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THE RUINS OF BEVERAST

Bühnengeburt

THE RUINS OF BEVERAST

THE RUINS OF BEVERAST auf dem Roadburn? Klingt eigentlich wie ein Scherz, ist aber keiner. Die bislang lediglich Studioalben gebärende Pestbrutstätte um ex-Nagelfar-Drummer Alexander von Meilenwald wird im April kommenden Jahres livehaftige Bühnenpremiere feiern. Was steckt dahinter?

»Die Idee stand ja schon länger im Raum. Bei allen Projekten, an denen ich beteiligt bin, schiele ich immer mit einem Auge darauf, inwiefern sich die Sache live umsetzen lassen würde.« so Meilenwald. »Eigentlich spiele ich ganz gerne Gigs. Bei THE RUINS OF BEVERAST ist das allerdings aus vielerlei Gründen besonders schwer in die Tat umzusetzen, und ich habe seit jeher Zweifel daran gehabt, ob Aufwand und Ertrag da in einem gesunden Verhältnis stünden. Und diese Frage wird uns bis zum Roadburn-Gig auch niemand beantworten können. Ich kann die Songs von THE RUINS OF BEVERAST nur wirklich lebendig halten, indem ich sie probe und regelmäßig spielen kann. Das geht eben nur im Band-Line-up und auf der Bühne. Ich denke, dass das letztendlich mein Hauptbeweggrund war, mich für die Bühne zu entscheiden.«

Denkst du schon lange darüber nach?

»Im Kopf habe ich das irgendwie immer. Trotzdem bin ich in der Zeit vor "Foulest Semen..." beim Thema Live-Umsetzung immer in höhnisches Gelächter ausgebrochen. Alleine der Produktionsprozess von "Rain Upon The Impure" war so unglaublich schwierig und aufwendig für eine Einzelperson, dass ich es für vollkommen unrealistisch hielt, solche Monsterkompositionen jemals livetauglich machen zu können. Ván-Chef Sven hat als enger Freund und Fanboy immer mal wieder angeklopft, nachdem "Foulest Semen..." rauskam, und ich bin dann auch etwas wankelmütig geworden. Mir war allerdings klar, dass es einer heftigen Initialzündung bedurfte, um mir selbst in den Arsch zu treten.«

Wie kam überhaupt der Kontakt zum Roadburn zustande und wie haben die Booker von deinen Sinneswandel erfahren?

»Ja, die waren sogar der Auslöser dafür. Ich sagte ja bereits, dass es eine Initialzündung geben musste. Sven hat seit geraumer Zeit versucht, mich argumentativ vom Livespielen zu überzeugen. Funktioniert hat das aber erst, als er Walter (Hoeijmakers, Roadburn-Veranstalter. – vw) die TROB-Sachen hat zukommen lassen und der daraufhin das Angebot machte, den ersten Ruins-Livegig für das Roadburn zu planen. TROB passen konzeptionell und musikalisch perfekt zu diesem Festival. Wenn ich dieses Angebot nicht angenommen hätte, wären die Livepläne für TROB definitiv und endgültig begraben gewesen.«

Mit Nagelfar hast du ja ausgiebig Bühnenluft schnuppern können. Und bei Truppensturm und Verdunkeln greifst du immer wieder aktiv ins Geschehen ein. Welche Herausforderung stellt es für dich dar, auf eine Bühne zu gehen. Kannst du trotzdem Musiker akzeptieren, die unter keinen Umständen eine Live-Situation herstellen wollen?

