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TEMPLE OF BAAL

Geboren aus Meditation und Gebet

TEMPLE OF BAAL

Eine Black-Metal-Band, die Transzendenz und Meditation als Motivation angibt, Materialismus verabscheut, die Schönheit von Kirchen preist, religiöse Schriften verschlingt und dazu aufruft, ihre Texte auf Basis der eigenen Kultur und möglichst vielen Sekundärquellen zu erkunden, steht weit über dem stumpfen  Corpespaint-Allerlei. Willkommen bei den französischen TEMPLE OF BAAL, die uns in der Online-Ergänzung zum Interview aus Rock Hard Vol. 320 weitere Einblicke in ihre Welt geben.

Was folgt nach 'Wall of Fire', dem letzten Song von „Verses Of Fire“: Tod, Auferstehung – oder ein intellektueller Weltenbrand?

Amaduscias: »Der Song beschreibt die psychische Isolation, die zur Meditation benötigt wird, um mit dem zu kommunizieren, was ich andere Dimensionen nenne. Wir bauen Feuerwände zwischen uns und dem Alltag auf, wir lösen uns von der Menschheit, um eins mit einer anderen Ebene der spirituellen Essenz zu werden.«

Ihr nennt TEMPLE OF BAAL einen religiösen Black/Death-Kult, wohingegen die früheren Genre-Bands sich auch bei satanischen Inhalten stets als antireligiös inszeniert haben.

Amaduscias: »Die Band ist eine religiöse Essenz für mich, unsere Musik heilig. Die erste Black-Metal-Welle war nicht seriös. Venom und Bathory waren beispielsweise exzellente Bands, aber, wie sie selbst sagen, mit viel Humor gespickt. Für mich ist Black Metal sehr viel mehr. Es ist spirituelle Kunst, geboren aus Meditation und Gebet und gleichzeitig Werkzeug für Meditation und Gebet. Wie wir dies praktizieren, geht weit über den blinden Gehorsam der Anhänger etablierter monotheistischer Religionen hinaus. Satan und Luzifer sind die Kräfte des Zweifels, sie implizieren ein permanentes Infragestellen. Zwischen uns und ihnen liegt ein Abgrund!«

Der Schrei und das Riffing von 'Gnosis Of Fire' um Minute 2:20 erinnern an Slayer, der Song selbst als eine beschleunigte, brutalere Variante von Bathorys 'Chariots Of Fire'. Ihr wart also nicht angepisst, als ihr beide als Entertainer kennenlernen musstet?

Amaduscias: »Nein, sie waren wenigstens ehrlich. Beide gehören zu den am meisten von uns gehörten Bands und wer sind wir, jene zu kritisieren, die so perfekte Alben wie „Reign In Blood“ und „Under The Sign Of The Black Mark“ erschaffen haben? Und was kann metallischer sein, als hohe Schreie, wilde Gitarrensoli und thrashige Riffs?«

Ihr habt schon zum Jahrtausendwechsel mit Erik von Watain Bathorys 'Woman Of Dark Desires' gecovert und einen Text von ihm interpretiert. Würdet ihr diesen Bund gerne erneuern?

Amaduscias: »1999 bekam ich einen Brief von ihm, als er gerade Kontakte zur französischen Szene schloss und uns für sein Fanzine Hellish Massacre interviewen wollte. Das Heft war eine Tribüne der gerade entstehenden religiösen Black-Metal-Szene. Wir trafen uns in Belgien beim Drakkar-Fest, wo wir mit Triumphator, Antaeus, Umpiety und anderen spielten. Eine höllische Erinnerung! Wenig später kam Erik nach Frankreich und bei einer unserer Bandproben nahmen wir das Cover auf. Der Kontakt blieb bestehen und er schrieb 'Deathblessed' für unser Debüt, dessen Cover er auch entwarf. Es ist sehr lange her, seit wir uns letztmalig begegnet sind – das müsste auf der Support-Tour von Watain für Celtic Frost gewesen sein. Es wäre toll wieder gemeinsame Live-Rituale zu begehen. Das neue Watain-Album ist exzellent. Der Titelsong und 'They Rode On' haben es mir mit den persönlichen Texten besonders angetan. Ich spüre die Ehrlichkeit darin. 'Sleepless Evil' ist ein anderes Highlight, total Old School!«

Grundsätzlich seid ihr nicht eben als coverfreudig bekannt und scheint eine Album-fixierte Band zu sein.

