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SAXON

Außerirdische Metallköpfe

Viel Zeit ist seit dem letzten SAXON-Geniestreich "Unleash The Beast" ins Land gegangen, doch nun ist es endlich vollbracht: Das insgesamt vierzehnte Studioalbum ist im Kasten und trägt den kernigen Titel "Metalhead". Ob dahinter auch die passende Musik steckt, versuchten wir bei der Listening-Session im Hamburger Karo-Studio zu erforschen.

 

Die britischen Metal-Veteranen hat es also wieder an den Ort zurückgezogen, an dem schon das großartige Comeback-Album "Solid Ball Of Rock" entstand. Zwar sitzt diesmal nicht Kalle Trapp hinterm Mischpult, sondern Charlie Bauerfeind, ansonsten hat sich in diesem Studio aber (rein optisch) in den letzten neun Jahren so gut wie nichts verändert.

Doch hält die Platte, was der Titel verspricht? Der Opener und Titelsong auf jeden Fall. ´Metalhead´ ist ein mächtiger Midtempo-Hammer mit majestätischen Riffs, fett produziert und richtig schön heavy. Auch die beiden folgenden Tracks ´Travellers In Time´ und ´Conquistador´ können absolut überzeugen, bewegen sich ebenfalls im Midtempo-Bereich und warten mit tollen Refrains auf. ´Song Of Evil´ ist ein Nackenbrecher allererster Kajüte, ´All Guns Blazing´ ein typischer SAXON-Doublebass-Kracher, ´Watching You´ indes überzeugt mit einer ziemlich ungewöhnlichen Melodieführung. Mit ´Prisoner´ und ´Piss Off Bomb´ haben sich allerdings auch zwei echte Durchhänger eingeschlichen. ´What Goes Around, Comes Around´ erinnert ein wenig an die kommerzielleren Zeiten der Band Ende der 80er, und mit dem achtminütigen Monumentalwerk ´Sea Of Life´, das glattweg der kleine Bruder von ´The Eagle Has Landed´ sein könnte, beschließen SAXON dieses Album, das irgendwie das Flair des "Crusader"-Longplayers versprüht - mit dem Unterschied, daß diesmal alles ungefähr einen Ton tiefer gespielt wird, um einen etwas düstereren Gesamtsound zu erzeugen.

Kurzum: Den ersten Eindrücken nach zu urteilen, ist "Metalhead" zwar kein Meilenstein in der Karriere von SAXON, aber zweifelsfrei ein verdammt gutes Album. Auch Chef Byford ist selbstredend zufrieden mit dem Vollbrachten: "Eigentlich wollten wir die Scheibe ja schon letztes Jahr aufnehmen, aber dann kamen plötzlich die Angebote für die ganzen Festivals wie Dynamo, Graspop oder Monsters Of Rock in Rio. Zudem wurde unsere letzte Platte in Amerika sehr viel später veröffentlicht, und als wir dachten, die "Unleash The Beast"-Tour sei beendet, ging es auf einmal in den Staaten los, weil wir dort ein überraschend gutes Feedback bekamen. Wir haben sogar zweimal dort getourt. Na ja, jedenfalls konnten wir durch die ganzen Touraktivitäten erst im Januar mit dem Songwriting beginnen. Wir gehören halt nicht zu den Bands, die ihre Stücke auf Tour schreiben. Nach einem Gig sitzen wir zusammen, relaxen, trinken ein paar Bier, schlafen am nächsten Tag aus, geben Interviews - da bleibt höchstens beim Soundcheck Zeit, um ein paar neue Ideen auszuprobieren. Wir haben auf jeden Fall noch nie einen kompletten Song auf Tour geschrieben."

Auch der Ausstieg des langjährigen Drummers Nigel Glockler hat die Planungen der Band über den Haufen geworfen...

"Zunächst wollte Nigel noch das Album einspielen, aber die Schmerzen in seinem Rücken wurden immer schlimmer, so daß er schließlich die Drumsticks an den Nagel hängen mußte. Wir hatten dann auf den Festivals und der ersten US-Tour einen Engländer namens Trevor Thornton als Ersatz dabei, der seinen Job auch wirklich gut erledigte, haben dann aber Fritz Randow angeheuert, weil sein Drumming dem von Nigel sehr ähnelt. Er spielt teilweise sogar die gleichen Fills. Fritz wird uns jedenfalls auch auf der nächsten Tour begleiten, und danach wird sich sicherlich herausstellen, ob er festes Bandmitglied wird..."

"Wir haben einige Drummer in England angetestet", übernimmt Klampfer Doug das Wort. "Die meisten "Testpersonen" beherrschten zwar wahnsinnig gut das Doublebass-Zeugs, hatten aber kein Feeling für die einfachen, groovenden Rhythmen. Sie konnten verdammt schnell spielen, aber bei Songs wie ´Crusader´, ´Denim And Leather´ oder ´Wheels Of Steel´ versagten sie. Wir brauchen einen Drummer, der beides kann, und da scheint Fritz der richtige zu sein. Außerdem ist er ein echt netter Typ."

Was macht Nigel denn eigentlich jetzt?

"Er spielt Keyboard", erzählt Biff. "Er mochte dieses Instrument schon immer. Auf "Unleash The Beast" zum Beispiel wurden sehr viele Songs auf dem Keyboard komponiert. Sein Verlust war schon schwerwiegend, da er schließlich auch ein guter Songwriter ist. Wir haben das kompensiert, indem wir die meisten neuen Stücke als Quartett ausgearbeitet haben - mit mir am Baß und Nibbs am Schlagzeug. Nigel hat übrigens die Keyboard-Parts auf "Metalhead" ausgearbeitet."

Was steckt denn nun hinter dem Albumtitel?

"Nicht das, was man vermuten würde", grinst der Shouter. "Der Song selbst handelt von einer Meute Aliens, die Menschen entführen, und diese Außerirdischen habe ich "Metalheads" getauft. Natürlich kann der Albumtitel auch als Tribut an unsere Fans verstanden werden, so wie damals "Denim And Leather". Wir lieben zweideutige Wortspiele."

Und wie läßt es sich erklären, daß das Album doch einen deutlichen Zacken düsterer als alle anderen SAXON-Scheiben ausgefallen ist? Ich kann mir absolut nicht vorstellen, daß ausgerechnet eine Frohnatur wie Biff plötzlich zum depressiven Zyniker mutiert ist...

"Bin ich auch nicht. Es gibt auch einige positive Stücke auf der Platte, die man aber nicht unbedingt sofort als solche erkennt. ´Sea Of Life´ ist ein gutes Beispiel. Der Song handelt vom Schicksal. Im ersten Vers geht es um eine Kugel, die auf eine Gruppe von Menschen zufliegt, und keiner weiß, wer getroffen wird. Einer muß dran glauben, während die anderen ihr ganz normales Leben weiterführen werden. "Somebody has to pay the ferryman to get across the river", wie man bei uns in England sagt..."

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