Online-MegazineInterview

DeWOLFF

Tüdelü

DEWOLFF

Welcher Rock-Hard-Leser kennt DEWOLFF aus Utrecht? Das niederländische Bluesrock/Psychedelic-Trio der beiden Brüder Pablo und Luka van de Poel und Organist Robin Piso war mir vor diesem Interview kein Begriff, obwohl die immer noch jungen Musiker schon seit Teeniezeiten zusammen unterwegs sind. Das fünfte Studioalbum „Roux-Ga-Roux“ atmet tief den Spirit der Sechziger und klingt mit viel Liebe zum Detail auch 2016 kein Stück nach Hipster-Retro-Käse. Wir sprachen mit Schlagzeuger Luka.

Luka, bevor ihr eure umfangreichen Europatour startet, stehen diesen Monat zwei Konzerte in den Niederladen an. Was ist das Besondere an diesen separaten Terminen?

»Genau, bevor wir im März nach Deutschland kommen und auch in anderen Ländern auftreten, machen wir in Amsterdam eine Release-Show. In Rotterdam gibt es ein Festival. Zudem spielen wir während des Februars verschiedene „In Store“-Gigs in Plattenläden. Das ist quasi unsere Promotour in der Heimat.«

Auf eurem Tourplan stehen viele Gigs in Frankreich und Spanien. Auch viele kleinere Orte sind dabei. Wie hat sich das ergeben?

»Vor zwei Jahren haben wir schon mal elf Shows in Spanien gespielt, was erstaunlich gut lief. Weil die Leute es mochten, haben wir uns entschieden, häufiger dort hin zu fahren. Auf Frankreich freuen wir uns natürlich genau so.«

Wenn wir jetzt Bezug auf euer aktuelles Album „Roux-Ga-Roux“ nehmen, macht der Titel schon neugierig. Das Wort bezieht sich auf einen amerikanischen Werwolf-Mythos. Kannst du erklären, wie der Titel und das Album zusammenhängen?

»Als wir das Album aufgenommen haben, sind wir über diesen Namen bereits gestolpert, der allerdings anders geschrieben war. Der Rougarou stellt ein Wesen dar, das halb Mensch, halb Wolf und in den Sümpfen Louisianas beheimatet ist. Das fanden wir cool, weil es auch zum Bandnamen passt. Mit der Zeit haben wir dann die Schreibweise mit den zwei X entdeckt, die uns optisch am besten gefiel.«

Wer hat das Artwork dazu entworfen?

»Sein Name ist Pedro Felipe, er ist Brasilianer und hat das Coverbild gezeichnet. Wenn du die Vinyl-Version in der Hand hältst, siehst du die ganzen Details. Der Rest des Artworks stammt von einem Holländer, Robin Clarijs. Er war richtig schnell und hat trotz einer knappen Deadline eine super Arbeit geleistet, die gut zum Frontcover passt.«

Ohne jetzt den leidigen Retro-Trend diskutieren zu wollen, erinnert der Look von „Roux-Ga-Roux“ durchaus an ein paar farbenfrohe Siebziger-Platten wie The Greatful Dead, King Crimson und Genesis.

»Klar, das gefällt uns gut. Das Album hat ein Old-School-Artwork und ist analog aufgenommen. Selbstverständlich sind diese alten Bands auch Vorbilder für uns.«



Worauf der Einsatz der Hammondorgel auch verweist, die euren Sound formt. Was denkst du zu den Vorteilen der Orgel gegenüber einem E-Bass?

»Hm, also in vielen Trio-Besetzungen mit Gitarre, Bass und Drums wird der melodische Anteil oft vernachlässigt und auf den Gitarristen beschränkt. Eine Hammondorgel kann durch den Einsatz der rechten und linken Hand sowohl Rhythmisches, als auch Melodisches übernehmen. Zweistimmige Melodien sind dadurch möglich, während die Basslinie erhalten bleibt. Auf den Studioalben benutzen wir aber zusätzlich auch einen Bass, den ein Freund von uns eingespielt hat. Er hat das Bassspiel mit alten Disco-Songs gelernt, also ist sein Stil ziemlich funky. Außerdem kannst du mit einem E-Bass viel mehr mit Lautstärken und Timbre arbeiten, als bei einer Hammondorgel.«

Kommen bei euch noch andere Analogsynthesizer zum Einsatz?

»Auf manchen Songs hört man ein Korg MS-20, aber der nimmt keine Hauptrolle auf dem Album ein. Und bei 'Baby's Got A Temper' haben wir ein Philicorda benutzt. Das ist ein richtig cooles Philips-Keyboard aus den Sechzigern, dessen Sound sehr warm und einzigartig ist.«

Lass uns anhand der Songs tiefer ins „Roux-Ga-Roux“-Material einsteigen. Besonders 'Sugar Moon' war von Anfang an mein Ohrwurm. Worum geht’s in dem Lied?

»Das ist 'ne gute Frage (lacht). Pablo schreibt alle Texte und manchmal interpretiere ich die Lyrics total anders als es seine Intention war. Es sind viele Lovesongs auf dem Album. Mein Bruder ist verheiratet und nutzt viele Momente aus seiner Beziehung als Inspiration für seine Texte. 'Sugar Moon' dreht sich um eine Frau, die verrückt wird (lässt ja auf eine tolle Ehe schließen, Red.). Das kann man auch in dem Video sehen, das wir dazu gedreht haben. Es ist ziemlich verrückt und alles hat diesen Voodoo-Style. Du solltest dir das Video ansehen!«

DeWolff - Sugar Moon (Official) from DeWolff on Vimeo.

