Online-MegazineKolumne

OPETH

»Metal ist keine Rebellion mehr«

OPETH

Mikael Åkerfeldt ist schon ein schräger Vogel. Drei Monate haben OPETH ihre Plattenfirma und die Fans auf ihr neues Album warten lassen. Hintergrund: Der Band-Boss hat bei seinem Hauskünstler Travis Smith ein dreigeteiltes Gemälde in Auftrag gegeben, das an die Monumentalwerke klassischer Malerei erinnern soll - und das im CD-Zeitalter!

Andere Bands hätten ein pechschwarzes oder blütenweißes Cover veröffentlicht, nur um ihr Veröffentlichungsdatum zu retten, die Plattenfirma zufriedenzustellen oder auf den Sommer-Festivals kräftig abkassieren zu können. Nicht weniger eigenwillig ist die Musik des Schweden, der sich von Tournee zu Tournee einer größeren Fangemeinde erfreut. Auch das Rock Hard musste die geplante Titelstory verschieben und ist mit der aktuellen Ausgabe immer noch einige Wochen zu früh dran: „Pale Communion“ erscheint erst am 22. August (pünktlich zum Album-Release gibt es im Rock Hard natürlich einen Nachschlag mit Stimmen zum Album). Musikalisch lohnt sich das Warten auf jeden Fall, so viel kann ich verraten, beim Cover bin ich mir nicht ganz sicher...

Schwamm drüber. Ich traf Åkerfeldt zunächst in Berlin. Wir waren - aus welchen Gründen auch immer - beide nicht gut drauf und brachten keinen anständigen Gesprächsfluss zustande. So etwas soll vorkommen. Meine letzte Titelstory mit Mikael in 2011 war ziemlich komplett, da ist es ohnehin schon schwer genug, neue Fragen zu finden. Zum Glück gab es einen zweiten Termin in Paris, bei dem Åkerfeldt in Plauderlaune war. Ich hatte das Tape aus Berlin bereits abgehört, konnte somit gezielt nachhaken und viele interessante Fakten zur neuen Platte (kuriose Songtitel!), aber auch aus seinem Leben als gewiefter Plattensammler herausfiltern.

Von sich aus brachte der 40-jährige Musikexperte in den letzten zehn Minuten überraschend das Thema „Metalszene“ auf den Tisch. Seit „Heritage“ ist Åkerfeldt für seinen Richtungswechsel kritisiert worden und wurde damit Teil einer Diskussion, die ihn vielleicht doch mehr geärgert hat, als er ursprünglich zugegeben hat. Es geht um das wichtigste Gut des Musikers: Echtheit.
Ob es Rechtfertigungsdruck war oder ein Befreiungsschlag in eigener Sache, sein Statement zettelt eine Debatte an, die meiner Meinung nach überfällig ist. Ein Weckruf zur rechten Zeit. Eine Szene definiert sich nicht über Äußerlichkeiten oder (von wem auch immer) festgelegte Regeln und Stilmittel, sondern über ihren kreativen Output. Und der lässt seit einiger Zeit stark zu wünschen übrig, sagt nicht nur Åkerfeldt. Hinter vorgehaltener Hand fragen sich viele Kenner, was passiert, wenn die alten Garde abtritt und es Bands wie AC/DC, Motörhead, Judas Priest, Iron Maiden und Co. nicht mehr gibt. Wer füllt dann die Hallen? Wo sind die Klassiker des neuen Jahrtausends? Accept haben kürzlich sogar die passende Hymne zu dem Thema geschrieben: ´The Dying Breed´, die sterbende Brut/Generation.

