Online-MegazineInterview

BLACK TRIP

Surrealismus und eine Prise Seventies

Aus dem fernen Norden erreicht uns „Goin' Under“ - das Debüt der schwedischen Heavy-Metal-Supergroup BLACK TRIP. Sänger Joseph Tholl, den man vor allem als Gitarrist bei Enforcer kennt, hat sich im Vorfeld des Enforcer-Gigs in Essen unseren Fragen gestellt und verrät, warum die Veröffentlichung des Debüts zehn Jahre gedauert hat und wieso Name und Musik von BLACK TRIP nicht unbedingt miteinander einhergehen.

Joseph, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem äußerst erfolgreichen Jahr 2013! Du brilliertest als Gitarrist auf der neuen Enforcer-Scheibe „Death By Fire“, du hattest einen Gastauftritt als Sänger auf Robert Pehrsson's Humbuckers Song 'Mesmerizing Shadows' – und natürlich bist du die führende Stimme bei BLACK TRIP. Wie fühlst du dich nach einem so gelungenen Jahr und wie hat 2014 für dich angefangen?

»Danke, es fühlt sich toll an! 2013 war vermutlich das beste Jahr in meiner bisherigen Karriere. Neben den ganzen Live-Konzerten habe ich auch auf drei großartigen Platten mitwirken können, und das zahlt sich dieses Jahr aus. Das letzte Jahr war sehr arbeitsintensiv und irgendwie ein „Alben-Jahr“, und 2014 steht Touren auf dem Programm.«

BLACK TRIP ist eine ziemlich neue Band in der Heavy-Metal-Welt, dabei hat euer Gitarrist Peter Stjärnvind das Projekt bereits 2004 gegründet. Weißt du, mit welcher Intention er die Band kreiert hat? Und warum hat es so lange gedauert, bis ihr 2012 euer erstes Demo veröffentlicht habt?

»Ja, ich habe zumindest eine Geschichte gehört, haha. Die Idee zu BLACK TRIP ist wirklich schon sehr alt, ich glaube sogar bereits 2003 kam Peter und dem ehemaligen Drummer Daniel Bergkvist die Idee, eine Heavy-Metal-Band zu gründen. Aber so richtig geklappt hat das nicht. Die beiden haben zwar viele Demo-Tapes aufgenommen und wirklich einen Haufen Songideen gehabt - die Songs auf „Goin' Under“ sind teilweise also schon zehn Jahre alt, haha - aber mehr war da erst mal nicht.
2011 habe ich Peter dann auf dem Hell's Pleasure kennengelernt, wo ich mit Enforcer und er mit Nifelheim gespielt hat. Bei dem ein oder anderen Bier sind wir ins Gespräch gekommen und irgendwann hat er mich gefragt, ob ich Lust hätte den Gesang auf seinen Demo-Tapes zu übernehmen. Ich fand die Idee ziemlich cool, also haben wir uns getroffen und das Ergebnis war ziemlich gut. Und das ist der Punkt, wo es dann mit BLACK TRIP so richtig anfing. Peter und ich haben anschließend eine erste 7-Inch-Vinyl-Single aufgenommen, auf der Peter alle Instrumente gespielt hat und ich gesungen habe. Ab da hat Peter das Projekt richtig ernst genommen und das ist auch der Grund dafür, warum die erste Veröffentlichung so lange auf sich warten ließ.«

Wenn ich mir das aktuelle BLACK TRIP-Line-up so anschaue, könntet ihr schon als Supergroup durchgehen: Einige von euch haben bereits bei Bands wie Nifelheim, Entombed, Dismember, Necrophobic und du natürlich bei Enforcer gespielt. Haben diese Erfahrungen Auswirkungen auf BLACK TRIP und euer Debüt „Goin' Under“?

»Ja, es hat definitiv Auswirkungen. Jonas (Wikstrand, dr.) und ich spielen nicht erst seit Enforcer zusammen, sondern schon seit wir 14 oder 15 sind. Deshalb kennen wir uns musikalisch unglaublich gut und das ist sehr hilfreich, gerade in einer Band wie BLACK TRIP, die erst am Anfang steht. Und genau das Gleiche gilt für Peter und die übrigen zwei Bandmitglieder Sebastian (Ramsted, g.) und Johan (Bergebäck, b.): Sie haben schon zusammen in Kapellen wie Nifelheim gespielt und sind darum zum Beispiel sehr tight. Wir passen alle einfach perfekt zusammen.
Dazu kommt natürlich, dass es mit so viel Banderfahrung im Rücken viel schneller möglich ist, ein neues Projekt auf die Beine zu stellen und auch das Aufnehmen verläuft relativ flott und reibungslos, weil wir es einfach schon so oft getan haben und wissen, wie es läuft.«



Euer Debüt klingt wie eine klassische Heavy-Metal-Attacke, gepaart mit einer Portion Seventies – stimmst du zu? Und kannst du einige Bands oder Künstler nennen, die euch inspiriert haben, solche Musik zu machen?

