RH #308RH vor 10 Jahren

Gottes versandete Achselhöhle

Rock Hard #188

Ganz schön was los hier: Doro kriegt müffelnde Briefbomben, Ted Nugent lädt durch, und Status Quo outen sich als warme Brüder.

Wir vertragen uns endlich wieder mit DORO. 1991 hatte Frank Trojan in seiner „True At Heart“-Rezension noch gezetert, man möge „auf das Vinyl pissen, in die Hülle scheißen und alles an die Plattenfirma zurückschicken“. »Das mit dem Ins-Cover-Scheißen haben einige tatsächlich befolgt«, zeigt sich Schlands Metal-Queen auch gut zehn Jahre später not amused. »Sie haben das Ding dann allerdings nicht ans Label, sondern an den Fanclub geschickt. Das Postfach hat damals meine Mutter geleert. Es war eine Katastrophe.« Das Haus ihrer Eltern wird mit Beschimpfungen beschmiert, Doro bei einer Show im Ruhrpott sogar niedergeschlagen. Und das ist nur ein Bruchteil der Karriereabgründe, die Frau Pesch auf stattlichen sechs Seiten entwaffnend ehrlich und mit einer unzerstörbaren Herzlichkeit preisgibt. Letztere hielt die passionierte Kickboxerin auch davon ab, mal eben bei Herrn Trojan vorbeizuschauen.

Doros Kumpel und künftiger Duett-Partner Udo Dirkschneider wird währenddessen von einem ominösen Verein namens Mas Macho zum „Mann des Monats“ gewählt. Dahinter steckt „eine weltweit aktive Organisation, die wahre Männer repräsentiert; Männer, die wissen, wie man sich um Frauen kümmert und ihnen den angemessenen Platz zuweist“. Also mit anderen Worten ein paar frustrierte Kleinschwänze, die zu Hause an Muttis Rechner einen auf dicke Hose machen.

Sexuelles Zukurzkommen ist außerdem ein Grund für die wachsende Zahl sich selbst und leider auch diverse Unschuldige ins Jungfrauen-Paradies bombender Schwarzbärte. KISS-Vordenker Gene Simmons hat allerdings eine ganz andere Theorie: »Diese Typen sind doch nur eifersüchtig, weil sie in der versandeten Achselhöhle Gottes leben.«

TED NUGENT heckt derweil einen Plan aus, um die Welt ein für alle Mal von unfähigen Machthabern zu befreien: »Ich würde nach Mexiko gehen, die korrupten Politiker aufspüren und sie alle umlegen. Und ich würde nach Afrika gehen, diese korrupten Monster, Diktatoren und Tyrannen finden und sie alle umlegen.«

Der vergleichsweise entspannte Dave Grohl verbrennt sich bei seinem Flirt mit der Metalszene die Finger. Für das PROBOT-Projekt will der Foo-Fighters-Chef ein paar coole Gastsänger anheuern, lässt sich jedoch ausgerechnet Unleasheds Johnny Hedlund mit der Begründung ausreden, der Kerl habe ´ne braunstichige Polit-Glasur. Hätte die Journaille auf den Namen Foo Fighters - eine Abwehr-„Wunderwaffe“ der Nazis - ähnlich vorschnell reagiert, wäre Grohl längst von der Bildfläche verschwunden.

Last but not least hieven wir STATUS QUO aus der (schon damals) verdienten Rente. Holger lässt sich zwar leckere Anekdoten über Sex, Suff und speckige Jeans ins Diktiergerät plauschen, absolutes Highlight ist aber ein ganz besonders pikanter Streit in der Seniorenband: »Der eine wollte, dass die Heizung ausgemacht wird, dem anderen war´s zu warm.« Und der Dritte hatte seine Rheumadecke verbummelt. Dann war ja eigentlich alles okay.

 

Und sonst?

  • Vor zehn Jahren hatten wir noch echte Sorgen. Da durchbrechen die Ticketpreise bei PAPA ROACH doch glatt „die 50-Mark-Schallmauer“. „27 Euro“ klang Vorwortschreiber Matthias Breusch wohl zu mickrig.
  • Patrick Schmidt debütiert bei uns als Schreiber. Dass der Herr ´ne Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert hat, kann bei einem Blick in die Redaktion und auf Interviewpartner wie Status Quo nicht schaden.
  • Die Textzeile des Monats stammt von den Kot-Connaisseuren KAVIAR KAVALIER: „Gib Schlauch ins Loch, nun schweig, Eingang ist frei, kein Geschrei.“ Ächz.