft Machine * Gong * Caravan * Billy Cobham * Isis * Cult Of Luna
Ein Interview mit OPETH lest ihr auf den Seiten 34/35 in diesem Heft.


Michael Rensen 9.0

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