Online-MegazineInterview

REVEL IN FLESH

Tipps und Tritte

REVEL IN FLESH

Die Schwaben Haubersson und Maggesson lassen nur ein Jahr nach dem Hammerdebüt „Deathevokation“ mit ihrer kampferprobten Live-Mannschaft „Manifested Darkness“ von der Leine. Grund genug, mit Schreiberkollege Haubersson über faltenfreien Old-School-Death-Metal zu plaudern. 

Erneut sind zwei nicht-skandinavische Cover-Bonustracks auf CD und LP gelandet. Was bedeuten euch diese Songs?

»Bei beiden stand das „Schwedifizieren“ des Sounds ganz oben auf der Liste! „Mental Funeral“ von Autopsy ist eine krasse Scheibe, aber trotz Kult kann man sich über den Originalsound streiten, vor allem im Vergleich zu deren Debüt. Wir wollten aus 'Twisted Mass Of Burnt Decay' eine Bratz-Soundorgie machen. Am Ende bekam auch der Gesang eine eigene Marke; im Original sind die Textfragmente z.T. total unverständlich rausgerotzt. 'Mutilation' war Maggessons Wunsch; es ist unser Tribute an Chuck Schuldiner und vor allem seine für den klassischen Death Metal so wichtige Frühphase. Wir haben 'Mutilation' lediglich mit HM2 und klassischen B–Tuning eingespielt, der Song selbst ist mal abgesehen von Abweichungen im Solo und vereinzelten Screams/Growls im Gesang unverändert. In unserem Soundgewand haben beide Cover eine eigene Marke; das wäre uns z.B. bei einem Track von Dismember, Nirvana 2002, God Macabre oder ähnlichen nicht gelungen, da diese eben die  Urväter des Schwedensounds sind, eine Liga für sich!«

Was war das Ergebnis eurer Analyse nach „Deathevokation“: Welche Stellschrauben am Sound wolltet ihr feiner justieren?

»Massive Aufrüstung in Sachen Equipment gab es in der Phase seit „Deathevokation“ nicht wirklich. Es ist mehr der „learning by doing“-Effekt. Maggesson ist unser Technik/Equipment Freak, wobei wir bei REVEL IN FLESH auch klar die Agenda haben, dass es eben „klassisch“ Death-Metal-like klingen soll. Hinzu kam natürlich, dass wir im Prinzip das Rohmaterial dieses Mal für den Mix und Master-Prozess an Dan Swanö übergeben haben. Swanö gab uns für die Vorbereitung auch einige Tipps und Tritte. Die Zielsetzung war eine organischere und brutalere Produktion als es bei „Deathevokation“ der Fall war. „Manifested Darkness“ klingt massiver, hat aber auch mehr diesen „ungehobelten“ Charme des Neunziger-Schwedensounds, während „Deathevokation“ an sich klarer klingt.«

Manche Songs sind komplexer in den Arrangements. Habt ihr euch mehr zugetraut?

»Wir hatten 2012 nahezu wöchentliche Treffen im Studio von Maggesson und das Schreiben der Lieder hatte mehr einen Fluss und einen spontanen Charakter, anstatt einem zu langen Herumschustern. Seit „Deathevokation“ ist die Einheit spürbar gewachsen, aber wir sind, was diese Entwicklung betrifft, noch nicht am Ende. In Verbindung mit den anderen Bandmitgliedern steckt da noch mehr Potential drin. „Manifested Darkness“ ist jetzt die nächste Stufe.«

Dieses Mal ist das Songwriting generell im Old-School-Rahmen vielschichtiger und weniger auf Stockholm zentriert. Gab es eine Dienstbesprechung und Strategieplanung vorab?

