Online-MegazineInterview

HALESTORM

Quo vadis, Halestorm?

HALESTORM

Äußerst spontan trafen wir HALESTORM-Fronterin Lzzy Hale zum kurzfristig angesetzten Interview in einem der Backstage-Räume des Londoner The Forum. Sie muss gleich auf die Bühne und ist etwas in Eile, trotzdem finden wir Zeit um über die bisherigen Daten der Headliner-Tour und das kommende Album zu sprechen.

Nun seid ihr endlich Headliner. Habt ihr mit dem Erfolg gerechnet, den die Tour euch bisher beschert hat?

»Es ist ziemlich verrückt. Wir haben die Tage noch darüber gesprochen, wie wir auf den ersten Gigs vor zwei Leuten und dem Soundmann gespielt haben. Arejay hat seinen Drumstick geworfen und du konntest hören, wie er auf dem Boden aufschlug. Es ist echt der Wahnsinn, dass wir jetzt herkommen können und solch eine Tour durchführen können. Es ist ein anderes Level des Musikmachens. Wenn du eröffnest, musst du dich einem Publikum beweisen. Die meisten wissen nicht, wer du bist und nun sind wir jenseits des Handschlags angekommen. Es ist nicht mehr nur „Hallo, wir sind Halestorm“ - wir können auf einer fundierteren Basis arbeiten. Wir haben großen Spaß mit dem Publikum, da wir jetzt auch untereinander Späße machen können. Arejay kann etwas Blödes anstellen und ich kann mich über ihn lustig machen, ohne dass irgendjemand glaubt, ich wäre ein Arschloch. Wir haben eine wirklich gute Zeit.«

Sind alle Shows bisher ausverkauft gewesen?

»Ja, es ist witzig, dass die Show in Manchester nicht ausverkauft war, weil 18 Tickets über waren – die sind an der Abendkasse aber ziemlich schnell weggegangen. Aber die Resonanz ist verrückt. Die Tour unterbricht unsere Arbeit am aktuellen Album – wir wussten, dass wir eine Pause brauchten und wir kommen sehr gerne nach Europa. Besonders unsere Fanbase in Großbritannien ist in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen.«

Was wäre der nächste logische Schritt? Haben große Festivals angefragt?

»Wir haben „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ und „Download“ gespielt und wir würden in dem Bereich gerne mehr machen. Es gibt immer noch einige Länder und Kontinente, in denen wir noch nicht gespielt haben. Wir fragen uns aber immer noch: Was passiert als nächstes, Leute? Es gibt einen Unterschied ob man an sich glaubt oder ob es tatsächlich passiert. Jetzt sind wir gerade an dem Punkt an dem wir denken: „Wow, was könnte wohl noch passieren?“«

Gibt es ein spezifisches Festival auf dem ihr gerne mal spielen würdet?

»Ich habe gehört das Wacken-Festival soll großartig sein. Auf dem Sonisphere spielen wäre auch toll. Ich will aber eigentlich kein Festival diskriminieren hier – wenn eines sagt: „Kommt und spielt!“, dann kommen wir auch! Vor allem, weil jedes Festival, das wir bisher gespielt haben, so eine super Erfahrung war. Wenn sie also nach uns rufen, dann antworten wir! (lacht)«

Nun stehen die deutschen Termine bevor und euch fehlt plötzlich temporär ein Mitglied.

»Ja, ich weiß, das war nicht meine Schuld - Josh ist Schuld! Unser Terminkalender füllt sich immer sehr schnell und ich glaube, dass mein Bassist dachte, er hätte mehr Zeit, sich zu entscheiden. Wenn wir früher gewusst hätten, wann sein Bruder heiratet, dann hätten wir unsere Termine sicherlich verschoben. Ich breche nicht gerne unseren Viererbund auf, wir haben nie in einer anderen Formation gespielt. Das wird ein wenig seltsam für mich. Zum Glück kennen wir seinen Ersatz, Calvin. Er spielt in einer der Vorbands. Der arme Kerl paukt gerade die Songs.«

Wie gut ist er denn bisher?

»Ganz gut. Er ist definitiv nicht Josh, er ist ein guter Bassist aber es ist einfach eine andere Dynamik auf der Bühne, wenn Josh da ist. Es heißt bei jeder Kleinigkeit immer: „Wir holen Josh zurück! Da, das hast du jetzt davon!“ (lacht)«

Als ich die Show online nachgeschlagen habe, bin ich über den Preis für die Meet & Greets gestolpert. 66 Pfund (ca. 80 Euro) sind ganz schön viel – vor allem, weil ihr doch viele junge Fans habt, die sich das vermutlich nicht leisten können.

