RH #332Titelstory

DEAD CONGREGATION

Der Todesblei-Kracher des Jahres

DEAD CONGREGATION

Mit „Promulgation Of The Fall“, ihrem zweiten Album, sind DEAD CONGREGATION auf dem vorläufigen Höhepunkt ihres Schaffens angelangt.

Allerdings muss man sagen, dass der Vorgänger „Grave Of The Archangels“ kaum dagegen abfällt. Beide Scheiben bieten tiefschwarzen Death Metal, dessen musikalische Wurzeln irgendwo zwischen Immolation, Morbid Angel und Incantation zu suchen sind. Die Attitüde dagegen kommt vom Black Metal. Diese Ernsthaftigkeit und der Anspruch, dass Musik mehr sein soll als bloße Unterhaltung, zeichnet eine ganze Reihe neuerer Death-Metal-Bands aus. Doch glücklicherweise ersparen sich Acts wie DEAD CONGREGATION die Verstocktheit und die ideologischen Verirrungen, die den Black Metal bis heute plagen. Aber dass auch altgediente Veteranen wie Incantation oder Acheron in dieser Atmosphäre einen zweiten Frühling erleben, zeigt, dass der Death Metal sich nicht nur wieder in die richtige Richtung entwickelt, sondern dass wir gerade erleben, wie die Grenzen des Genres neu vermessen werden. Das weitere Vorantreiben von Extremen wie im Slam Death oder Porn Grind überlassen Bands wie Tribulation, Morbus Chron, Horrendous, Portal oder Mitochondrion dabei getrost den bemitleidenswerten Schildmützenträgern, die eindeutig im HipHop besser aufgehoben wären. Stattdessen besinnt man sich auf die klassischen Tugenden des Genres und versucht, neue Ausdrucksmöglichkeiten für die schon immer in der Musik angelegten Attribute zu finden. Härte, Dunkelheit, Morbidität, aber auch Spiritualität werden mit neuer Bedeutung aufgeladen. Letztlich ist Death Metal ein Genre, in dem es immer auf die ein oder andere Weise um die ganz großen Themen geht: Leben, Sterben, Tod und alle damit zusammenhängenden Fragen, die nach einer Musik verlangen, die Transzendenz bietet. Dass das mitunter nicht leicht zu verdauen ist, spiegelt sich auch in der Musik der Griechen wider. Man könnte die Qualität von „Promulgation Of The Fall“ leicht verkennen, wenn man sich nicht die Mühe machte, zu warten, bis sich die auf moderne Hochglanzproduktionen geeichten Ohren an die vermeintlich dumpfe Produktion gewöhnt haben. Oder wenn man sich nicht die Zeit nimmt, sich auf die sich langsam aufbauenden Spannungsbögen einzulassen, die dafür dann aber umso intensiver ihre Wirkung entfalten. Die viehische Raserei gewinnt dabei besonders durch die natürliche Produktion. Man sieht Drummer V.V. vor dem inneren Auge, wie er schwitzend und mit brennenden Muskeln dem Ende der langen Blast-Passagen entgegeneilt. Die Rückbesinnung auf Echtheit ist der Schlüssel zu Musik, die bleibt. Nicht umsonst ist „Reign In Blood“ auch heute noch ein Referenzwerk. Man hört darauf eine Band, die „on fire“ ist, und die Ungenauigkeiten, die im Eifer des Gefechts zwangsläufig passieren, wurden nicht vertuscht. Auch wegen dieser Rückbesinnung ist DEAD CONGREGATION mit „Promulgation Of The Fall“ ein Zehn-Punkte-Meisterwerk gelungen. Durch das Weglassen von Tricks wird die Musik wieder glaubhaft. Und es ist toll zu sehen, dass die Griechen, obwohl sie ihre Platten selbst vertreiben, mit nahezu unglaublichen Verkaufszahlen belohnt werden. ...

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