Online-MegazineInterview

Party.San Metal Open Air: Interview mit den Veranstaltern

Party.San

Das PARTY.SAN ist längst eines der europäischen Festivals schlechthin für extremen Metal geworden und beeindruckt auch in diesem Jahr wieder mit einer unschlagbaren Mischung aus großen Namen und erlesenem Nischenstoff für Liebhaber. Wir sprachen mit den Organisatoren Mieze und Jarne über den Status quo des Open Airs, das 2016 in die 20. Runde gehen wird.

Zunächst einmal, ihr beiden: Hat sich das Festival als sichere Marke etabliert, oder kämpft ihr weiterhin?

Mieze: »Wir sind weit davon entfernt, ein Selbstläufer zu sein. Sponsoren haben wir nur in sehr überschaubarem Umfang, wobei man sagen muss, dass wir uns meistens dagegen entscheiden, uns sponsern zu lassen. Wir wollen keine Werbung vor Ort, die mit Musik nichts zu tun hat. Daher sind wir besonders froh um die Treue unserer Besucher, die uns seit Jahren eine gewisse Planungssicherheit geben. Kämpfen werden wir ausschließlich darum, diese Treue nicht zu enttäuschen.«

Erweitert ihr euer Angebot an Ständen/Verpflegungsmöglichkeiten in diesem Jahr?

Mieze: »Wir versuchen, auf ein sehr ausgewogenes Angebot an Food- und Non-Food Ständen zu achten. Im Moment sind wir da eigentlich nicht unzufrieden. Gerade im Essensangebot fällt uns nicht mehr viel ein,  was wir noch ergänzen müssten. Die Anzahl an Händlern bleibt dabei allerdings gleich, da wir auch im Interesse unserer Händler denken und handeln.«
Nach etwa Atlantean Kodex oder den geplanten Orchid im letzten Jahr gibt es auch diesmal wieder relative “Auflockerungen” im derben Angebot; wird sich das Festival langfristig in die Breite begeben oder immer derbste Kost bleiben?

Jarne: »Wir möchten mit dieser Art von Bands einfach zum Ausdruck bringen, wie wichtig uns Musik ist, und dass wir alle auch über den Tellerrand schauen müssen. Unsere Besucher wollen und brauchen diese Abwechslung. Nein, wir haben uns die letzten Jahre nicht in „die Breite“ begeben und wollen das auch in Zukunft nicht tun.«

Wie wichtig sind Special-Shows wie in diesem Jahr jene von Samael für ein großes Event wie eures geworden?

Jarne: »Ich bin kein Fan davon, sehe das aber im Fall von Samael entspannter. Die Band wird ihr drittes Album “Ceremony Of Opposites” komplett spielen – Hammer! Das wird eine wichtige Show, die gerade die jungen Maniacs sehen sollten. Von dieser Band kann man lernen, teuflische Riffs zu schreiben.«

Was kann und will das PARTY.SAN nicht leisten, wodurch zeichnet es sich aus?

Mieze: »Wir wollen definitiv keinen Beitrag zur weiteren Verdummung der Gesellschaft beitragen, sondern eine Plattform für Musik-Nerds bieten, auf der man die Möglichkeit hat sich jede Band anzuschauen, und wo der Gast nicht ein Jahr sparen muss, um sich das Ticket und auf dem Festival ein paar Bier leisten zu können. Vielleicht ist das sehr altmodisch gedacht, aber wir springen hier nicht über unseren Schatten. Das Besondere am PARTY.SAN zu beschreiben, ist dann wieder einfacher. Unsere Crew macht es in gewisser Hinsicht einzigartig, und wir sind jedes Jahr sehr stolz auf sie!«

Gab es versuchte Neuerungen aus dem letzten Jahr, die ihr dieses Jahr wieder verwerft, weil sie als Experimente gescheitert sind? Versucht ihr im Gegenzug etwas Neues?

