RH #323Titelstory

DAVID ELLEFSON

Vom Saulus zum Paulus

DAVID ELLEFSON

Dass David Ellefson noch einmal zu MEGADETH zurückkehrt, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ein hoch dotierter Rechtsstreit um Rechte und Tantiemen des MEGADETH-Erbes hatte die beiden langjährigen Weggefährten entzweit. Aber Männer, die schimmelige Apartments, Drogen und Platinalben miteinander teilten, können auch wieder zusammenfinden. Genaugenommen fanden beide jedoch zunächst zu Gott...

Auch David Ellefson hat kürzlich seine Biografie („My Life With Deth“) geschrieben. Das Buch ist erheblich „leiser“ als die rasante, zuweilen etwas dick aufgetragene Lebensgeschichte von Mustaine. Das war schon immer so. Ellefson ist stets der ausgleichende Charakter, der Diplomat im MEGADETH-Camp gewesen. Aufgewachsen in Jackson, Minnesota, beschreibt der Bassist zunächst den typischen Alltag eines Jugendlichen im Mittleren Westen. Dem Klischee entsprechend wächst Ellefson tatsächlich auf einer Farm auf und wird selbstredend christlich erzogen. Auf dem Hof müssen alle Familienmitglieder mit anpacken, aber im Gegensatz zu seinem älteren Bruder, der heute die Farm führt, entwickelt Ellefson kein besonderes Interesse für die Landwirtschaft, obwohl er „amtlich Traktor fahren kann“, wie er betont. Der Teenager entdeckt Kiss, bekommt im Auto des großen Bruders den ersten Alkohol eingeflößt, raucht mit Kumpels Joints und sieht lokale Bands auf der Bühne, die der gelangweilten Landbevölkerung erfolgreich das Wochenende versüßen, Girls inklusive. Dann beschließt er, Bass zu spielen, und es beginnt eine Story, die sich in dieser Form schon tausendmal zugetragen hat, aber genau daraus ihren Reiz bezieht. Die Provinz wird zu eng, und Ellefson landet wie viele andere junge Musiker aus aller Welt im Sündenpfuhl Los Angeles. Man erfährt danach einiges über MEGADETH aus Ellefsons Perspektive, zum Beispiel den Niedergang der Band nach „Risk“, aber viel interessanter ist eigentlich, dass der Bassist im Anschluss den Verlockungen des Musikgeschäfts widersteht, um eine Familie zu gründen und ganz „normal“ einem Job nachzugehen (er arbeitet für den Instrumenten- und Equipment-Hersteller Peavey im Marketing). Das ist zwar die Realität für die meisten Musiker, von denen wir plötzlich nichts mehr hören oder sehen, aber es gab bislang niemanden, der seine privaten Überlegungen in Worte fasste. Eines kommt zum anderen. Ellefson engagiert sich in seiner lokalen Kirchengemeinde mit einem Selbsthilfeprogramm für Abhängige und sozial Benachteiligte, spielt Musik mit anderen rockenden Gemeindemitgliedern und geht am Ende sogar die Ausbildung zum Pastor an. Eine extreme Wendung für einen ehemaligen Drogenabhängigen, der auf den größten Bühnen der Welt stand und die US-Charts von ganz oben gesehen hat....

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