ReviewAlbum des Monats

Band
WITCHCRAFT 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #305 
Titel
Legend 
Erscheinungsjahr
2012 
Note
8.5 

Nuclear Blast/Warner (51:32)
Es ist mit Sicherheit das langersehnteste Album der Retro-Szene, und fünf Jahre nach dem letzten Longplayer „The Alchemist“ kann man fast schon von einem Comeback sprechen. Und nicht nur das: „Legend“ läutet eine neue Ära in der Bandgeschichte ein. Fast scheint es so, als wolle sich Bandleader Magnus Pelander von allen alten Zöpfen trennen und bewusst einer Szene entfliehen, die WITCHCRAFT vor zwölf Jahren mitbegründeten und die im Moment blüht wie keine zweite. Drummer Fredrik Jansson und Gitarrist John Hoyles (dessen gefühlvolles und kreatives Spiel auf „Legend“ schmerzlich vermisst wird) haben die Band bereits vor längerer Zeit verlassen, Magnus selbst möchte sich fortan nur noch auf den Gesang konzentrieren und engagierte deshalb neben dem Ersatz für Hoyles noch einen weiteren Gitarristen, schnitt sich die Haare ab und entledigte sich seines Hippie-Looks. Und um all dies noch mal nachdrücklich zu unterstreichen, wurde mit dem analogen Vintage-Sound auch gleich noch eines der wichtigsten Signature-Trademarks der Band über Bord geworfen. Leider sind damit auch die spontane Frische und das Live-Feeling, die gerade den Vorgänger „The Alchemist“ perfektionierten, zum Teil verloren gegangen. „Legend“ klingt im direkten Vergleich (gerade im Gitarrenbereich) aufgeblasener, moderner und im Allgemeinen deutlich produzierter, wobei es der Band aber dennoch gelungen ist, dem soundmäßigen Kältetod von der Schippe zu springen. Trotzdem bereitet dies zahlreichen Fans Kopfschmerzen, die sich bereits nach den wenigen vorab veröffentlichen Songs mit Grausen abwenden, wenn man den Einträgen auf der Facebook-Page der Band und auf anderen Internetseiten Glauben schenken darf.
Umgekehrt könnte es aber funktionieren: „Legend“ hat definitiv das Zeug dazu, der Türöffner für zahlreiche neue Fans zu sein, die alleine wegen der authentischen und in ihren Ohren dünn und kraftlos klingenden Analogsounds bisher einen großen Bogen um das Genre gemacht haben und sich nach dem Genuss von „Legend“ vielleicht doch mal tiefer in die Materie wagen. Denn unterm Strich zählen die Songs. Und die leben nach wie vor von Pelanders markanter Stimme und seinem emotionalen Ausdruck sowie seinen Fähigkeiten als Songwriter, die acht Töne einer Tonleiter immer wieder spannend und auf eine Art aneinanderzureihen, wie es einst den großen Vorbildern der Band in den Sechzigern und Siebzigern gelungen ist. Letztendlich mag „Legend“ diskutabel sein, und fraglos reicht die Scheibe qualitativ auch nicht an das herausragende „The Alchemist“ heran - aber ein schlechtes Album ist es ganz sicher nicht. Im Gegenteil.

DISKOGRAFIE
Witchcraft (2004)
Firewood (2005)
The Alchemist (2007)
Legend (2012)

LINE-UP
Magnus Pelander (v.)
Simon Solomon (g.)
Tom Jondelius (g.)
Ola Henriksson (b.)
Oscar Johansson (dr.)

DIE PATEN
Analoger Klang hin, moderner Sound her. Wem „Legend“ zusagt, der wird früher oder später auch zu folgenden Bands die Koteletten sprießen lassen:
Burning Saviours, Horisont, Graveyard, Dead Men, Blowback, Pentagram, Roky Erickson, Captain Beyond, Leaf Hound, Comus, The Crystal Caravan, Siena Root, The Graviators, Grand Funk Railroad


Andreas Himmelstein 8.5

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