ReviewAlbum des Monats

Band
KILLING JOKE 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #107 
Titel
Democracy 
Erscheinungsjahr
1996 
Note
9.0 

Um's vorwegzunehmen: "Democracy" läßt für KILLING JOKE-Fans keine Wünsche offen. Sei es der glasklare Sound, das brillante Album-Cover oder die engagierten bis persönlichen Texte - in vielen Fällen verkaufen sich Düsterpoet Jaz Coleman und Co., als hätte es die Achtziger nie gegeben. Wie eine Bande Frischlinge mit der Erfahrung von alten Hasen spielen sich KILLING JOKE sehr locker, aber ausgekocht durch die zehn überraschend flotten Songs. Wie schon beim Vorgänger "Pandemonium" schichten die Burschen treibende Drums, fette Bass- sowie Gitarrenklänge, sphärische Keyboards und die neuerdings fast schon obligatorischen, aber dennoch ungewöhnlichen Akustikklampfen zu einer ebenso gnadenlosen wie transparenten Lärmmauer auf, von der Meister Coleman mit einer der charakteristischten Stimmen des Rock predigt. Nimmt man die Liveperformance des eigenwilligen Kauzes zum Maßstab, könnte man das sogar beinahe wörtlich nehmen. Aber auch Lemmys whiskeygetränktes Reibeisenorgan glaubt man da manchmal herauszuhören (z.B. bei 'Another Bloody Election'), soviel Wut können Coleman und Kollegen nach immerhin 17 Jahren noch vorweisen. Die Kunst von KILLING JOKE besteht darin, zwei Riffs über vier/fünf Minuten so zu variieren, daß man automatisch in hypnotische Zustände versetzt wird. Der mitreißende Opener 'The Savage Freedom' basiert sogar nur auf einem einzigen, immer wiederkehrenden Melodiebogen. Diese Platte ist eine Oase für Leute, die von Progrock und seinen Auswüchsen angeödet sind und trotzdem nicht auf Spielwitz, Ausdrucksstärke und Ideenreichtum verzichten wollen. Stark.


Holger Stratmann 9.0

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