Amaduscias: »Wir haben alle sehr unterschiedliche Geschmäcker und da wir wenig Zeit haben, konzentrieren wir uns lieber aufs Komponieren. Wir legen Wert auf Qualitätsveröffentlichungen, die wir so sorgfältig wie möglich arrangieren und mit hochwertigen Texten versehen. Alben oder zumindest konsistente Split-Alben sind mir wichtiger, als immer wieder ein oder zwei Songs rauszuhauen. Ich würde die Quantität gerne erhöhen, weigere mich aber, die Qualität darunter leide zu lassen. In den letzten Jahren haben uns zudem Gründe außerhalb der Band und persönlicher Natur gebremst. „Verses Of Fire“ sollte ein Jahr früher veröffentlicht werden, die meisten Kompositionen entstanden zwischen Dezember 2010 und Februar/März 2011.«

Wie alles in Frankreich ist die Szene auf Paris zentriert, wobei ihr angeblich aus dem mondänen Ort LeVésinet stammt. Meist sind die Bewohner einer Metropole weniger konservativ, als auf dem Land.

Amaduscias: »Nein, nein, nein. Das ist ein blödsinnige Fehlinformation im Internet, die zu korrigieren ich zigfach gebeten habe. Ich habe dort 1999 bis 2000 für wenige Monate gelebt, was keinerlei Einfluss auf TEMPLE OF BAAL hatte. Unser Hauptquartier war und ist Paris. Dort treffen wir uns immer, dort proben wir, dort fand unser erster Auftritt statt. Die Stadt nimmt starken Einfluss auf die gewalttätige und finstere Stimmung, die wir verbreiten. Ich mag Paris, es ist eine schöne Stadt – aber gleichzeitig sehr stressig, verschmutzt und dreckig. Das Leben hier ist nicht immer leicht, was mich beim Schreiben von Musik und Texten immer wieder beeinflusst. Heute lebe ich hundert Kilometer auswärts, bin aber mindestens einmal wöchentlich zum Proben dort.«

Arkdaemon: »Wir stammen nicht aus einer dieser kleinen Ortschaften, was eine romantische Vision ist – leider völlig von der Realität entfernt. Die meisten Einwohner hier wie dort sind Christen aus Tradition. Sie fürchten Satanismus nicht wirklich, der Materialismus ist die neue Religion des Okzidents. Die Menschen kümmern sich nur um ihren Besitz und ihre körperliche Unversehrtheit. Wir sind also keine Märtyrer, die für ihren Glauben geächtet wurden.«

Amaduscias: »Ich fühlte mich schon zur dunklen Seite hingezogen, bevor ich den Metal entdeckte. Ich wuchs als Einzelgänger auf, habe nie Freundschaften gesucht. Menschen haben mich zu schnell gelangweilt. Glücklicherweise konnte ich schon viel früher als üblich lesen und habe dadurch noch mehr Zeit alleine verbracht. Ich litt nicht darunter, sondern suchte die Isolation. Ich hatte eine natürliche Abscheu vor anderen. Aber ich war neugierig, hatte einen enormen Wissensdurst. Irgendwann stieß ich auf religiöse Schriften, die mich faszinierten. Ich las die Bibel, den Koran und andere heilige Bücher. Teil meiner Kindheit verbrachte ich in Ägypten, wo ich sowohl islamische Heiligtümer wie solche aus dem altertümlichen Ägypten besuchte. Natürlich haben wir auch in Frankreich imposante Kathedralen und hübsche kleine Kirchen, die es zu Besichtigen lohnt. Aber ich sah Religion bald als Werkzeug an, Schafe zu versklaven. Sie sprechen heuchlerisch mit dir, um dir im nächsten Moment das Messer in den Rücken zu jagen. So begann mein Interesse an der dunklen Seite zu wachsen. Ich bezeichne mich als steten Studenten des Okkulten. Die konservative Mentalität ist immer noch weit verbreitet. Einer meiner Lehrer an einer öffentlichen Schule rastete total aus, als er Anfang der Neunziger Aufnäher von Slayer und anderen blasphemischen Bands auf meiner Jeansweste entdeckte. Erst später wurde mir zugetragen, dass er an der Universität einen Bibelkreis leitete.«