Ja, das habe ich. Das Video ist voller Vodoo-Symbole und zeigt eine Art Feuerritual. Mich interessiert die Idee dahinter und wer die Frau ist, die das Video als einzige Darstellerin prägt?

»Das ist eine Freundin von uns. Ihr Name ist Sharon Harman und sie ist Schlagzeugerin bei Kid Harlequin, eine Band aus Rotterdam. Für das Video haben wir die Ideen aus dem Text entnommen. Auf dem neuen Album ist dieser Dr. John-Voodoo-Stil häufiger zu finden. Der Dreh hat nachts im Oktober stattgefunden, wo wir bis morgens um fünf in der Kälte gestanden haben, aber es ist wirklich toll geworden und war den Aufwand wert.«

Gibt es auch einen Zusammenhang zum Frontcover?

»Ich denke, dazu passt der Song 'Love Dimension', dessen Lyrics ziemlich spacy eben von dieser anderen Dimension handeln. Die psychedelischen Parts auf dem Album passen auch sehr gut dazu, da Psychedelisches mit anderen Planeten und dem Universum generell assoziiert werden kann.«

Bei 'Love Dimension' fiel mir auch auf, dass zum Ende des Songs Leute applaudieren und schreien. Ein spezielles Live-Recording?

»Sozusagen, ja. Für die Aufnahme haben wir viele Freunde ins Studio eingeladen. Sie standen in einem anderen Raum als wir um ein Mikrofon herum. Ein großartiger Abend!«

Womit wir beim Thema Aufnahmen angelangt sind. Vermisst ihr heutzutage an moderner Aufnahmetechnik bestimmte Aspekte und sehnt euch nach Methoden, auf die ihr euch mehr fokussieren möchtet?

»Also, ich höre mir nicht wirklich Songs im Radio an, weil das Programm hier bei uns ziemlich schrecklich ist. Es gibt mit der Zeit wieder mehr coole Bands, aber vor etwa zehn Jahren gab es eine Zeit, in der Rockmusik in den Niederlanden ziemlich öde war. Wir haben von Anfang an die Musik gemacht, auf die wir Bock hatten. Die alte Musik ist einfach ein Teil von uns und am Anfang hat man uns nicht ganz abgenommen, dass so junge Typen Deep-Purple-mäßige Rockmusik machen und nach dem Plattenschrank ihres Vaters klingen. Dass wir aber sind, wer wir sind, haben wir inzwischen bewiesen. Wir probieren manchmal digitale Aufnahmemethoden aus, wenn wir noch an Parts feilen, aber hinterher passiert das dann analog, so wie alles was auf dem Album zu hören ist.«

Erzähl doch darüber hinaus bitte noch was zu eurem favorisierten Equipment und den Instrumenten, die ihr spielt.

»Klar, gerne. Für mich sind natürlich die Drums am wichtigsten. Ich habe ein altes Gretsch-Drumset aus den Sechzigern benutzt, das eigentlich ein Jazz-Kit ist. Aufgenommen haben wir mit einem alten Bändchenmikrofon, das wiederum ein Nachbau eines Mikros aus den Vierzigern und Fünfzigern ist. Das Modell heißt AEA R44C. Mein Bruder spielt drei unterschiedliche Gitarren. Eine Gibson Firebird, und eine Gibson Flying V, die beide ziemlich neu sind. Dazu kommt noch eine Fender Stratocaster. Als Amp hat er manchmal einen alten Soberton verwendet, ansonsten einen Marshall Bluesbreaker.«

Mein zweites Highlight auf der Platte ist 'What’s The Measure Of A Man'. Darin sind straighte Strukturen und experimentelle Parts miteinander verbunden. Habt ihr den Song direkt so geschrieben, oder den Mittelteil improvisiert?

»Angefangen haben wir mit den beiden Intro-Akkorden und wollten es grooven lassen. Dann kam irgendwann der Akkord aus dem Chorus dazu, der uns weitergebracht hat. Im Solopart haben wir wirklich nur gejammt, ja. Wir haben das Licht ausgemacht und Pablo hat seinen Teil über drei, vier Minuten improvisiert. Zuerst war das Stück fünfzehn Minuten lang, was wir am Ende noch gekürzt haben.«

Der letzte Song 'Toux-Da-Loux' ist nur eine Art Noise-Jam ohne tiefere Bedeutung, oder? Korrigiere mich, wenn du es anders siehst.

»Wir fanden es cool, wenn so ein Jamteil in einem Drumsolo mündet. Ich fand meinen Part erst total schlecht, aber dann haben wir es behalten, weil es so witzig ist. Die Geräusche und Stimmen die „Roux-Ga-Roux“ darüber flüstern, führen zu einer Art mentalem Zusammenbruch. Es ist auch eine Reprise zum Intro, da wir beide Teile zusammen aufgenommen, aber dann wieder getrennt haben. Der Titel ist wohl nur für Niederländer lustig, da 'Toux-Da-Loux' eine Abschiedsfloskel bei uns ist. Nur hier in der Schreibweise an den Albumnamen angelehnt.«

Tüdelü. Das kennt man auch bei uns. In diesem Sinne wünschen wir DEWOLFF einen erfolgreichen Start ins Jahr 2016!

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Pic: Melanie Marsman (Promo)

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