ReviewAlbum des Monats

Band
KREATOR 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #301 
Titel
Phantom Antichrist 
Erscheinungsjahr
2012 
Note
9.5 

Nuclear Blast/Warner (45:34)
Dass die neue KREATOR-Platte gut ist, belegt allein schon das gigantische Titelstück, das mittlerweile jeder Schwermetaller kennen sollte. Respekt! Der Song ist für mich noch einmal ein Klassiker des Thrash, in einer Qualität, die man auf jeder neuen Slayer- oder Megadeth-Platte nur allzu gerne finden würde. Mit ´Death To The World´ laden die Essener dann einen typischen KREATOR-Klopfer nach. So weit, so gut. Was ist neu an diesem Album? Sicherlich die Tatsache, dass man die spontane Arbeitsweise von „Hordes Of Chaos“ gegen die schwere Metal-Maschinerie von Jens Bogren eingetauscht hat: Präzise Rifforgien en masse, mehrstimmige Gitarrenmelodien in nahezu allen Songs, und eine Prise Bombast mit Akustikgitarren und fetten Chören hat sich ebenfalls hier und da eingeschlichen. Die Platte klingt reif und fett. Mille entdeckt (neben den Thrash-Trademark-Elementen nahezu gleichberechtigt) seine Heavy-Metal-Roots neu, und Sami Yli-Sirniö blüht besser denn je in diesem Umfeld auf. Die überschäumende Freude an Gitarrensoli und Twin-Guitar-Läufen steckt jedenfalls an und ist eine logische Konsequenz, wenn man einen der besten Metal-Solisten Europas in seinem Orchester hat.
Meiner Meinung nach alles im Rahmen, aber es wird Fans geben, die das primitive, direkte, punkige Element von KREATOR vorziehen. Was mir an der Platte am besten gefällt, sind die vielen überraschenden Wendungen, die „Phantom Antichrist“ auch nach mehrmaligen Durchläufen noch parat hält. ´The Few, The Proud, The Broken´ beginnt als gradlinige Hymne, ehe die Nummer schichtweise ins Progressive driftet und man den Refrain wie aus dem Nichts gekonnt hervorzaubert. Oder nehmen wir nette Details wie den Percussion-Part in ´Civilisation Collapse´, der dem Song noch mal zusätzlichen Auftrieb verschafft. Auf „Phantom Antichrist“ wirkt trotz eines Maximums an Abwechslung nichts aufgesetzt, am Rechner zusammengeflickt oder deplatziert. Das ist echte Metal-Kunst!
Einziger Kritikpunkt ist vielleicht die Tatsache, dass sich einige Gitarrenmelodien doch etwas ähneln. Trotzdem besitzt jeder einzelne Song so viel Substanz, dass man KREATOR wiederum ein Highlight ihrer Diskografie bescheinigen darf. Klar, es geht immer NOCH besser, aber für den Moment haben KREATOR zweifelsohne eines der allerstärksten Metal-Alben des Jahres herausgebracht. Da wird sich die internationale Konkurrenz mächtig strecken müssen.

DISKOGRAFIE (Studioalben)
Endless Pain (1985)
Pleasure To Kill (1986)
Terrible Certainty (1987)
Extreme Aggression (1989)
Coma Of Souls (1990)
Renewal (1992)
Cause For Conflict (1995)
Outcast (1997)
Endorama (1999)
Violent Revolution (2001)
Enemy Of God (2005)
Hordes Of Chaos (2009)
Phantom Antichrist (2012)

LINE-UP
Mille Petrozza (v./g.)
Sami Yli-Sirniö (g.)
Christian „Speesy“ Giesler (b.)
Jürgen „Ventor“ Reil (dr.)

DIE PATEN
Wer auf aktuelle KREATOR steht, mag bestimmt auch:
Slayer * Megadeth * Judas Priest * Dark Angel * Annihilator * Warbringer * Mortal Sin * Testament * Suicidal Angels * Destruction * Vio-lence * Sacrifice * Onslaught

Und das sagt Mille zum Soundcheck-Sieg:
»Wow, es freut mich unglaublich, dass wir wieder Album des Monats in unserem Lieblings-Megazine geworden sind. Es war eine wunderbare musikalische Reise, „Phantom Antichrist“ zu schreiben, und nun hoffen wir, dass es unseren Fans in Deutschland und dem Rest der Welt genauso gut gefällt wie uns. Auch im Namen von Ventor, Sami und Speesy möchte ich allen Maniacs für den Support danken. Keep Metal alive!«


Holger Stratmann 9.5

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