»Naja, es ist etwas übertrieben im Zusammenhang mit Nagelfar von Bühnenluft zu sprechen. Wir haben, wenn ich mich richtig erinnere, abgezählte 14 Live-Gigs gespielt, und ich war bei jedem einzelnen davon hoffnungslos besoffen. Ich kann mich an die Gigs ehrlich kaum erinnern, auch wenn ich meine, dass die Trips allesamt Hammer waren. Live-Erfahrung in dem Sinne, dass ich wirklich lernen und etwas mitnehmen konnte, habe ich erst mit Truppensturm und Verdunkeln sammeln können. Ich mag das Rock-'n'-Roll-Feeling an Live-Tagen. Das sind für mich so ziemlich die entspanntesten Momente, die es gibt. Ich hänge den ganzen Tag mit Freunden rum, habe Drumsticks, Klampfe und Gratisbier in der Hand, und kann abends auf die Bühne zum Musikmachen. An solchen Tagen gibt es im Gegensatz zu meinem Alltag wenig, was mich ankotzt. Ich kann mich auch über schlechte Organisation oder nervige Leute dann nicht wirklich aufregen. Dann trinke ich halt ein Bier mehr. Früher war das anders. Ich kann glücklicherweise mittlerweile Scheuklappen aufsetzen, wenn ich trotz Gesellschaft vieler Menschen allein sein will. Damals konnte ich das nicht. Und zu diesem Zeitpunkt wäre ich mit einem Projekt wie THE RUINS OF BEVERAST auch nicht auf die Bühne gegangen. Ich kenne ein paar Bands, die sich solchen Situationen aus Prinzip verweigern und habe totales Verständnis dafür. Ich denke, man muss einer Band die Einstellung zugestehen, dass ihre Musik für Event-Spaßmacher in Entenkostümen oder die notorische Gröhl-Fraktion nicht gedacht ist und live nicht funktioniert; und das hat keineswegs was mit Hochnäsigkeit oder fehlenden Eiern zu tun. Es gibt viel Musik im extremeren Bereich, der beim Transport auf die Bühne möglicherweise Mystik, Magie und Seele abhandenkommt. Und ich brauche mir nichts vorzumachen – TROB gehören natürlich auch zu dieser Risikogruppe. Die Gefahr ist nun mal gegeben, dass atmosphärische, surreale und schwer fassbare Musik in einer Situation, in der man von anderen abhängig ist, zum bösen Unfall mutieren kann. Weil entweder die Begleitumstände nicht die richtigen sind oder die Band Defizite hat, die Seele ihrer Musik auf die Bühne zu transportieren. Das ist eine gigantische Herausforderung, die man zwar einschätzen, aber nur sehr bedingt kontrollieren kann. Ich habe mich jetzt entschieden, die Herausforderung anzunehmen.«

Seit "Foulest Semen..." sind gut drei Jahre vergangen. Wie fällt dein Fazit aus, wie steht du heute persönlich zu dem Album, wie haben es die Fans, die bekanntermaßen die härtesten Kritiker sind, verdaut?

»Ich hoffe ich darf ehrlich sein und muss keinen "Ganz-klar-unsere-beste-Platte"-Schmodder erzählen... ich habe das Album ohne jeden Zweifel sehr ins Herz geschlossen, es hat aber zwei größere Mankos. Das ist erstens der Gitarrensound – der ist mir nicht dominant und bösartig genug. Und zweitens das Lied 'Blood Vaults II'. Der Song an sich ist okay, aber ich hätte ihn isolieren, nochmal überarbeiten und für eine Single oder Ähnliches nutzen sollen. Auf das Album passt er nicht, da wirkt er wie ein Fremdkörper. Dafür meine ich, dass 'I Raised This Stone As A Ghastly Memorial' zu den besten Ruins-Songs gehört und sehr nah an dem ist, was ich erreichen wollte. Darüber hinaus bedeutet mir der Text sehr viel. Ich kenne nicht viele Reaktionen von außerhalb, weil ich keine Internetforen verfolge und das Label nicht frage. Also kenne ich nur die aus persönlichen Gesprächen, und das sind ohnehin die einzigen, die mich wirklich interessieren. Größtenteils waren die Reaktionen recht positiv denke ich. Ich glaube es gibt einige, die die beiden älteren Platten besser fanden. Kann ich verstehen. Einige fanden „Foulest Semen...“ am besten. Kann ich auch verstehen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.«

Fährt du mit irgendwelchen Erwartungen aufs Roadburn, wie wird diese Show von dir konzeptionell geplant? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr einfach auf die Bühne geht und loslegt. 