Mieze: »Eigentlich nicht. Allerdings haben wir auch nicht so viele Neuerungen in den letzten Jahren gehabt. Große Experimente wie Autoscooter, Riesenräder, Kletterburgen oder ähnlichen Kram wird es bei uns ja eh nicht geben.  Kleine Details werden natürlich immer hinterfragt und auf ihren Sinn geprüft, aber davon soll der Gast eigentlich nichts mitbekommen.«

Jarne: »Wir verzichten gewollt auf kunterbuntes Rahmenprogramm, denn das würde uns nicht gut zu Gesicht stehen. Unsere Besucher wollen Musik hören und sehen, statt sich am Jahrmarktsstand das hart verdiente Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Wer Spiele, Wein und Titten haben will, kann nach Mallorca in den Urlaub fahren.«

Bleibt ihr bei zwei Bühnen, oder plant ihr, die Zahl der Bands in Zukunft auszuweiten? Habt ihr das Gefühl, dass die Zeltbühne ein wenig unterm Radar läuft?

Jarne: »Der Hauptgrund für die Zeltbühne ist ja der Support des deutschen Undergrounds und somit sehe ich kein Problem, dass irgendetwas unter dem Radar läuft. Die Zeltbühne soll keine „großen“ Acts bieten, sondern eine Plattform für aufstrebende sein. Wir wollen unsere Besucher auch in Zukunft nicht von einer Bühne zur anderen scheuchen. Das Konzept der einen Hauptbühne und der kleinen Zeltbühne bleibt bestehen.«

Gibt es bezüglich der Peripherie Dinge, die ihr im Vergleich zum letzten Jahr verbessert habt? Gab es Beschwerden, die ihr euch zu Herzen nehmt?

Mieze: »Wir haben eigentlich unsere Augen ständig in den einschlägigen Foren. Uns ist die Meinung der Besucher sehr wichtig, da man eventuell auftretende Mängel sonst übersehen kann. Ein Beispiel für einen steten Kritikpunkt ist die sanitäre Situation. So haben wir im letzten Jahr die Anzahl an Spültoiletten um 30 Prozent angehoben und die Zahl der Mobiltoiletten sogar um 40. Der Reinigungstakt wurde verdoppelt.«

Bekommt ihr etwas vom Überangebot an Konzerten mit, die sich gegenseitig das Publikum wegnehmen?

Jarne: »An dem Wochenende, an dem das PARTY.SAN OPEN AIR stattfindet, sind über Europa verteilt sechs weitere größere Veranstaltungen. Wir arbeiten mit einigen zusammen, um die Logistik zu optimieren. Man kann aber trotzdem von einem Überangebot sprechen. Es gibt immer wieder Promoter, die riesige Events veranstalten, aber dann nur ein bis zwei Jahre bestehen bleiben. Wir sind nun fast 20 Jahre tätig, und da gab es einige Leute, die wissentlich und nur des Geldes wegen für Überangebot gesorgt haben.«

Habt ihr noch Wünsche, was Bands angeht, die beim PARTY.SAN spielen sollen, und welche Absagen fandet ihr bisher besonders schade?

Jarne: »Natürlich haben wir noch Wünsche, aber die Liste würde hier zu weit führen. Auf der anderen Seite hätte ich mir vor Jahren noch große Bands gewünscht, auf die ich heute lieber verzichte. Wir müssen endlich dafür sorgen, dass aktuelle und gute Bands an Stellenwert gewinnen, denn irgendwann werden die alten Schleifer das zeitliche segnen.«

Gab es in diesem Jahr bisher unerwartete Probleme, vor die ihr euch gestellt saht? Hat sich der Flugplatz mittlerweile als sicheres Gelände für euch etabliert?

Mieze: »Ich denke, dass wir auf dem Flugplatz in Obermehler eine sichere Heimstatt gefunden haben, auf der wir das Konzept des PARTY.SAN gut umsetzen können. Der Flugplatz ist weitgehend regensicher; auf den Wind müssen wir allerdings noch etwas mehr Aufmerksamkeit legen.«

Welche Gruppen waren bisher eure definitiven Highlights?

Jarne: »Alle!«

Mieze: »Am ehesten erinnere ich mich an die Asphyx 2007, Autopsy 2010 und Necrophobic 2000, aber eigentlich ist das unfair den vielen andern großartigen Bands gegenüber!«


www.party-san.de