»Ja, da stimme ich dir absolut zu. Und naja, wir haben alle unsagbar viele Inspirationen, da ist es nicht so einfach nur einige wenige aufzuzählen. Ich kann auch nur für mich sprechen und meine Inspirationsquellen sind wirklich breit gefächert, aber wenn ich ein paar nennen muss, sind es wohl Guy Speranza von Riot, Sean Harris von Diamond Head, allerdings auch Frontfiguren wie Nick Cave. Es sind einfach zu viele, um sie hier aufzuzählen.«

Wenn du einen Song auf „Goin' Under“ wählen müsstest: Welcher repräsentiert den Sound von BLACK TRIP am besten und warum?

»Ich würde 'Radar' wählen. Dieser Song liegt irgendwie zwischen all den Nummern auf dem Album. Einige Songs sind schneller und brutaler, haha. Zumindest gehen sie eher in Richtung Metal. Wiederum andere Tracks sind langsamer und rockiger. Aber 'Radar' liegt genau dazwischen und repräsentiert somit genau das, was BLACK TRIP ausmacht.«

Habt ihr euch auch deswegen dazu entschieden ein Video dazu zu veröffentlichen?

»Ja, genau. Übrigens ist es auch mein Lieblingssong auf dem Album.«

Black Trip - Radar from playgroundmusic on Vimeo.

Wovon handeln eure Texte und haben sie eine Bedeutung für das Gesamtkonzept von BLACK TRIP?

»Unsere Lyrics sind sehr düster und geprägt von Surrealismus und Hoffnungslosigkeit. Ich weiß, dass unser Name BLACK TRIP ohnehin finsterer klingt, als unsere Musik – dafür gehen die Inhalte unserer Songtexte aber sehr einher mit dem Namen. Und ja, sie sind auch sehr wichtig – für mich und für die Band. Uns ist wichtig, dass die Lyrics eine gewisse Tiefe aufweisen.«

Welche Bedeutung hat Musik für dich im Allgemeinen? Ist Heavy Metal ein Lifestyle für dich, oder nur eine Form der Unterhaltung?

»Natürlich ist es mein Lifestyle, es nimmt all meine Zeit in Anspruch und es ist das Wichtigste was ich besitze. Ich höre die ganze Zeit Musik, und wenn nicht, dann schreibe, oder mache ich Musik. Musik ist mein Leben.«

Hast du ein anderes Gefühl, wenn du einerseits mit Enforcer als Gitarrist, und andererseits mit BLACK TRIP als Sänger auf der Bühne stehst, oder ist es einfach immer überwältigend?

»Es ist eigentlich ein ähnlich überwältigendes Gefühl und die gleiche Attitüde, ja. Außerdem ist die Musik von BLACK TRIP nicht allzu weit entfernt von Enforcer, darum ist das Gefühl wahrscheinlich noch ähnlicher. Ich habe auch andere Projekte, und da ist das Live-Gefühl dann wirklich ein anderes.«

Was hast du denn noch für Projekte?

»Naja, ich stand auch schon häufiger als Sänger mit einer Akustikgitarre auf der Bühne. Seit ich mit den anderen Bands so viel zu tun habe, fehlt mir leider ein wenig die Zeit dafür, aber ich erinnere mich gut an die Konzerte und da war das Gefühl beim Live-Performen wirklich ein anderes. Aber auch das genieße ich natürlich.«

Wie heißt das Projekt und spielst du dort nur live, oder hast du auch ein Album aufgenommen?

»Das Projekt heißt Joseph Tholl And The Escapades, und ich habe 2008 das gleichnamige Debüt veröffentlicht, leider blieb es allerdings relativ unbekannt. Ich habe dieses Jahr vor, an einem neuen Album zu arbeiten. Auf meinem Computer ist schon die Hälfte fertig, ich müsste es nur noch zu Ende bringen – aber immer kommt mir so viel dazwischen. Ich habe es mir schon mehrmals versprochen, das neue Album in Angriff zu nehmen, deswegen kann ich nicht garantieren, dass es dieses Jahr wirklich passieren wird. Aber ich werde es auf jeden Fall versuchen.«

 

Welche Zukunftspläne schmieden BLACK TRIP? Werdet ihr touren, wird es Konzerte in Deutschland geben? Arbeitet ihr schon an neuem Material?

»Wir arbeiten die ganze Zeit an neuem Material und haben unglaublich viele Songideen. Außerdem war „Goin' Under“ ja wie gesagt mehr oder weniger schon geschrieben, als wir die Band gegründet haben. Ich hab nur noch den Gesang dafür ausgearbeitet. Dieses Mal arbeiten wir aber als gesamte Band an einem neuen Album, deswegen haben wir schon eine Menge Demo-Tapes rumfliegen. Ich meine, ich mag „Goin' Under“ wirklich, aber ich glaube die nächste Platte wird noch um einiges besser. Locker, haha.

Was die Konzerte angeht: Ich hoffe wirklich, dass wir eine kleine Tour spielen können. Allerdings hat unser Debüt die Welt noch nicht so sehr erreicht, wie wir es uns gewünscht haben. Deswegen denken wir über einen Re-Release nach, und dann wird es mit Sicherheit auch einige Konzerte in Deutschland geben. Bisher werden wir nur einige Shows in Schweden spielen, wie zum Beispiel auf dem Muskelrock, oder dem Sweden Rock Festival. Aber macht euch auf was gefasst, wir haben noch einiges geplant!«


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