ReviewAlbum des Monats

Band
RAGE 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #166 
Titel
Welcome To The Other Side 
Erscheinungsjahr
2001 
Note
9.0 

(64:44)
Sollte es irgendwelche RAGE-Fans da draußen geben, die befürchteten, die neue Besetzung könne den hohen Standard der letzten fünf Platten nicht halten, so können sich diese Leute nun beruhigt zurücklehnen, 'ne Kanne Bier aufmachen und sich entspannt "Welcome To The Other Side" anhören. Für mich persönlich ist dies klar die beste RAGE-Scheibe seit "Black In Mind", und das hat vielerlei Gründe: Zum einen ist der Anteil der orchestralen Sounds wieder auf ein verträgliches Maß zurückgeschraubt worden. Da, wo Streichereinsätze reinpassen, wurden sie eingefügt, aber es wurde nicht alles auf Teufel komm raus mit klassischen Elementen zugekleistert. Was wiederum den angenehmen Nebeneffekt hat, dass RAGE endlich wieder fett abrocken. Zudem erweisen sich die Neuzugänge als absolute Meister ihres Fachs, speziell die Gitarrenarbeit war nie filigraner und fantasievoller auf einer RAGE-Langrille. Und auch das Songmaterial ist absolut variabel gehalten: mal im Bombast-Breitwandformat angelegt ('Tribute To Dishonour'), mal im krachigen Doublebass-Gewand ('The Mirror In Your Eyes', 'No Lies'), es gibt balladeske Ausflüge ('Deep In The Night'), extrem leichtfüßige Ohrwürmer ('Riders On The Moonlight', 'Leave It All Behind'), eine fast schon rock'n'rollige Nummer ('Straight To Hell') und zahlreiche endgeile Midtempo-Smasher. Also im Prinzip alles, was ein gutes Metal-Album haben muss. Und das Beste daran ist: "Welcome To The Other Side" klingt keinesfalls nach stereotypem, teutonischem True Metal und verarbeitet zahlreiche Einflüsse aus anderen Kategorien, ohne dabei bewusst auf "modern" getrimmt zu klingen. Nein, diese Band hat ihren ureigenen Sound und eine goldene Zukunft vor sich, wenn sie weiterhin so tolle Platten abliefert wie diese hier.


Frank Albrecht 9.0

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