Online-MegazineInterview

TRAP THEM

»Scheiß auf 2012!«

Death’n’Roll, Grindcore und Crustcore sind nicht unbedingt die Stilrichtungen die man mit Seattle in Verbindung bringt. Doch seit dem Abebben der Grungewelle tauchen immer häufiger Bands auf, die sich anschicken, die Space Needle auf der Metal-Landkarte zu platzieren. So auch TRAP THEM, die sich im Rock Hard #287 für ihr neues Album „Darker Handcraft“ eine gute Kritik an ihr Revers heften konnten. Wir sprachen mit ihrem Bassisten Stephen LaCour.

Stephen, stell doch unseren Lesern bitte einmal die Band vor!

»Brian (Izzi, g., -ch) und Ryan (McKenney, v., -ch) haben die Band mithilfe eines Drum-Computers 2001 gegründet. Ursprünglich sollte es nur ein Projekt für Musik sein, die in ihren anderen Bands keinen Platz fand. Die Sache wurde dann aber ernster und nachdem ein paar Schlagzeuger und Bassisten verschlissen wurden, sind wir nun hier.«

Was sind eure musikalischen Einflüsse und versucht ihr diese gezielt in eure Musik einzubauen?

»Schwedischer Death Metal, amerikanischer Hardcore Punk und D-Beat. Bands wie Repulsion und Autopsy waren die Basis zur Bandgründung. Auf den letzten Alben haben wir uns aber immer mehr anderer Musik geöffnet und versuchen beim Songwriting nicht limitiert, sondern um die Ecke zu denken. Die aktuellen Songs funktionieren in dieser Hinsicht sehr gut und zählen zu meinen Lieblingsliedern.«

Ihr habt einen relativ ungewöhnlichen Namen (TRAP THEM  bedeutet übersetzt: „Fangt sie“). Wer sind „sie“ und wieso wollt ihr „sie fangen“? Und würdet ihr jemals einen Song für Laura Gemser schreiben?

»Der ursprüngliche Name der Band war “Trap Them & Kill Them” (Alternativer Name des Sexploitationfilms „Nackt unter Kannibalen“ mit Erotiksternchen Laura Gemser in der Hauptrolle, - ch) und wurde dann gekürzt. „Sie“ ist sehr subjektiv, jeder kann es auf seine persönlichen Antagonisten beziehen. Ich glaube auch nicht, dass jemand einen idiotischen Bassisten braucht, der ihm sagt, wie er Dinge zu interpretieren hat. Einen Song für oder über Laura Gemser werden wir wohl nicht schreiben.«

Als Brian und Ryan die Band gegründet haben, arbeiteten beide zusammen in einem Comicshop. Haben Comics für euch eine große Bedeutung oder haben die beiden dort nur wegen des Geldes gearbeitet?

»Newbury Comics ist nicht nur ein Comicshop, es gibt dort auch Indie-Musik, Filme, Bücher und Modeschmuck zu kaufen. Wir sind aber tatsächlich bis heute große Fans von Comics. Alle von uns haben erst kürzlich die komplette „Preacher“-Serie gelesen und wenn ihr den Comic nicht kennt, solltet ihr die Serie unbedingt lesen! Ganz generell denke ich, dass jeder Mensch nur deswegen arbeitet, weil er das Geld braucht. Wenn man Glück hat, darf man aber an so einem wunderbaren Arbeitsplatz wie Newbury Comics arbeiten.«
 
Reden wir über eure Musik. Wenn ich dir sage, dass ein Song wie 'The Facts' auch locker auf „Wolverine Blues“ von ENTOMBED stehen könnte, was ist deine Antwort darauf?

»Nun, das schmeichelt mir natürlich sehr. Das Album ist ein Meilenstein für jeden von uns. Wir sind aber alle der Meinung, dass wir uns mit unserer Musik in unsere eigene Richtung entwickeln und nicht einfach nur unsere Einflüsse kopieren. „Wolverine Blues“ wurde schon geschrieben – und zwar perfekt, wenn ich das anmerken darf. Die Welt braucht kein zweites „Wolverine Blues“.«
 
Das Album wurde erneut von Kurt Ballou (Converge) produziert. Wie ist dieser Kontakt zustande gekommen?

»Kurt hat ein Album für Ryans und Brians alte Band produziert und so blieb man in Kontakt. Als die beiden die Songs für unser erstes Album ausgearbeitet hatten, war es die logische Wahl, Kurt als Produzent zu engagieren. Er versteht die Band und wir respektieren seine Ideen und können auch mit ihm darüber diskutieren.«

Erzähl uns bitte etwas über das textliche Konzept des Albums. Gibt es eine Message, die sich über das ganze Album hinzieht oder erzählt jeder Song seine eigene Geschichte?

»Die Texte sind Ryans Erzählungen. Natürlich sind sie für ihn sehr persönlich und die Figuren entstammen seinem Hirn. Es sind keine politischen Weckrufe oder Meinungen zu aktuellen Themen. Wir sind keine politische Band. Wenn ihr heutzutage aus eurem Fenster schaut oder den Fernseher anstellt und nicht sehen könnt, dass unsere ganze Welt im Arsch ist, dann können euch auch keine vier amerikanischen Musiker mehr helfen.«

Gibt es irgendwelche Unterschiede, wenn ihr die europäischen Dates mit euren Konzerten in den Staaten vergleicht? Reagieren europäische Metalheads anders auf eure Musik?

»Wir haben das Glück, dass zu unseren Shows nicht nur Metal-Kids kommen, sondern auch Punks, Hardcore-Kids und alle, die sich generell als Außenseiter fühlen. Europäer haben ein großes Verständnis für unsere Musik, aber reagieren physisch nicht so sehr darauf, was aber auch okay ist. Ich persönlich würde gerne nach Europa kommen und hier eine wirklich kleine, körperlich brutale, verrückte Show spielen, denn wenn die Fans wirklich übelst abgehen, lieben wir das am meisten.«
 
Ihr kommt aus Seattle. Wie hat sich dort die harte Szene in der letzten Dekade entwickelt und gibt es eine weitere Band aus eurer Heimat, die wir im Auge behalten sollten?

»Eigentlich ist Ryan der einzige, der in Seattle wohnt und er ist auch erst dorthin gezogen, als die Grunge-Szene schon in den letzten Zügen lag. Meine momentane Lieblingsband aus Seattle ist Black Breath. Sie können einfach keinen schlechten Song schreiben und sind eine überragende Live-Band.«

Gibt es noch etwas, was ihr unseren Lesern mit auf den Weg geben wollt?

»Scheiß auf 2012, lasst uns schon jetzt alles beenden.«