Online-MegazineInterview

ANTHRAX

»Wir sind eine richtige Band«

ANTHRAX

ANTHRAX veröffentlichen endlich ihre lange angekündigte Cover-EP „Anthems“, auf der die Thrasher u.a. mit Coversongs von AC/DC, Boston und Thin Lizzy ihre Vorliebe für Siebziger- und Achtziger-Classic-Rock ausleben. Wir ließen uns von Gitarrist Scott Ian auf den neuesten Stand bringen, auch was den Ausstieg von Rob Caggiano betrifft.

Anthrax - AnthemsScott, warum habt ihr so lange gebraucht um die Cover-EP fertig zu stellen?

»Es gab für die EP keinen Zeitplan, deshalb weiß ich nicht, was du meinst.«

Nun, wenn ich mich recht entsinne, habt ihr bereits im Jahre 2011 mit dem Gedanken einer Cover-EP gespielt.

»Oh, ok, das war mich nicht mehr bewusst. Ich weiß nur, dass wir die Songs im Dezember 2012 fertiggestellt haben und sie dann dem Label übergaben.«

Euer Drummer Charlie Benante hatte im Vorfeld bereits verraten, dass ihr Teile der EP in Backstageräumen, Hotels und im Tourbus aufgenommen habt. Klingt nicht gerade nach einer entspannten Arbeitsweise.

»Ja, wir haben über 18 Monate daran geschraubt und im Prinzip auf der ganzen Welt aufgenommen, während wir auf Tour waren.«

Habt ihr auf eurer Deutschlandtour mit Motörhead auch noch daran gefeilt?

»Ja (lacht). Wir haben so gut wie alle Soli auf der Tour im November und Dezember aufgenommen.«

Im Zuge der ersten „Worship Music“-Session habt ihr an einigen anderen Coverversionen gearbeitet (Pearl Jams 'Brain Of J', Tom Pettys 'Running Down A Dream', AC/DCs 'Whole Lotta Rosie', Alice In Chains' We Die Young), von denen ihr nur 'Big Eyes' von Cheap Trick übernommen habt. Wäre es nicht leichter gewesen die ursprünglich gewählten Songs zu vollenden, anstatt fünf neue Coversongs aufzunehmen?

»Wir haben uns einfach dazu entschieden, andere Songs auszuwählen. Ich weiß nicht, dafür gab es eigentlich keinen großen Grund. Wir haben uns von AC/DC lieber 'TNT' als 'Whole Lotta Rosie' vorgeknöpft. Die Aufnahmen zu dem Pearl Jam- und dem Tom Petty-Song existieren noch, wir haben sie aber nie fertig gestellt.«

Es liegt die Vermutung nahe, dass die mit eurem Ex-Sänger aufgenommenen Cover mit Joey Belladonnas Stimme nicht funktionieren.

»Ich denke nicht, dass das der Fall ist; wir haben die Songs einfach noch nicht fertig gestellt. Vielleicht werden wir die Lieder eines Tages nochmal anfassen. Aber wir machen uns bei den Coversongs nicht allzu viele Gedanken. Das sind einfach Stücke, die wir aus Spaß spielen, meistens sind es Lieder, die wir schon gespielt haben, bevor wir bei ANTHRAX waren. Beim Soundcheck zocken wir ab und an lieber Coversongs als unsere eigenen Lieder, weil das etwas weniger langweilig ist.«

Ihr habt früher in der Regel Songs aus verschiedenen musikalischen Genres in einer Session gecovert. Zum Beispiel Celtic Frost zusammen mit Hüsker Dü oder Radiohead zusammen mit D.R.I.. Es erscheint ungewöhnlich, dass ihr euch diesmal lediglich auf Classic-Rock-Tracks aus den Siebzigern bzw. Achtzigern beschränkt habt.

»Ich weiß nicht, dafür gibt es keinen Grund. Dies waren einfach die Songs, mit denen wir in den letzten zwei Jahren bei Soundchecks oder Proben rumgespielt haben. Es gab da wirklich keinen größeren Grund.«

ANTHRAX spielen beim Soundcheck freiwillig eine Nummer von Journey? War das nicht eher eine Wahl von Joey?

»Nein, es war Charlie, der den Song vorschlug.«

Wurden die anderen Songs auch von einem bestimmten Bandmitglied vorgeschlagen?

