Online-MegazineInterview

DEVICE

Rock-Giganten und Gogo-Girls

DEVICE

Disturbed pausieren seit 2011, doch anstatt sich auszuruhen, stampft Frontmann David Draiman mit dem ehemaligen Filter-Gitarristen Geno Lenardo die Industrial-Band DEVICE aus dem Boden. Auf dem gleichnamigen Debüt des Projekts sind Rock-Schwergewichte wie Geezer Butler, Glenn Hughes, Tom Morello und Serj Tankian zu hören. Dabei begann alles mit einem harmlosen Song-Beitrag namens 'Hunted' für den „Underworld: Awakening“-Soundtrack, der schlussendlich zwar nie auf dem Sampler erschien dafür aber zum Startschuss für DEVICE wurde.«

David, hattest du schon den Plan, eine neue Band zu gründen, bevor dich Geno wegen des „Underworld: Awakening“-Soundtracks kontaktiert hat?

»Nein, nicht zwingend. Die einzige Sache, die ich unbedingt machen wollte, war als Producer zu arbeiten. Ich hatte nicht das feste Vorhaben, eine neue Band zu starten. Es gab zwar hier und da ein paar Ideen und Gespräche, aber nichts Konkretes. Als mich Geno wegen des Soundtracks ansprach und mir die Musik schickte, zu der ich singen sollte, war ich sofort überzeugt. Sehr schnell entstand dann die Idee, weitere Songs zu komponieren und eine eigenständige Band zu gründen.«

Was können dir DEVICE geben, was du bei Disturbed vermisst?

»Viele mäkeln, dass mein Gesang auf der Single ´Vilify´ zu sehr an Disturbed erinnert, dabei vergessen die Kritiker, dass das einfach meine Art zu singen ist. Ich habe schon vor Disturbed in anderen Projekten genauso geklungen. Diese rhythmische Art zu singen, ist einfach ein Teil von mir. Mein Gesang mag an Disturbed erinnern, aber tatsächlich erlaubt mir DEVICE aus kreativer Sicht in viele neue Bereiche vorzudringen, in denen ich mich niemals zuvor bewegt habe und Dinge auszuprobieren, die ich schon immer einmal machen wollte. Songs wie 'Haze', 'Through It All'
und 'Close My Eyes Forever' hätte es in dieser Form nie auf einer Disturbed-Platte geben können.«

Musikalisch geht DEVICE in Richtung Industrial. Kannst du dich an deinen ersten Kontakt mit diesem Musikstil erinnern?

»Daran kann ich mich sogar sehr gut erinnern. Diese Begegnung hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Das war die Nacht, in der ich zum ersten Mal in den damaligen Chicagoer Club „The Limelight“, der in einer alten Kirche beheimatet war, gegangen bin. Ich betrat den Club und sah Frauen in Bondage-Klamotten herumlaufen und Gogo-Girls in Käfigen tanzen, die an Ketten von der Decke hingen. Dazu lief der Song 'Tainted Love' von Soft Cell. Das ganze Ambiente war total irre. Das war meine erste Begegnung mit der Industrial-Welt. Als nächstes dröhnten Front 242 und Ministry aus den Boxen. Ich war überwältigt.«

Was war die erste Industrial-Platte, die du dir gekauft hast?

»Das war „The Mind Is A Terrible Thing To Taste“ von Ministry.«

Und was war das erste Industrial-Konzert, das du besucht hast?

»Ich glaube, dass das KMFDM im „Metro“ in Chicago waren.«

Jetzt hast du mit DEVICE eine eigene Band mit Industrial-Einschlag.
Womit beschäftigst du dich in den Texten und inwiefern unterscheiden sie sich von Disturbed-Lyrics?

»Inhaltlich gehen die DEVICE-Texte in eine ähnliche Richtung wie bei Disturbed. Es geht um persönliche Lebenserfahrungen, aber auch um politische Themen und die Geschehnisse auf unserem Planeten. Ein Unterschied zwischen beiden Bands ist, dass die Textinhalte bei DEVICE direkter rüberkommen, wohingegen ich mich bei Disturbed auch gerne mal ein bisschen kryptischer ausdrücke.«

Der Song 'Through It All' ist eine Liebeserklärung an deine Frau. Ich kann mich nicht erinnern, dass du jemals zuvor so explizit über das Thema Liebe gesungen hast.

»Da hast du vermutlich Recht. Das ist noch so eine Sache, die ich bei Disturbed nie so richtig machen konnte. Mit 'Recover' gibt es noch ein weiteres Lied, dessen Text ich für meine Frau geschrieben habe. Das Stück wird vermutlich irgendwo mal als B-Seite erscheinen. Auf dem Album ist es nicht zu hören. Beide Songs umgibt zwar immer noch eine düstere Stimmung, aber es war schön für mich, thematisch ein bisschen mehr in diese Richtung zu gehen.«

Wovon handelt der Song 'Out Of Line'?

»In dem Stück geht es um die Gewalttaten und Ungerechtigkeiten, die auf unserem Planeten geschehen.«

Bei so einem politischen Ansatz passt es ja perfekt, dass Serj Tankian von System Of A Down als Gastsänger zu hören ist.

