Online-MegazineInterview

EVANESCENCE

Zurück mit voller Power

Mit „Fallen“ begann 2003 der steile Aufstieg von EVANESCENCE, 2006 fanden sie den Anschluss mit „The Open Door“. Weitere fünf Jahre später erscheint nun das dritte Studioalbum „Evanescence“. Im Interview berichtet Songwriterin und Sängerin Amy Lee über den langen Entstehungsweg der Platte und die Zukunft der Band.

Glückwunsch Amy, ihr seid in den USA mit dem Album auf Platz eins, in Deutschland auf Platz fünf der Charts gelandet!

»Danke! Ja ich kann es auch kaum fassen, einfach ein unglaubliches Gefühl!«

Kommen wir direkt auf die Platte zu sprechen: warum trägt das dritte Album euren Bandnamen als Titel?

»Weißt du, das Songwriting zu der Platte hat sehr lang gedauert. Ich habe eine Weile gebraucht um herauszufinden, wie wir die Sache angehen wollten und als Band haben wir eine Menge experimentiert. Ich hab mir ab und an die Jungs einzeln geschnappt und mit ihnen an Songs geschrieben, doch am Ende sah es dann so aus, dass tatsächlich die ganze Band als Einheit an dem Album geschrieben hat. Wir haben zusammen gejammt und es hat funktioniert. Dieser Prozess hat uns alle enger zusammengeschweißt und unser Produzent Nick Raskulinecz hat uns daraufhin noch mehr gepusht und noch näher zusammengebracht. Weil die ganze Platte dann tatsächlich auch von der kompletten Band inspiriert und geprägt wurde, schien es und einfach sehr passend das Album nach der Band zu benennen. Es fühlt sich gerade so an, als wäre das unser Moment, und als wären wir die perfekte Gruppe.«

Ein erfreulicher Prozess, der sich aber bestimmt über die letzten Jahre hingezogen hat, oder? Dann stellt sich mir die Frage, ob das Material der neuen Platte tatsächlich auch in den letzten vier bis fünf Jahren entstanden ist, oder erst zu einem späteren Zeitpunkt.

»Eigentlich schreibe ich schon, seitdem wir 2007 die Tour abgeschlossen hatten. Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt gar nicht vorgenommen ein neues Album zu schreiben, und auch 2008 habe ich Songs geschrieben, aber einfach nur so zum Spaß. Das ganze hat sich allerdings erst in den letzten zwei Jahren zu einer Art Besessenheit entwickelt, und ich habe mich sehr intensiv mit den Songs auseinandergesetzt.«

In diesem langjährigen Prozess hat sich die Band musikalisch auch weiterentwickelt – nun lese ich aber in diversen Plattenkritiken wilde Genre-Nennungen von Gothic-Rock bis Modern Metal. Euer Produzent Nick hat auch eine Modern-Metal-Band wie Trivium produziert, aber würdest du eure Musik jetzt auch in diesem Genre verorten?

»Das ist eine schwierige Frage. Ich denke es ist so hart nur ein Genre zu nennen und zu sagen „das ist es, was wir sind“. Ich würde sagen wir kombinieren tatsächlich Modern Metal mit Rock. Es ist mehr Uptempo, die Vocals haben eine neue Attitüde, sie sind definitiv progressiver und lassen sich gut mit den härteren Sounds verbinden. Sehr viele Stilrichtungen beeinflussen das Album, was es meiner Meinung nach auch abwechslungsreich macht.«

Dich persönlich beeinflussen also auch diverse Musikrichtungen – darf ich fragen was sich aktuell in deiner persönlichen Playlist befindet?

»Natürlich! Letzte Nacht haben wir uns alle zusammen die Deftones angesehen! Ich habe kürzliche MIA kennen gelernt – sehr coole Musik. Ich gebe mir immer Mühe mich nicht von einer Genre-Bezeichnung beeinflussen zu lassen, sondern bin offen für neue Musik, und so lang es mich bewegt und packt, bin ich dabei!«

Wäre es für dich persönlich dann auch eine Überlegung wert, dich als Künstlerin mit einem anderen Genre auseinanderzusetzen und ein neues Projekt zu gründen?