»Nein, nicht wirklich. Du denkst mehr über die Sache nach, als wir es tun (lacht). 'Anthems' haben Charlie und Frankie beim Soundcheck angestimmt. Der Boston-Song war meine Idee, Joey schlug 'TNT' vor. Wir sind alle große Thin-Lizzy-Fans, von daher coverten wir 'Jailbreak'. Den Cheap-Trick-Song hatten wir bereits aufgenommen und Joey liebt dieses Stück. Es steckten also wirklich nicht viele Überlegungen in der Auswahl der Tracks. Das hier ist kein ANTHRAX-Album, sondern lediglich ein Haufen Coversongs.«

Was ist dein Lieblings-Cover auf „Anthems“?

»Wahrscheinlich der Boston-Song. Einfach weil es das erste Lied ist, das ANTHRAX mit Keyboards zeigt. Für mich klingt das nicht mehr mal nach ANTHRAX, wenn ich mir es anhöre.«

Ihr habt im Laufe der Jahre über 25 Coverversionen aufgenommen. Welche der alten Coversongs stechen für dich hervor?

»Wow, das ist schwer (überlegt). Ich weiß, das ist eine eigenartige Wahl, aber mir gefiel immer die Version von 'Pipeline', die wir vor langer Zeit gemacht haben. Einige der Kiss-Songs sind auch cool, zum Beispiel ist 'She' einer meiner Favoriten. Und 'Antisocial', das ist vielleicht der beste Coversong, den wir je gemacht haben.«

Habt ihr nicht auch mal einen Cannibal-Corpse-Song gecovert, der aber nie veröffentlicht wurde?

»Ich glaube wir haben den Song nie aufgenommen, aber wir haben uns tatsächlich darüber unterhalten 'Hammer Smashed Face' zu covern und uns an der Nummer probiert.«

Lass uns aus aktuellen Anlass das Thema wechseln: Rob Caggiano hat Anfang diesen Jahres ANTHRAX verlassen. Warum ist er gegangen?

»Das musst du Rob fragen. Rob hat mir erzählt, dass er bereit ist, neue Dinge in seinem Leben anzugehen. Eines seiner Hauptziele war, seine Karriere als Produzent wieder in Gang zu bringen. Er wollte das neue Volbeat-Album produzieren und das wird ihm sicherlich viele Türen öffnen. Volbeat sind eine wirklich große Band und das war eine große Möglichkeit. Keiner von uns wollte ihm im Weg stehen. Rob ist mein Freund, egal ob er zur Band gehört oder nicht. Ich freue mich für ihn, dass er nicht nur das Volbeat-Album produziert hat, sondern sich auch der Band angeschlossen hat.«

AnthraxGab es denn im Vorfeld einige Anzeichen, dass er die Band verlässt oder hat dich seine Entscheidung total überrascht?

»Ein bisschen von beidem. Ich habe über die Jahre viel Zeit mit Rob verbracht, er spielte mit mir ja auch bei unserem Nebenprojekt The Damned Things. Von daher wusste ich, dass Rob gewisse Probleme hat und lieber andere Sachen machen wollte. Ich hätte nur nicht gedacht, dass er dafür die ANTHRAX verlassen muss. Rob blieb nach unserem letzten Konzert mit Motörhead noch eine Woche in Berlin. Von dort aus rief er mich an, um mich über seinen Ausstieg zu unterrichten. Ich sagte zu ihm: „Wenn das deine Entscheidung ist, dann möchte ich dir nicht im Weg stehen. Ich will nur dein Bestes, und dass du glücklich bist.“ Was sollte ich auch machen? Mich mit ihm darüber streiten? Es ist seine Entscheidung.«

Du hast mir einmal erzählt, dass Rob der beste Gitarrist ist, mit dem du je zusammengespielt hast. Wie wollt ihr ihn ersetzen? Wird es einen neuen, festen Gitarristen geben oder werdet ihr, wie ihr es mit Paul Crook jahrelang getan habt, auf einen Session-Gitarristen zurückgreifen?

»Ich habe da neulich etwas zu getwittert, und zwar: „Lasst Dimebags Geist erscheinen!“. Wir sind noch nicht so weit, eine Entscheidung zu treffen. Außer wenn Ace Frehley bei uns spielen will, dafür würden wir uns dann auch schminken. Für den Rest des Jahres springt Jon von Shadows Fall ein. Rob schlug uns Jon als sein Ersatz vor. Wir alle kennen Jon und wissen, dass er ein großartiger Gitarrist ist, mit dem wir auch persönlich gut klarkommen. Vielleicht passt es ja auf Dauer mit ihm, wir werden sehen.«

Was wird mit The Damned Things passieren? Offiziell pausiert die Band.
Aber Robs Engagement bei Volbeat wird ein weiteres Album oder Auftritte noch unwahrscheinlicher machen, oder?

