Online-MegazineInterview

SULPHUR AEON

Von gewalttätig aufs Maul bis sanft galoppierend

SULPHUR AEON

Pures Understatement spricht schon der Verwunderung von SULPHUR AEON über den nicht abbrechenden Strom an Jubelrezensionen für das im Proberaum – einem alten WWII-Bunker – eingespielte Debütalbum „Swallowed By The Ocean’s Tide“. Bandgründer T. und Growler M. sind allerdings keine Neurotiker mit Profilierungsdrang, wie die knappen Pseudonyme unterstreichen – eben typisch Ruhrpott.

Martin Hellion, hast du im Personalausweis unter Glaubensgemeinschaft Judas Priest eingetragen oder wurdest du in Itzehoe gezeugt?

M.: »Natürlich nicht. Der Name hat auch absolut gar nix mit SULPHUR AEON zu tun. Ich hatte absolut keinen Bock, meinen richtigen Namen in diesem verfluchten sozialen Netzwerk anzugeben. Da kann man das Pech haben, dass man von irgendwelchen Affen aus der Schulzeit oder sonst woher Freundschaftsanfragen bekommt. Beim Einrichten des Accounts lief 'The Hellion' von der ersten W.A.S.P., das ist das ganze Geheimnis. Nachnamen gehören ganz einfach nicht ins Netz wo es jeder sieht.«

Warum diese extreme Limitierung des „Sulphur Psalms“-Tapes auf 100 Exemplare?

T. : »Einen Kult aufzubauen war so ziemlich das Letzte, was uns durch den Kopf ging. Für mich war das Demo ein kreativer Befreiungsschlag und ich habe gar nicht darüber nachgedacht, ob das vielen Leuten gefallen könnte. Wir haben nicht ein einziges Tape zu Review-Zwecken verschickt, deshalb waren wir auch ziemlich überrascht, auf einmal Demoband des Monats in dieser Postille hier zu sein. Der Plan sah vor, hundert Tapes zu fabrizieren und wenn die weg sind, würde die Mucke ins Netz kommen... was wir auch gemacht haben.«

Wolltet ihr mit den Kampfmaschinen-Fotos im Inlay Genosse Horgh (Immortal, Hypocrisy) Nachhilfe im Oberkörper-frei-Posing geben oder ihn als Drummer anlocken?

M.: »Mein Bandchef hat mich gezwungen blank zu ziehen. Mit vorgehaltener Waffe.«

T.: »Haha, wenn überhaupt ein Hintergedanke dabei war, dann war das ein kleiner Tribut an das Bandfoto von „Like An Everflowing Stream“, nur ohne Blut. Es war keins vorhanden.«

Pünktlich zu „Deep Deep Down They Sleep“ hat euch D. verstärkt.

T.: »Live spielen stand am Anfang komplett nicht zur Debatte. Wir wollten für die 7“ echte Drums haben, was sicherlich jeder nachvollziehen kann, und haben mit D. den besten Mann direkt in unserem Umfeld gefunden. Mit echtem Drummer ist es auch viel mehr eine ECHTE Band.«

T. ist ebenfalls bei December Flower aktiv, die einen deutlich melodischeren Schwedentod-Stil fahren.

T.: »Bei December Flower bin ich einfach nur Gitarrist und habe ein paar Songs beigesteuert. Sie bewegen sich in einem eng abgesteckten musikalischen Rahmen, was auch sehr reizvoll ist. Bei SULPHUR AEON hingegen kann ich mich komplett austoben und bin für die komplette Musik verantwortlich. Der Sulphur-Stoff hat eine wesentlich düsterere Grundausrichtung und ich mache mir beim Schreiben keine Gedanken; in welche Richtung sich der Song entwickeln wird. Es mag sein, dass es hier und da stilistische Überschneidungen gibt, aber das liegt daran, dass ich grundsätzlich auf die Verbindung von Melodie, Geschwindigkeit und Brachialität stehe.«

Deine an Chris Antoniou von Septic Flesh erinnernden ruhigen Soli muss man sich aus den Soundwällen erarbeiten.