»Oh ja, ich denke oft über so was nach. Ich habe in letzter Zeit sehr viele Songs geschrieben, von denen viele aber leider nicht zu EVANESCENCE passen. In der Zukunft würde ich mich sehr gerne weiter ausprobieren und es ist sehr wahrscheinlich, dass ich mich dann auch auf ein anderes Projekt einlasse. EVANESCENCE steht jedoch an erste Stelle und im Moment hätte ich gar keine Zeit an etwas anderem zu arbeiten.«

Das kann ich mir gut vorstellen. Eure Europatour steht bereits im November an – was können die Fans von euch erwarten?

»Unsere Show ist mehr auf die neuen Heavy-Parts fokussiert. Ich freue mich schon auf die Lichtshow, es wird jede Menge Energie rüber kommen. Es wird natürlich auch wieder einige intimere Momente mit mir am Piano geben, aber wir werden viel Material vom neuen Album spielen und hoffen den Fans eine gute und spannende Auswahl an Songs und Entertainment bieten zu können. Wir freuen uns schon darauf zu sehen, wie die Leute auf die neuen Tracks reagieren werden.«

Ich bin auch schon sehr gespannt darauf, die neuen Songs live zu hören. Als ich mir die Platte das erste Mal angehört habe, ist es mir so vorgekommen, als ob sich deine Stimme verändert hätte. Sie klingt irgendwie noch kraftvoller. Hast du in den letzten Jahren viel daran gearbeitet?

»Danke, schön zu hören! Ich habe nicht absichtlich versucht anders zu singen bzw. mich zu ändern, sondern lediglich mich zu verbessern. Ich glaube mit dem Alter ist noch eine gewisse Ruhe und Stärke in meine Stimme gekommen, ich hatte viel Zeit mich auszuprobieren und an meiner Stimme zu arbeiten. Ich habe das Gefühl, dass ich im Laufe der Jahre immer mehr stimmliche Stärke erreichen konnte, und dass es mir auch ganz gut getan hat eine Zeit lang nicht auf Tour zu sein und meine Stimme zu schonen. Auch die Aufnahmen zum neuen Album haben mich sehr gepusht und ich wollte das Beste aus meiner Stimme herausholen. Ich habe es mir beim Songwriting aber auch nicht leicht gemacht und bin öfters an mein eigenes Limit gestoßen. Ich würde sagen, dass dieses Album stimmlich das bis dato schwierigste für mich ist.«

Du schreibst alle Lyrics komplett allein, richtig? Stellenweise kommt es mir so vor, als hätte „Evanescence“ ein Konzeptalbum werden sollen, und dann wiederum sind die Themen doch sehr komplex und unterschiedlich. Besteht irgendein Zusammenhang zwischen den Songs, oder stehen sie für sich als einzelne Elemente?

»Lustig, dass du das erwähnst. Wir haben uns wirklich keinen Plan gemacht, sondern einfach angefangen zu schreiben. Am Ende hatten wir um die 30 Songs und mussten uns überlegen, welche der Tracks uns am meisten bedeuten, welche am besten zum Flow des Album passen, welche einfach am besten sind. Und ehrlich gesagt ist es eine breit gefächerte Auswahl an Songs, die wir im Laufe der letzten Jahre geschrieben haben. Es gab nicht wirklich so was wie ein fokussiertes Konzept, sondern einen langen, experimentellen Prozess, an dessen Ende wir sehr zufrieden mit einem Paket an guten Songs ins Studio gingen.«

Da liegt also noch eine Menge Material bei euch im Keller? Wird man das je zu hören bekommen?

»Absolut! Da sind noch eine Menge schöner Sachen dabei. Natürlich nicht sofort, denn dafür müssten wir die Songs erst mal aufnehmen, aber es wird definitiv bald wieder mehr von uns zu hören geben!«

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