»Auf jeden Fall. Und Geezer Butler ist auch noch dabei.«

Wie hat es sich angefühlt, mit diesen großen Namen zusammenzuarbeiten? Neben Serj Tankian und Geezer Butler sind noch Glenn Hughes, Tom Morello, M. Shadows von Avenged Sevenfold und Lzzy Hale von Halestorm auf „Device“ zu hören.

»Das war ein verrücktes Gefühl. Manchmal kam es mir regelrecht surreal vor, wenn ich mir die Liste der Gastmusiker auf dem Album angeschaut habe. Ich bin sehr dankbar, dass diese Giganten der Musik und Kunst auf der Platte zu hören sind und dass ich sie zu meinen Freunden zählen darf.«

Wie muss man sich so eine Zusammenarbeit zwischen namhaften Musikern vorstellen? Greifst du selbst zum Hörer und rufst z.B. Geezer Butler an, oder hast du ein Management, das ganz formal beim Management der anderen Künstler anfragt?

»Ich kenne diese Leute ja alle, und oft entstehen solche Ideen bei Gesprächen. Tom Morello, Serj Tankian und ich sind zum Beispiel alte Freunde, die schon länger überlegt hatten, irgendwann einmal etwas zusammen zu machen. Und dann ergab sich plötzlich diese Gelegenheit. Die Details unserer Zusammenarbeit haben wir bei einem Abendessen in Serjs Haus ausgeheckt.
Glenn Hughes habe ich vor einiger Zeit auf dem „Dimebash“-Event zu Ehren von Dimebag Darrell kennengelernt. Bei der Gelegenheit hat er mich und meine Frau nach Miami eingeladen, wo eine Feier im Rahmen einer Autogrammstunde zu seiner Autobiografie stattfand. Auf dieser Feier gab es eine kleine musikalische Einlage von Glenn, bei der er wieder einmal so unfassbar genial gesungen hat, dass ich ihn einfach fragen musste, ob er auf einem meiner Stücke singen möchte. Ich gab mir einen Ruck, erzählte ihm, dass ich einen atmosphärischen Song habe, der perfekt zu seiner Stimme passen würde, und er sagte sofort zu. Als wir etwas später beim Abendessen saßen, bekam auch Geezer Butler, der ebenfalls anwesend war und den ich schon seit den frühen Ozzfest-Tagen kenne, von der Sache Wind. Er erkundigte sich neugierig nach meinem neuen Projekt, woraufhin ich kurzerhand auch ihn fragte, ob er Lust hätte bei „Device“ mitzuwirken.
Bei ´Haze´ hatte ich von Anfang an die Idee, den Song nicht alleine, sondern mit einem weiteren Musiker zu singen. Matthew von Avenged Sevenfold, den ich von vielen gemeinsamen Tourneen kenne, schien mir die perfekte Wahl zu sein, und die Zusammenarbeit klappte dann auch.«

Hättest du dir auch eine Zusammenarbeit mit Lemmy Kilmister vorstellen können? Ich frage, weil Lemmy als begeisterter Fan von Nazi-Memorabilia bekannt ist und du in einem Interview mal Folgendes gesagt hast: „Mir ist es egal, wer du bist. Wenn du Nazi-Symbole trägst, dann habe ich ein Problem mit dir, weil ich nicht nachvollziehen kann, wie es für jemanden in Ordnung sein kann, Dinge zu tragen, die die Vernichtung meines Volkes symbolisieren. Damit bin ich einfach nicht einverstanden, und dafür gibt es auch keine Entschuldigung“.

(Mit aufbrausender Stimme:) »Ich habe riesigen Respekt vor dem Musiker Lemmy Kilmister, auch wenn mir sein Hobby nicht gefällt. Es nervt mich an, dass die Presse das so hochkocht.«

Tut sie das?

»Oh ja! Die Presse liebt es, ein Drama zu erfinden, wo es kein Drama gibt und einen Konflikt zwischen mir und Lemmy heraufzubeschwören, weil ich nun einmal jüdische Wurzeln habe und meine Familie im Konzentrationslager war. (Mit sich langsam beruhigender Stimme:) Ich habe überhaupt kein Problem mit dem Menschen Lemmy, ich habe lediglich ein Problem mit jeglicher Glorifizierung von Nazis, Nazi-Symbolen oder der Nazi-Zeit. Aufgrund meiner Herkunft kann ich gar keine andere Position einnehmen. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich Motörhead und Lemmy scheiße finde und ihm beim nächsten Mal, wenn ich ihn in der „Rainbow“-Bar in Hollywood treffe, eine reinhaue. Ganz im Gegenteil, es ist sehr wahrscheinlich, dass ich ihn freundlich begrüßen und ein Bier mit ihm trinken werde. Ich empfinde nur Lemmys Hobby aufgrund meiner Herkunft und meiner Familiengeschichte als anstößig. Das ist doch logisch. Das würde mir auch bei anderen Menschen so gehen, die das gleiche Hobby haben. Diese Haltung sollte meiner Meinung nach jeder Mensch gegenüber dieser Zeit einnehmen, selbst dann, wenn er nicht den gleichen Background hat wie ich!«

 

www.facebook.com/devicetheband

 

DISKOGRAFIE

Device (2013)