T.: »Witzig, dass du gerade mit Septic Flesh um die Ecke kommst. Das letzte Album habe ich erst vor ein paar Tagen für mich entdeckt und daraufhin auch deren Backkatalog angetestet, aber damit werde ich nicht so richtig warm. Die Leads auf „The Great Mass“ entsprechen schon dem, was ich geil finde. Ich mag generell singende Leads, die die Atmosphäre von Riffs noch auf eine andere Ebene tragen. Ich bin kein Fan von Skalengewichse und Griffbrettakrobatik, für mich müssen Leadgitarren die Atmosphäre des Songs verstärken und nicht die Fingerfertigkeit des Gitarristen zur Schau stellen.«

Was hat eure Faszination für H.P. Lovecrafts Welten begründet?

T.: »Bevor ich etwas von ihm gelesen habe, war mein einziger Berührungspunkt 'The Call Of Ktulu' von Metallica. Beim Schreiben der Musik denke ich eigentlich an gar nichts und lasse meine Ideen fließen.«
M.: »Ich bin über Filme zum Lovecraft-Fan geworden. Auch wenn es bis vor kurzen keine einigermaßen werkgetreue Adaption irgendeiner seiner Geschichten gegeben hat. Es waren hauptsächlich die Filme von Stuart Gordon (die „Re-Animator“-Reihe und „From Beyond“) aber auch alten Corman-Schinken wie „Das Grauen auf Schloss Whitley“ und „Die Folterkammer des Hexenjägers“. Andere wirklich coole Filme sind „Dagon“ oder auch „The Resurrected“, auch wenn das ebenfalls keine 1:1 Umsetzungen sind. In punkto gelungener Adaptionen müssen auf jeden Fall die beiden Filme der „H.P. Lovecraft Historical Society“ genannt werden. Der 2005er Stummfilm „Call Of Cthulhu“ und der 2009/10er „The Whisperer In Darkness“. Zwei absolut gelungene und liebevoll gemachte Independent-Filme, die sich vor nix verstecken müssen. Sogar aus Deutschland kam kürzlich mit „Die Farbe“ eine sehenswerte Version von Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“. Da wurde mit wenigen Mitteln ein extrem stimmungsvoller Film gemacht. Guillermo del Toros „At The Mountains Of Madness“ hätte dem ganzen die fette Krone aufsetzen können, aber das Projekt wurde leider kurz vor der Umsetzung wieder eingestampft, nachdem das Studio schon grünes Licht gegeben hatte. Ärgerlich.«

Traut ihr euch, Lovecraft-Ideen zu verwenden? Scheinbar sind die Rechteinhaber seiner Werke längst nicht so bissig, wie im Fall Tolkien – da gab es Maulkörbe für Bands wie Blind Guardian.

M.: »Wir versuchen uns trotz aller Zitate frei im Lovecraft-Universum zu bewegen. Wir nehmen bestimmte Versatzstücke und weben diese in unsere eigene Vision eben dieser Welt, die Lovecraft seinen Lesern hinterlassen hat, ein. Hat schon mal irgendwer für's Lovecraft worshippen 'nen Maulkorb verpasst bekommen? Wir hoffen nicht, aber bei der Menge an fröhlich vor sich hin zitierenden Bands wäre eine Menge Angriffsfläche vorhanden. Wir machen einfach so weiter und hoffen das Beste.«

Was ist eure Top 3 an Lovecraft-infizierten Metal-Songs?

T.: »Ist vielleicht ein bisschen schwer das auf drei Songs runterzubrechen. Aber Nile, Morbid Angel, Cruciamentum, sowie die leider völlig untergegangenen In Cold Eternity und oben erwähnte Metallica haben da schon erstklassige Arbeit geliefert.«
M.: »Dem kann ich nur zustimmen. Demoncy und Shub Niggurath möchte ich noch hinzufügen, zwei persönliche Favoriten...«

Hat das Monstrum aus der Tiefsee in Logo und jetzt auch Cover einen eigenständigen Namen, ist Cthulu euer Eddie?

T.: »Tentakel im Logo waren von Anfang an ein Muss. Das war aber bevor sich das Ganze in die Lovecraft-Richtung entwickelt hat. Einen Namen werden wir dem Viech auf gar keinen Fall geben. Das würde uns ja auch wieder limitieren. Auf dem Albumcover ist natürlich Cthulhu zu sehen, aber das heißt ebenfalls nicht, dass der jetzt auf jedem Cover in Zukunft auftauchen wird.«

Angesichts der Liebe zum Meer wäre eine Tour mit Ahab sicherlich für so manchen tiefsinnigen Gedankenaustausch im Alkoholnebel gut.

