RH #365Interview

Pelagic Records

Robin Staps

Pelagic Records aus Berlin haben sich mit Zugpferden wie Mono oder Cult Of Luna, einem guten Gespür für musikalische Innovationen im Underground und hochwertigem Packaging zu einem der wichtigsten Independent-Labels im Bereich Postrock und Post Metal gemausert. Als Mastermind von The Ocean und Gründer von Pelagic Records verbindet Robin Staps die Perspektiven von Band und Label.

Robin, du hast Pelagic Records 2009 gegründet.

»Ursprünglich, um ein älteres Album von The Ocean neu aufzulegen. Unser Label Metal Blade Records wollte die Scheibe damals nicht nachpressen, meinte aber: „Mach es doch selbst! Wir helfen dir mit dem Vertrieb.“ Ich ließ mich auf das Experiment ein, erhielt schnell einen Vertriebsvertrag mit SPV und merkte, dass man auch über diese Kanäle Platten verkaufen kann, nicht nur als Band live. Ich begann über ein eigenes Label nachzudenken und brachte dann eine Scheibe der Schweizer Nebra heraus. Die dritte Veröffentlichung war bereits die Vinyl-Version von God Is An Astronauts „All Is Violent, All Is Bright“.«

2017 habt ihr bereits sechs neue Bands unter Vertrag genommen. Allein in der zweiten Hälfte des Jahres stehen neun Veröffentlichungen an. Unproduktivität kann man euch nicht gerade vorwerfen.

»Die hohe Zahl an Releases war gar nicht so geplant. Ich veröffentliche immer dann, wenn mir etwas gefällt. Seit Anfang des Jahres habe ich viele spannende Sachen entdeckt, Briqueville zum Beispiel – eine wuchtige, abgefahrene Instrumentalband aus Belgien. Neu an Bord sind auch Spook The Horses aus Neuseeland. Die haben bislang eher experimentellen Post Metal gemacht, bringen jetzt aber ein ganz ruhiges, düsteres Album im Fahrwasser von Bohren und der Club Of Gore heraus. Es gibt einige ältere Platten, die wir neu auflegen, darunter das erste pg.lost-Album „It´s Not Me, It´s You!” und „Iron Chest“ von Earthship.«

Was macht Pelagic Records für dich aus?

»Packaging ist mir als Künstler extrem wichtig. Meine Erfahrungen mit The Ocean haben mir gezeigt, dass die Leute bereit sind, Geld auszugeben, wenn sie dafür etwas Einzigartiges bekommen. Insofern war unsere Philosophie immer, nicht den günstigsten Weg zu gehen, sondern uns bewusst durch aufwendige Sachen von der Masse abzuheben. Das ist natürlich nicht immer möglich. Bei einer Erstauflage einer noch unbekannten Band bin ich froh, wenn ich eine 500er-Pressung loswerde. Bei den etwas bekannteren Bands setzen wir gern auf Ausgefallenes. Musikalisch wollte ich zu Beginn in keine bestimmte Richtung gehen. Die Entwicklung hin zu Postrock und modernem Metal liegt natürlich auch an The Ocean und den Kontakten, die durch die Band bestehen. Wir wollen uns aber alle Richtungen offenhalten, solange es gut gemachte Musik ist, die uns überzeugt.«

Am 29. September erscheint eure erste Label-Compilation „In The Twilight, These Rocks Have Teeth“. Was erwartet die Hörer?

»Wir wollen nach knapp acht Jahren einen Querschnitt unseres Schaffens anbieten, gerade für Leute, die uns noch nicht so auf dem Schirm haben oder nur die größeren Bands wie Mono und Cult Of Luna kennen. Deswegen veröffentlichen wir eine Doppel-CD, auf der jeweils ein bis zwei Stücke unserer Bands drauf sind. Die Compilation teilt sich in eine CD, auf der es Postrock und ruhigere Songs zu hören gibt („In The Twilight…“), und eine CD, die brutalere Sachen in den Fokus rückt („…These Rocks Have Teeth“). Sie soll für unter zehn Euro im Laden stehen und auch digital verfügbar sein, um Leuten die Möglichkeit zu geben, das gesamte Label-Programm für einen schmalen Taler kennenzulernen.«

Du kennst sowohl die Position des Musikers als auch die des Labels. Wo siehst du die größten Reibungspunkte zwischen beiden Perspektiven?

»Die Bandperspektive und das Wissen, was man als Band möchte, haben dieses Label überhaupt erst ermöglicht. Interessen von Band und Label überschneiden sich immer nur zum Teil. Klar, beide haben etwas davon, wenn die Band Erfolg hat, gute Touren spielt und wächst, aber wer daran wie beteiligt ist und nach welchem System, das ist frei verhandelbar. Aus Sicht des Musikers waren die Labels eigentlich immer die Bösen. Die, von denen man Geld haben wollte, die es einem aber nicht gegeben haben. Jetzt verstehe ich ein bisschen, was dahintersteht, will es aber gar nicht schönreden. Viele Deals – auch die, die ich selbst mal unterschrieben habe – sind aus Bandperspektive nicht gut. Wir versuchen das bei Pelagic fair, aber gleichzeitig so zu gestalten, dass wir als Label vernünftig funktionieren können.«

Der Katalog von Pelagic Records umfasst rund 85 Releases. Auf welche bist du besonders stolz?

»Auf die größten und schwierigsten Projekte. Dazu zählen die The-Ocean-Boxsets zu „Heliocentric/Anthropocentric“ und „Pelagial“. Für „Pelagial“ haben wir 1.000 Acrylboxen gepackt und jeweils auf sechs Ebenen besiebdruckt. Auch die Veröffentlichung der letzten Wang-Wen-LP „Sweet Home, Go!“ entpuppte sich als lange und schwierige Reise – einerseits durch die aufwendige, teure Gestaltung des Albums und andererseits durch die Kommunikation mit einer chinesischen Band. Da ging viel „lost in translation“. Am Ende hat doch noch alles gut geklappt, und wir konnten das Album rechtzeitig veröffentlichen.«

Welche Ziele hast du dir für die Zukunft gesteckt?

»Weiterhin geile Bands zu releasen und neue Musik zu entdecken. Das ist das, was uns hier antreibt und immer angetrieben hat. Ich möchte, dass das Label so funktioniert, dass wir bequem leben und arbeiten können. Wir befinden uns gerade auf dem Weg dahin. Ein neues Lager mit Platz und vielen Annehmlichkeiten ist ein erster Schritt. Viele weitere müssen noch folgen. Ich möchte über die üblichen Vertriebskanäle hinaus neue Wege gehen. Wir denken über ein Label-Abonnement nach, um Fans dauerhaft an uns zu binden. Es geht darum, es ihnen relativ kostengünstig, aber auch für uns finanzierbar zu ermöglichen, all unsere neuen Releases in einer limitierten Auflage zu erhalten. Digital ist das natürlich viel leichter umsetzbar, sodass wir bald mit unserem Download-Abo an den Start gehen.«

www.pelagic-records.com

 
 

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