Gibt es dementsprechend gerade unter euren frühen Aufnahmen Texte, die dir heute pubertär und oberflächlich erscheinen?

Amaduscias: »Es wurde alles schärfer in den Beobachtungen und tiefgründiger, präziser und tatsächlich auch reifer. 'Black War' von unserem, „Black Unholy Presence“-Demo hat beispielsweise ziemlich unreife Lyrics. Aber es ist Teil unserer Geschichte, wir werden den Song nicht verleugnen und es macht immer noch Spaß, ihn live zu spielen. In 15 Jahren muss man sich einfach entwickeln und das ist absolut positiv. So geht es vielen Bands, aber wir stehen immer noch zu allem, was wir getan haben.«

Haltet ihr die Klassifizierung als eine zunehmend todesmetallische Black-Metal-Band für übertrieben oder zutreffend?

Amaduscias: »Beides. So sehr unser Sound sich dem Death Metal angenähert hat, sind wir tief im Black Metal verwurzelt. Wenn ich mich für eine Seite entscheiden müsste, wäre es immer die letztgenannte. Ich stimme zu, dass wir nach dem ultimativen Ausdruck unserer Spiritualität streben. Exzellenz ist ein prätentiöses Wort aber wir versuchen stets so zu komponieren, dass unsere Seelen beim Spielen eins mit der anderen Seite werden, die ich die Leere nenne. Unsere musikalischen Inspirationen haben sich wenig geändert. Anfänglich war es natürlich viel True Black Metal, aber immer mit Motiven aus dem Thrash, Death und Heavy Metal. Die Musikerkonstellationen erlaubten uns damals aber weder einen so tiefen Sound wie heute, noch blitzschnelle Songs. Wir waren ein Power Trio, meine Gitarre normal gestimmt und der Drummer hatte seine Grenzen... es ist wie mit Sprache: Du drückst dich im Rahmen des Vokabulars aus, welches du beherrschst. Dann entwickelten wir uns plötzlich extrem rasant. Ich kaufte mir eine siebensaitige Gitarre und schrieb Stücke wie 'Flames Of Baal', die man nur auf einer heruntergestimmten Gitarre spielen kann, und das extrem schnelle 'Traitors Of Mankind'. Dann wechselten wir den Drummer...«

Saroth hat euch erst nach den Aufnahmen von „Verses of Fire“ bereichert?

Saroth: »Korrekt. Für mich ist es eine Ehre, festes Bandmitglied zu sein, da ich TEMPLE OF BAAL schon seit Jahren sehr schätze. Ich habe viele Ideen für das nächste Album und freue mich darauf, bei dessen Entstehen teilzunehmen. Meine Gitarre ist eine reguläre sechssaitige, herabgestimmt auf B.«

Amaduscias: »Seit „Lightslaying Rituals“ sind viele Arrangements auf zwei Gitarren ausgerichtet, die man nicht korrekt als Trio auf die Bühne bringen könnte. Saroth stieß als Aushilfsmusiker und temporärer Ersatz für Alastor zu uns und hat sich sehr bewährt. Er ist ein großartiger Gitarrist, ein wildes Biest auf der Bühne und hat die richtige Geisteshaltung, die Band zu verstehen. Ich freue mich schon auf das gemeinsame Komponieren.«

 

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