»Ich würde eher sagen eine ungeplante Entwicklung. Songs wie 'Operation Citadel' haben durchaus auch eine Art britisches Bolt-Thrower-Flair, wobei wir uns generell nicht auf irgendein Vorbild in Sachen Style versteifen. Die Grundlagen im Material von „Manifested Darkness“ sind nahezu dieselben wie beim Debüt. Es sind nach wie vor die Neunziger-Death-Metal-Bands in ihrer ganzen Bandbreite. Aber ich glaube, dass REVEL IN FLESH auf dem neuen Album mehr an eigenem Charme gewonnen hat. Es ist kein Geheimnis, dass die Szene momentan regelrecht boomt und brodelt; aber die Zeit der Clone–Bands wird bald vorbei sein und es ist wichtig, eine eigene Marke zu finden. Wir verkrampfen uns jetzt deswegen nicht, aber innerhalb der Genre-Grenzen merkt man auf dem Album eine natürliche Entwicklung «

Das Debüt war bekanntlich unter anderem eine Hommage an die leider verblichenen Deathevokation. Viele der neuen Songs klingen gar noch mehr nach dem Gebräu dieser verblichenen Kultband.

»Hm, ich mag das „The Chalice Of Ages“ Album von Deathevokation (R.I.P.) sehr, aber direkt als Einfluss sehe ich besagtes Werk nicht. Es ist eben eins zu eins die Passion für „Alte Schule“-Death Metal, welches gewisse Parallelen wieder aufwirbelt. Ich hab Götz Vogelsang 2012 unsere CD geschickt. Vor nicht all zu langer Zeit schrieb er unserem Label F.D.A. Rekotz, richtete mir schöne Grüße aus und hat sich das Debüt dort zusätzlich auf Vinyl bestellt; only vinyl is real!! Götz mag das Album, wobei der Name eben auch bei uns beiden die Spur zurück zu den Frühwerken von Carnage/Dismember führt.«

'Dominate The Rotten' klingt  wie ein selbstbewusstes Klopfen auf die eigene verwesende Schulter: Hier unten im Totenreich herrschen wir. Worum geht es wirklich?

»Ha! Deine Interpretation ist mal was Neues, cool! Der Blick hinter die Kulissen ist ein anderer: Maggesson ist eine alte „Zockernatur“ – und nachdem er mit einige Mal vom Fantasiespiel Skyrim erzählt hat; ging es an die Idee einen Text zu bauen, welcher Themen daraus aufgreift. Es geht hierbei um eine Art Hexenmeister, der die Fähigkeiten besitzt, Tote zu beschwören und deren Leichnam zu reanimieren. Diese Wiedergänger bilden dann die Armee des Hexenmeisters, quasi dessen blutiges Instrument für seinen Rachefeldzug.«

Was hat es mit dem „Wind und Wetter“-Intro vor 'Deathmarch' auf sich – welche Kriegsepisode beschreibt ihr da?

»Flucht und Vertreibung,  Endphase WW2. Wobei es mir hierbei um die persönliche Misere der Menschen, die quasi alles zurücklassen mussten und am Ende mit nahezu nichts einer ungewissen Zukunft entgegen gehen mussten. Eine Art realer Horror, der sich weltweit in sämtlichen Krisengebieten auch heute noch wiederholt. Der Song hat ein recht doomiges Flair und fängt ein Feeling von Kälte, Kriegshorror und Leiden ein, was der Thematik gut entspricht. Er basiert ganz klar auf dem Thema Ostpreußen/Flucht und Vertreibung – ich habe da einiges an Dokus verfolgt; aber ich will da eine klare Linie ziehen: Es ging mir um die Darstellung von Emotionen und Elend; nicht um Krempel politischer Natur. Wenn man zum Thema bei Youtube nach Material sucht, landet man ganz schnell wieder in rechten Gefilden; da dies extrem ausgelutscht wird. Wir hatten das bei 'Wings Of Death' auch. In Japan selbst werden Kamikaze-Piloten auch heute noch von rechts gerichteten politischen Gruppen stilisiert. Auch hier war Kriegshorror und zu was der Mensch fähig ist das Thema.«

Alle sind plötzlich so was von okkult. Ihr solltet auch aus der Black-Metal-Affinität eures Drummers Profit schlagen und das Pentagramm aus dem Immortal-Rites-Logo bei euch einbauen.