»Es ist so, dass die ursprünglich 40 Pfund gekostet haben. Die waren dann immer schlagartig ausverkauft und viele, die uns unbedingt treffen wollten, hatten keine Chance. Es war also ein Experiment: wenn wir den Preis erhöhen, dauert es dann etwas länger und Leute, die es wirklich wollen, kriegen die Chance da zu sein. Wir haben dann auch zu dem Paket noch einige zusätzliche Gimmicks hinzugefügt. Es kriegt also jeder die Möglichkeit, zusätzlich zu dem Gesamtpaket.«

Was ist in dem Paket?

»Ein speziell angefertigtes Poster, ein laminierter Ausweis, eine Leinentasche und ein T-Shirt – alles in allem also Merchandise, das zusammen vielleicht sogar ein bisschen mehr Wert ist als die 66 Pfund. Was ich an den Meet & Greet so liebe, ist, dass du die Leute triffst, die uns wirklich dringend sehen wollen. Wir werden natürlich heute nach der Show auch noch draußen vor der Halle sein und mit den Fans sprechen. Wenn jemand sich das also nicht leisten kann, kann er die Möglichkeit immer noch wahrnehmen. Aber es ist einfach schön auf diese Art jeden Tag Kontakt zu Menschen zu haben.«

Wie sieht es mit dem Album aus?

»Wir kommen am 31. (Mai – ln) zurück und beenden dann das Songwriting. Dann gehen wir zum Juni oder Juli ins Studio und veröffentlichen das Album hoffentlich bis Ende des Jahres. Wir müssen uns noch für einen Produzenten entscheiden – davon hängt dann auch ab, wo wir ins Studio gehen. Wir wollen mit dem Album neues Leben in die Bude bringen, die Wahl des Produzenten ist also wirklich wichtig für uns.«

Bisher sind zwei Songs fertig, richtig?

»Wir haben inzwischen sogar acht Songs auf Halde, die wir aufnehmen könnten. Aber wir wollen sicher gehen, dass wir Anfang Mai noch ein bisschen mehr komponieren, damit wir die beste Auswahl haben. So arbeiten wir meistens: wir schreiben ungefähr sechzig Songs und aus denen suchen wir vielleicht zehn raus, die cool sind und da sind dann zwei oder drei dazwischen, bei denen wir denken „Oh, wow, in die Richtung soll es gehen!“. Dann schmeißen wir alle anderen weg und fangen in der Richtung neu an. Jetzt haben wir also acht, die aufs Album können, denken gerade aber: „Was, wenn wir das schlagen könnten?“ Wir arbeiten also immer noch daran. Das ist ein Prozess, der Spaß macht.«

Ihr habt auch eine Pause eingelegt, um einen Track für das Dio-Tribute-Album „This Is Your Life“ aufzunehmen. Wie war das?

»Es war cool. Nicht nur die Show (gemeint ist die Dio-Hommage-Show in Los Angeles – ln) selbst sondern auch die ganzen Leute, die da waren. Wir sind immer noch die Neuen, es ist deshalb so super dabei sein zu dürfen.«

Naja, du bist momentan aber auch die Hauptansprechpartnerin für Kooperationen dieser Art.

»Haha, ja, das stimmt! Ihr werdet mich nicht mehr los! Aber bei der Produktion war das schon beeindruckend. Da waren alle diese Leute – einige gerade im Studio, andere auf Tour – und jeder ließ alles fallen und kam ,um mitzumachen. Die Show selbst war auch super. Wir gingen auf die Bühne und die meisten Leute dort hatten nie von uns gehört. Du schaust zu deiner Linken und da sitzen Rob Halford, Lita Ford, Duff McKagan und Scott Ian – all die Schwergewichte, die deine eigene Musik beeinflusst haben. Und die sitzen nun vor dir und nicken mit. Irgendwann brüllte einer „YEAH!“ und wir dachten nur „Okay, okay, wir haben sie! Wir haben sie! Los geht’s!“. Wir hatten so viel Spaß, vor allem weil das unser erster gemeinsamer Auftritt seit dem 15. Dezember letzten Jahres war. Wir hatten lange nicht gespielt und wollten deswegen sowieso unbedingt mal wieder performen. Es war ein unfassbares Hoch. Einfach verrückt.«


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