T.: »Eine Tour wäre wirklich nur sehr sehr schwer umsetzbar, und ich weiß auch nicht, ob wir da wirklich Bock drauf hätten. Für kommende Shows werden uns Marcel Schiborr (Gitarre) und Sascha Schiemann (Bass) ergänzen. Das Coole daran ist, dass beide über ordentlich geölte Kehlen verfügen, so dass sie M. in einigen Passagen stimmgewaltig unterstützen können. Gegen alkoholvernebelten Gedankenaustausch mit Ahab hätten wir trotzdem nix... Der Gig am 13.4. (mit Lifeless, Alchemyst und Venenum – Anm. d. Verf.) wird unsere erste Show sein.«

Nach dem Durchmarsch mit December Flower bietet sich auch das Party.San-Zelt für euch an – am besten mit Schwefelgranaten.

T.: »Bisher hat uns noch niemand gefragt. Aber das mit den Schwefelgranaten lassen wir lieber bleiben, wenn wir nicht wegen Körperverletzung verklagt werden wollen... Nee, Spaß beiseite, das wäre natürlich grandios.«

Einige Bands sind als Inspirationen deutlich erkennbar. Für die Nennung von Incantation wird man sicherlich ebenso wenig gesteinigt, wie für Bolt Thrower. Wer sind eure Brüder im Geiste, wer die großen Alten?

T.: »Gesteinigt wirst du für Incantation nicht, allerdings muss ich gestehen, dass ich von denen kein einziges Album im Regal stehen habe und die auch „nur“ gut finde. Das ist keine Band, die mich irgendwo geprägt hat, wobei M. allerdings sehr gut auf Incantation kann. Wenn's um Klassiker geht, dann sind für mich die großen Alten Dissection, alte Emperor, Behemoth, Dismember, Nocturnus, Entombed, Carcass, Carnage, alte Marduk, Morbid Angel, Nile und natürlich auch Bolt Thrower, obwohl ich da nur „Realm Of Chaos“ so richtig vergöttere. Alte Metallica müssen genauso genannt werden wie „Walls Of Jericho“ von Helloween, die war auch bahnbrechend.«

M.: Darüber hinaus sind auf jeden Fall Mercyful Fate / King Diamond wichtig und zählen zu meinen Alltime Faves. Die erste Morbid Angel spielt eine sehr große Rolle, vor allem wenn es um gesangliche Einflüsse geht. Ansonsten auch einiges aus dem Rumpelsektor - Autopsy, Blasphemy - aber auch Neunziger-Black-Metal wie Darkthrone, Absu, die erste Ancient (nur diese!) bis hin zu Achtziger-Heavy-Metal der Marke Cirith Ungol, Manilla Road oder Omen. Da kommen 'ne Menge verschiedener Sachen zusammen. Von gewalttätig ins Maul bis sanft galoppierend...
Brüder im Geiste sind Bands mit denen wir uns verstehen und die ebenfalls das durchziehen, woran sie glauben: Obscure Infinity, Charon, Hatespawn, Fragments Of Unbecoming, Chapel Of Disease, Beyond. Bands die den (Death) Metal am Leben halten und sich nicht verbiegen.«

Der Text zu 'The Devil’s Gorge' stammt von Philipp/Eroded, über dessen Label Tape und Single veröffentlicht wurden. Wie kommt er zu dem Spitznamen Ovic?

T.: »Haha, du kommst mit Klöpsen um die Ecke. Jemand hat ihn mal in Philippovic umgetauft und irgendwie ist nur das Ovic hängen geblieben. Ich kannte ihn erst unter dem Namen, bevor ich wusste, wie er wirklich heißt... Als wir das Album aufnehmen wollten, bot Ovic an einen Text für uns zu machen und hatte sich auch schon einen Song ausgesucht. Das Ergebnis ist nicht zu hundert Prozent von Lovecraft inspiriert, aber es sind durchaus viele Parallelen zu entdecken und somit fügt er sich perfekt ins Gesamtkonzept ein.«

M.: »Auch wenn er mir mit ein paar Zungenbrechern böse Steine in den Weg geworfen hat, hehe... „wail like wraiths in the woods“ - versuch das mal zu growlen.«

 

www.facebook.com/sulphuraeon

 

Zur Interviewteil aus Ausgabe #310 geht es hier entlang.

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