»Wenn's nach mir geht, würde es aber genauso laufen. Ich bin kein großer Freund von Hütchen und Anzügen oder sonstigen optischen Accessoires. Ich denke, mittlerweile hat jeder verstanden, dass die im Normalfall nur verschiedene andere Defizite übermalen oder zwanghaft Originalität und Anders-Sein präsentieren sollen. Im Falle von The Ruins Of Beverast steht ohne wenn und aber die Musik im Vordergrund und kein selbstdarstellerischer Zirkus. Ich werde sicherlich über ein paar Sachen bzgl. Licht und Nebel nachdenken müssen, und visuelle Unterstützung ist beim Roadburn ja ohnehin an der Tagesordnung. Aber mir ist es wichtig, dass Ruins live eine Metalband sind und kein Theaterensemble.«

Waren eigentlich viele Leute angesichts der Depeche-Mode- und Dead Can Dance-Coverversionen auf eurer letztjährigen Compilation "Enchanted by Gravemould" schockiert? Welche Idee steckt überhaupt hinter dem Release? Einfach ein paar alte Karteileichen releasen, bevor sie in Vergessenheit geraten, oder ist die stilistische Vielfalt in gewisser Weise eine geschickte Überleitung zum "Foulest Semen..."–Nachfolger, der ja im Grunde kaum finsterer und furchterregender werden kann?

» Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, waren nicht schockiert, eher im Gegenteil. Hat mich auch etwas gewundert. Man sollte wissen, dass ich sämtliche Coverversionen während der Aufnahmesessions zu den Alben aus rein persönlichen Gründen aufgenommen habe. Nicht eine davon war jemals zum Veröffentlichen gedacht. Die sperrigen Depeche-Mode-Sachen, die "Symphonaire Infernus" von My Dying Bride und die "Within The Realm..."/"Serpent's Egg"-Alben von Dead Can Dance waren und sind feste musikalische Größen in meinem Leben, und es war für mich ein Lebensziel zu wissen, wie es sich anfühlt, diese Musik zu spielen und zu singen. Man kann deutlich hören, dass es beim Versuch geblieben ist. Aber das war mir im Moment der Aufnahme auch nicht wichtig, das war einfach intuitiv und spontan. Dass die Sachen letztendlich doch mit auf die Compilation kamen, hat profanere Gründe. Ván Records wollte die Platte aufwerten. Die beiden Songs von den Splits sind offensichtlich gesucht, es gab anscheinend mehrere Anfragen an Ván, die Sachen nochmals zur Verfügung zu stellen. Hätten die das also nicht gemacht, wären die Songs ohnehin über kurz oder lang stumpf im Netz gelandet. Also haben wir sie stil- und gehaltvoll auf Vinyl und CD samt exklusivem Zusatzmaterial erhältlich gemacht, um den Liedern einen angemessenen Rahmen zu verleihen und sie nicht wehrlos auf YouTube in den Müll zu schmeißen. Stilistische Hinweise auf das nächste Album, wie du erwähntest, lassen sich auf "Enchanted By Gravemould" übrigens nicht finden.«

Abgesehen von kommenden Live-Aktivitäten, mit was kann die Fangemeinde in den kommenden Monaten rechnen? Wie weit ist das neue Album und gibt es hierzu schon etwas im Vorfeld zu sagen?

»Dieses Album macht mich jetzt schon wahnsinnig. Ich war im Frühjahr mal fast soweit, dass ich hätte aufnehmen können, habe mir dann allerdings die Songs nochmal am Stück zu Gemüte geführt und war mit einigen Passagen nicht mehr zufrieden. Ich wollte ein paar Sachen umarrangieren, dann fehlte mir aus persönlichen Gründen aber plötzlich die Zeit dazu. Ich hoffe, dass die Aufnahmen dieses Jahr noch starten können.«

 

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