»Für mich ist es wichtig, ganz einfach ECHT zu sein. REVEL IN FLESH spiegelt unsere Leidenschaft für diese Art von Death Metal wieder; da ist nichts Aufgesetztes dabei, aber wir schaffen mit der Musik dennoch ein für uns stimmiges Bild an Emotionen. So hat der Titeltrack „Manifested Darkness“ in Verbindung mit den Lyrics durchaus etwas Dunkles und Verborgenes. Aber wir sind keine Band, die irgendwas darstellen will, denn am Ende ist es die Musik, welche Magie hat oder eben nicht. Unser Drummer Vøgtssson ist nach wie vor das Brain von Graven, bei welchen es ähnlich wie bei REVEL IN FLESH um puristische Dosierung geht, sprich im Fall von Graven eben Black Metal in seiner Neunziger-Reinform. Wir brauchen jedoch nicht alles in einen Topf werfen, um ein Mysterium zu kreieren. REVEL IN FLESH ist in sich stimmig, was die Einheit aus Artworks, Texte und Musik betrifft – um das geht es!!!«

2012 ging es Schlag auf Schlag – von einer Minibühne im Zeitraffer direkt ins Party.San-Zelt. Empfindet ihr es als Glück, dass REVEL IN FLESH diesen enormen Zuspruch erfahren? Oder ist gar etwas Verbitterung dabei, dass sich Immortal Rites und Apophis dagegen jahrelang abmühten und letztlich weniger Anerkennung erhalten haben?

»Es ist alles im Leben oft eine Kombination von „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, mit eben dem richtigen Material zu sein. Bei Death Metal kann man nix erzwingen, man muss diese Musik einfach lieben und das sollte auch das Werk der Band widerspiegeln. Glück macht vieles im Leben einfacher, aber hinter den Kulissen stecken wir viel Zeit und Herzblut in REVEL IN FLESH. Nichts kommt aus heiterem Himmel.«

Habt ihr mal überlegt, Songs eurer alten Bands für REVEL IN FLESH neu zu arrangieren und weiterleben zu lassen?

»Aus der Sicht von Maggesson muss klar gesagt werden, dass Dawn Of Dreams sowie auch Apophis nicht abgeschlossen, sondern noch „aktive“ Bands sind. Dawn Of Dreams haben 2012 regional mehrfach live gespielt während Apophis Line–up-bedingt gerade in einer Flaute stecken. Für meinen Teil sieht es so aus, dass wir mit REVEL IN FLESH gerade genug eigene neue Ideen haben, so dass es viel motivierender ist, etwas Neues zu erschaffen anstatt Altes wieder aus der Versenkung zu holen.«

Die nächste Mystical-Music-Ausgabe muss geschoben werden – hast du die Arbeit mit der Band unterschätzt oder ist die Motivation angesichts des großartigen zweiten Albums einfach so groß, jetzt alle Reserven dort hinein fließen zu lassen?

»Ganz klar unterschätzt! REVEL IN FLESH füllt meine Freizeit gerade enorm aus; vor allem auch viel Organisationskram und ähnliches. Wir wohnen zum Teil 150 km auseinander, so dass gemeinsame Proben immer gut geplant werden müssen. Mystical Music ist ein zeitintensives Projekt. Beides zusammen würde ich zeitlich und auch finanziell nicht in der erforderlichen Form schaffen. Das Heft-Thema ist noch nicht vom Tisch. 2012 habe ich hin und wieder kleine Gastbeiträge für z.B. Voices From The Darkside, verfasst. Mir macht das Schreiben nach wie vor Spaß, aber ein Printzine machen, ist am Ende, viel mehr als „nur“ schreiben!«

Wobei fühlst du dich wohler: Als Fragesteller oder als Antwortender?

»Fragesteller – ist für mich die leichtere Rolle, liegt vielleicht auch daran, weil ich generell keine Person bin, die gern im Mittelpunkt steht!«

 

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