ReviewAlbum des Monats

Band
AYREON 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #138 
Titel
Into The Electric Castle 
Note
9.5 

Was für ein geniales Mega-Opus! Ex-Vengeance/Bodine-Gitarrist Arjen Lucassen schnappt sich acht AusnahmesängerInnen (darunter Fish, Ex-Threshold-Fronter Damian Wilson und Gathering-Engelsstimme Anneke van Giersbergen) und schickt sie in eine düstere, futuristische Traumwelt, in der eine außerirdische Hyperintelligenz das Geheimnis der menschlichen Seele zu lüften versucht. 105 Minuten lang stürzt der Achter von einer Gefahr in die nächste, kämpft und rätselt bis zum lange unklaren Ende. Musikalisch wird diese "Dark City"-ähnliche Queste von einer melodieverliebten, enorm vielschichtigen Melange aus Prog-Rock/Metal, straightem Hardrock, Ambient, psychedelischem Jazz und sogar vereinzelten Southern-Rock(!)-Anklängen begleitet, die Elemente der ersten beiden AYREON-Scheiben aufgreift, letztlich aber völlig für sich steht und mit nichts und niemandem zu vergleichen ist. Instrumentale Unterstützung bekommt Lucassen u.a. von Gorefest-Drumdynamo Ed Warby, Ex-Gorefest-Keyboarder Rene Merkelbach und Vengeance-Hammond-Orgler Roland Bakker, die Hauptarbeit erledigt das Multitalent jedoch selbst. Dank der angenehm oft in Erscheinung tretenden Analog-Keyboards und des kongenialen, düsteren Artworks bekommt die "Space Opera" einen emotionalen Tiefgang, der in Sahnesongs wie dem tieftraurigen, von Anneke phantastisch interpretierten 'Valley Of The Queens' oder dem unsagbar leichten 'Amazing Flight' gipfelt. Hier verschmilzt Lucassens Vorliebe für grenzenlose, Tabus sprengende Experimente mit einem zitterfreien Händchen für Killermelodien und dem richtigen Sound zur richtigen Zeit am richtigen Platz. So ambitioniert, in sich geschlossen und dennoch jederzeit songorientiert hat seit IQs "Subterranea" keine Konzept-Scheibe mehr geklungen, und wären da nicht einige "nur" gutklassige Momente auf dem zweiten der beiden Silberlinge, ich hätte mit der Höchstnote geliebäugelt.


Michael Rensen 9.5

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