Online-MegazineKolumne

POWERWOLF

Die netten Monster von nebenan

POWERWOLF

Wäre die Überschrift „Geliebt, gehasst, vergöttert“ nicht so extrem ausgeleiert, in diesem Fall würde sie passen. POWERWOLF sind die erfolgreichste Metalband, die in diesem Jahrtausend in Deutschland gestartet ist. Und dennoch will´s keiner gewesen sein.

Zumindest wenn man der Szenepolizei zuhört, die ihre zahlenmäßige Übersichtlichkeit gern mit besonders „leidenschaftlichen“ Shitstorms kaschiert, sind die Saarländer so ungefähr das Schlimmste seit ´Turbo Lover´, ´The Final Countdown´ und ´Für immer´ zusammen, nämlich der böse, unwillkommene Mainstream in „ihrer“ Community. Zu dumm, dass Metalfans gern mit den Füßen abstimmen und zu Tausenden POWERWOLF-Gigs besuchen und in die Plattenläden oder zumindest bis zum nächsten Rechner marschieren, um den Fünfer mit immenser Hartnäckigkeit zu supporten. POWERWOLF machen schließlich eine Menge richtig. Sie schreiben am Fließband catchy Songs, haben ein sympathisches jugendfreies Gruselimage und sind megamäßig bodenständig. Von Angeberei oder verkopftem Geschwurbel keine Spur. Natürlich stehen wir alle irgendwie auf die Larger-than-life-Stars, die den Metal geprägt haben und uns nach wie vor faszinieren. Und natürlich haben die schrägen Gestalten ebenfalls ihren Reiz, die uns abenteuerlichen, ganz doll spirituellen Vollquatsch auftischen. Wahrscheinlich sind diese beiden Musikergattungen sogar die unterhaltsamsten. Aber warum soll es nicht auch anders funktionieren?

Wir fuhren ins kuschelige Saarland – nach Transsylvanien muss man ja nicht wirklich –, um das Phänomen POWERWOLF anlässlich des neuen Longplayers „Blessed & Possessed“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Und siehe da: Gitarrist Matthew Greywolf und Organist Falk Maria Schlegel sind nach wie vor völlig normale Typen. »Frank Farian stammt von hier, und in der Fußgängerzone gibt´s einen coolen Plattenladen«, fällt Falk ein, als ich nach Saarbrücker Promis und Sehenswürdigkeiten frage. Während bei anderen Bands nach einem Nummer-eins-Album das Ego Amok läuft, sind die beiden so weit weg von jedem Rockstargehabe, dass man fast ins Grübeln kommt. Man merkt ihnen an, dass sie ihren Platz im Metal-Universum noch suchen. Sie sind einerseits die Kumpels von nebenan, möchten aber weder an ihre bürgerlichen Namen noch an irgendwelche Ex-Bands erinnert werden (obwohl die samt und sonders ziemlich gut waren, konsultiert einfach Metal Archives). Sie haben Geschmack (checkt die Songauswahl und die beeindruckende handwerkliche Umsetzung der „Blessed & Possessed“-Cover-Bonus-CD „Metallum Nostrum“), wechseln aber nie in einen Klugscheißermodus. Passenderweise gehen die beiden nach unserem Interview in einem gutbürgerlichen spanischen Restaurant lieber nach Hause, als noch auf ´ne Kneipentour durch das nächtliche Saarbrücken zu drängen...

 

Das Interview mit POWERWOLF erscheint in Rock Hard Vol. 338 - erhältlich ab dem 24. Juni.

 

Pic Powerwolf: Manuela Meyer (Promo)

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

POWERWOLF + KISSIN' DYNAMITE + DAWN OF DISEASE11.11.2017OsnabrückHyde Park Tickets
POWERWOLF + HAMMERFALL + DORO + KISSIN' DYNAMITE + XANDRIA + SINNER16.12.2017Karlsruhe, SchwarzwaldhalleKNOCK OUT FESTIVALTickets