»Wir haben The Damned Things ins Leben gerufen, als wir Zeit dafür hatten. Das galt nicht nur für Rob und mich, sondern auch für die involvierten Mitglieder von Every Time I Die und Fall Out Boy. Da Fall Out Boy sich reformiert haben, wird es nun verdammt schwer wieder ein gemeinsames Zeitfenster zu finden, um eine richtige Band zu sein und auf Tour gehen zu können. Ich denke, dass wir irgendwann wieder ein Album schreiben könnten, denn wir müssen zum Songwriting nicht im selben Raum sein. Wir hatten uns auch beim Debüt die Ideen größtenteils hin und her geschickt. Aber ich weiß nicht, ob wir je wieder auf Tour gehen können.«

Ok, lass uns zu ANTHRAX zurückkehren. Charlie hatte in einem Interview preis gegeben, dass ihr auf Tour ein Überbleibsel der „Worship Music“-Session fertiggestellt habt. Handelt es sich dabei um den Song 'Bleed', der mir im Rahmen unseres Lauschangriffs aus RH 268 mit dem Gesang von eurem Ex-Sänger Dan Nelson vorgespielt wurde?

»Ja, aber wir haben an dem Stück jede Menge überarbeitet. Die Vocals zu dem Song haben wir in Berlin aufgenommen. Wir sind dort in ein Studio gegangen und haben einige Demo-Gesangsaufnahmen gemacht. Ich denke, der Track ist jetzt zu 90 Prozent fertig. Wir haben jetzt ein gutes Demo, das uns helfen wird den Song fertigzustellen.«

Habt ihr noch andere Überbleibsel, an denen ihr arbeitet?

»Nein, es gibt höchstens noch ein paar Riffs, die wir nicht benutzt haben, aber darum haben wir uns noch nicht gekümmert. Wir haben jetzt bis Mitte August wieder jede Menge Touraktivitäten vor der Brust. Sobald wir damit durch sind, werden wir uns auf das Songwriting zum nächsten Album fokussieren. Sobald wir neun oder zehn starke Songs haben, werden wir ins Studio gehen. Wann das sein wird, ist schwer abzuschätzen.«

Auf eurer kommenden US-Tour spielt ihr erstmals das komplette „Among The Living“-Album. Habt ihr das Material schon komplett auf dem Kasten?

»Ich schon (lacht), ich weiß nicht, wie es bei den anderen aussieht. 'Imitation Of Life' haben wir in unserer Karriere höchstens zwei oder drei mal gespielt, deshalb freue ich mich besonders, diesen Song zu spielen. Das gleiche gilt für 'Horror Of It All', wenn es nach mir ginge, könnten wir den Track immer spielen.«

Am Rande eines unserer letzten Interviews hattest du einen abfälligen Kommentar über die derzeitige Popmusik und Lady Gaga gemacht. Wie fühlt es sich an, dass Lady Gaga kürzlich mit einem ANTHRAX-T-Shirt gesichtet wurde?

»Öh, ich kann mich an meinen Kommentar nicht mehr erinnern. Aber Lady Gaga ist mit Charlie befreundet und er hat ihr dieses Shirt geschenkt. Von daher ist es schön zu sehen, dass sie es trägt (lacht). Sie ist ein große Metal-Fan, sie trägt das Shirt also nicht nur aus Mode-Gründen.«

Bei euren letzten Europa-Abstechern fehlten entweder du oder Charlie im Live-Line-up. Mein Kollege Jan Jaedike will bei eurem Gig in Berlin außerdem festgestellt haben, dass Joey auf der Bühne jeglichen Augenkontakt mit den anderen Mitgliedern vermeidet. Sein Fazit war, dass ANTHRAX heute eher einer künstlich am Leben gehaltenen Patchwork-Familie als einer richtigen Band gleichen. Was sagst du dazu?

»Dem widerspreche ich zu 100 Prozent und ich denke, dass diese Äußerung absoluter Bullshit ist. Joey ist jetzt seit drei Jahren zurück und seitdem sind wir wieder eine richtige Band.«

 

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