Åkerfeldt verlangt ja nicht viel mehr als die absolute Hingabe an die Musik, Risiko-Bereitschaft und den Willen zur Nonkonformität. Es gibt durchaus viele talentierte Newcomer, die richtigen Klassiker im Heavy Metal und Hardrock sind jedoch, wenn man Bestenlisten von Fans und Fachleuten auswertet, längst Geschichte. Das Gros der Veröffentlichungen wirkt wie Massenprodukte vom Fließband, auch wenn man vielen Bands damit wahrscheinlich nicht gerecht wird. In jeder Stilrichtung gibt es Produzenten, die zuverlässig das herstellen, was die Fans angeblich haben wollen, inklusive eines Images, das mit dem Privatleben der Musiker oft gar nichts mehr zu tun hat. Klar, wir sind im Showgeschäft, aber alberne Verkleidungen oder Retro-Frisuren können nicht darüber hinwegtäuschen, dass man in vielen Fällen musikalisch nicht viel zu sagen hat. Diesen Vorwurf kann man OPETH nun wirklich nicht machen. Man kann ihren Progrock langweilig oder überkandidelt finden, aber das ist der Sound, der zum Privatleben der Musiker passt. Es ist ehrlich. Das Plädoyer von Mikael Åkerfeldt für mehr Ehrlichkeit und Echtheit im Metal findet ihr in der neuen Ausgabe von Rock Hard.

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

OPETH + BEHEMOTH + BLUES PILLS + FATES WARNING + D-A-D + EXODUS + CANDLEMASS + ROSS THE BOSS + ASPHYX + THE DEAD DAISIES + u.v.m.02.06.2017
bis
04.06.2017
Gelsenkirchen, AmphitheaterROCK HARD FESTIVALTickets
RAMMSTEIN + DEEP PURPLE + EVANESCENCE + IN FLAMES + FIVE FINGER DEATH PUNCH + ROB ZOMBIE + EMPEROR + ALTER BRIDGE + EUROPE + EPICA + u.v.m.16.06.2017
bis
18.06.2017
BE-DesselGRASPOP METAL MEETINGTickets
MARILYN MANSON + OPETH + DORO + BLOODBATH + XANDRIA + HELL + BATUSHKA + KATANA + VISIONS OF ATLANTIS + AMON AMARTH + u.v.m.23.07.2017
bis
29.07.2017
SLO-TolminMETALDAYSTickets
EMPEROR + MASTER´S HAMMER + ELUVEITIE + ULCERATE + OPETH + ROTTING CHRIST + PRONG + DECAPITATED + DESERTED FEAR + TSJUDER + u.v.m.09.08.2017
bis
12.08.2017
CZ-Festung JosefovBRUTAL ASSAULTTickets

ReviewsOPETH

SorceressRH #353 - 2016
Nuclear Blast/Warner (56:43)Sir Åkerfeldt geht mal wieder nicht den einfachen, ...
Pale CommunionRH #328 - 2014
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HeritageRH #293 - 2011
Roadrunner/Warner (57:05) Radikale Stilwechsel nach über 20 Jahren Bandgeschic...
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(209:15) Spätestens seit ihren beiden letzten bei Roadrunner veröffentlichten...
WatershedRH #253 - 2008
(55:02) Wer gedacht hatte, auch mit dem prächtigen „Ghost Reveries“ hätte...
The Roundhouse Tapes
(95:21) Diese schick verpackte Doppel-Live-CD ist gewissermaßen ein Abschieds...
Ghost ReveriesRH #220 - 2005
(66:51) Kaum zu glauben, aber OPETH haben sich erneut gesteigert. Das begnadete...
Lamentations
Wenn man mal davon absieht, dass OPETH auf der Bühne nicht gerade die extrovert...
Damnation RH #192 - 2003
(43:21) Wie angekündigt legen die schwedischen Depri-Metal-Kings nur wenige M...
DeliveranceRH #187 - 2002
(61:52) Obwohl ich die stil- und geschmackvoll zwischen Todesblei und Progressi...
Blackwater ParkRH #166 - 2001
(67:14) Im Gegensatz zum letzten Dynamitalbum "Still Life" legen die schwedische...
Still LifeRH #150 - 1999
Ein CD-Päckchen fische ich meist nur dann mit Andacht aus dem Briefkasten und r...
My Arms, Your HearseRH #135 - 1997
OPETH sind ein weiteres typisches Beispiel dafür, daß es in der heutigen Musik...
MorningriseRH #111 - 1996
Ganz schön abgepfiffen, was uns die schwedische Düster-Combo OPETH auf ihrem n...