ReviewAlbum des Monats

Band
THE DEVIL'S BLOOD 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #295 
Titel
The Thousandfold Epicentre 
Erscheinungsjahr
2011 
Note
9.5 

Ván Records/Soulfood (73:59)
Das neue Meisterwerk aus dem Hause THE DEVIL´S BLOOD kommt auf Anhieb bei allen, die mir gegenüber bisher ihre Meinung geäußert haben (und das waren nicht wenige), noch besser an als der erste Longplayer „The Time Of No Time Evermore“. Jenes Album enthält Jahrhundertkracher wie ´The Anti-Cosmic Magick´, ´Christ Or Cocaine´ oder ´House Of Ten Thousand Voices´, was bereits verdeutlicht, wie stark dann der Nachfolger sein muss. Und nachdem „The Thousandfold Epicentre“ in den meisten Büros unserer Redaktion seit Wochen heiß gelaufen ist, kann man ein Resümee ohne Fragezeichen ziehen: Das zweite vollständige Album der holländischen Ausnahme-Band ist nicht nur das Album des Monats, sondern des Jahres geworden.
Es gibt hier so dermaßen viel zu entdecken, dass man sich eigentlich tagelang mit der Platte einschließen und sie über Kopfhörer hören müsste, um einen halbwegs „richtigen“ Eindruck zu haben. Und doch - darin liegt eine große Stärke der Band - sind diese höchst komplexen Songs so eingängig, dass sie keine lange Anlaufzeit benötigen, um süchtig zu machen. ´Cruel Lover´? Ein Hit. ´She´? Treibt alle weiblichen TDB-Fans, die ich kenne (plus Krugi), in den Wahnsinn. ´The Thousandfold Epicentre´? Der Himmel auf Erden (ist die Hölle der anderen). ´On The Wings Of Gloria´? Der neue Live-Oberhammer. ´Die The Death´? Welch grandiose Gitarrensounds, welch hypnotische Melodieführung.
Rein stilistisch haben sich THE DEVIL´S BLOOD auf dieser Scheibe noch tiefer in den Classic-Rock-Bereich gewagt. Von „Metal“ im herkömmlichen Sinne oder gar von „Black Metal“ kann musikalisch nicht mehr die Rede sein, auch wenn die Band vom Gitarren-Feeling her tief in der NWOBHM verwurzelt ist und der Gesang oft die erhabene Ausstrahlung alter Rainbow besitzt. Gerade die drei Gitarren sind so unglaublich geil gespielt, dass man als Hardrocker oder Metaller nicht an THE DEVIL´S BLOOD vorbeikommt. Ich würde tatsächlich behaupten, dass Bandkopf Selim in seiner Generation momentan kein anderer Gitarrist in puncto Feeling das Wasser reichen kann - ausgenommen sein Sidekick Ron, der schon lange als bester Gitarrist Hollands gilt. Der dritte Mann im Bunde ist gerade mal 21, erst vor wenigen Wochen bei TDB eingestiegen und ebenfalls ein Supertalent. Wo bitte soll das noch hinführen?
Natürlich polarisieren TDB auch weiterhin kräftig. Man kann sie nur lieben oder hassen. Wer sie teilnahmslos „ganz gut“ findet, hat nicht richtig hingehört oder aufgrund des extremen Images Berührungsängste. Diese Leute wissen nicht, was ihnen entgeht. Aber egal, das soll ja nicht unser Problem sein.
„The Thousandfold Epicentre“ hat alles, was eine klassische Rockplatte haben kann: grandiose Songs, tolle Performance aller Musiker, viel Wärme und Feeling, eine geschmackvolle, aufwändige Old-School-Produktion und extrem viel Tiefgang. Dass das Album 74 Minuten dauert, merkt man trotz der ausufernden, trippigen Jam-Parts gegen Ende (´The Madness Of Serpents´ und ´Feverdance´; beide hätten auch auf dem tollen Minialbum „Come, Reap“ stehen können) kaum - und das ist als großes Kompliment zu verstehen. Der Kreis der eingeschworenen Fans wird sich mit dieser Scheibe erheblich erweitern - ob das den Ignoranten nun passt oder nicht.

Diskografie
The Graveyard Shuffle (Single, 2008)
Come, Reap (Mini-CD, 2008)
I´ll Be Your Ghost (Single, 2009)
The Time Of No Time Evermore (2009)
The Thousandfold Epicentre (2011)

Die Paten
All diese Bands haben Spuren im Sound von TDB hinterlassen - und umgekehrt:
Coven * Black Widow * Rainbow * Roky Erickson * Hawkwind * Jefferson Airplane * Heart * Dio * Iron Maiden * Rush * Watain * While Heaven Wept * Queen * Uriah Heep * Black Sabbath * Jex Thoth * Blood Ceremony * Devil * Black Oath * Year Of The Goat

Das sagt Bandkopf SL zum Album des Monats:
»Es tut gut zu sehen, dass unsere Arbeit Beachtung findet und dass so viele unterschiedliche Leute - unabhängig von ihrer Position oder ihrem Intellekt - etwas aus ihr herausziehen können. Und es tut gut zu wissen, dass die besondere Aufgabe, die THE DEVIL´S BLOOD ausmacht, noch längst nicht erfüllt ist.«


Götz Kühnemund 9.5

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