Online-MegazineInterview

OUTTRIGGER

Ohrwürmer aus dem hohen Norden

OUTTRIGGER

Von der skandinavischen Kunst, Melodie und Härte zu vereinbaren: Die jungen Schweden von OUTTRIGGER, deren Debütalbum „The Last Of Us“ am 14. November erschien, spielen hymnische Metalsongs, die gleich ins Ohr gehen (und nicht mehr verschwinden). Frontmann Simon Peyron stand Rock Hard Rede und Antwort.

Simon, vorab gefragt: seid ihr Gamer? Sowohl euer Bandname OUTTRIGGER als auch der Titel eures Album „The Last Of Us“ finden auch als Namen von Videospielen Verwendung.


»Das war tatsächlich Zufall! Als ich die Lyrics zu 'The Last Of Us' geschrieben habe, die eigentlich von einer ganz anderen Sache handeln, waren meine Bandmitglieder gerade ganz heiß auf das „The Last Of Us“-Game. Unser Song ist aber nicht vom Spiel inspiriert. Trotzdem ist das eine coole Sache und als wir uns für den Albumtitel „The Last Of Us“ entschieden, haben wir natürlich gehofft, dass sich die Fans auf unser Album genauso freuen, wie sich viele auf das Computerspiel gefreut haben. Außerdem werden durch den Namen vielleicht noch mehr Leute auf uns aufmerksam.«

Wie ist es nach zwei EPs und jeder Menge Arbeit endlich euer Debütalbum „The Last Of Us“ veröffentlichen zu können?

»Einfach fantastisch! Wahnsinn, wenn man nochmal über die gesamte Reise vom ersten Tag bis jetzt zum fertigen Produkt nachdenkt. Ein Jahr vor der Aufnahme haben wir bereits mit dem Songwriting begonnen, wussten aber zu dem Zeitpunkt noch nicht, wann wir das Album veröffentlichen würden. Als wir dann auf großer Schweden-Tour mit 45 Konzerten waren, wurde klar, dass das Album sieben Monate später fertig sein sollte. Da blieb eigentlich kaum Zeit, im Studio an den Songs zu arbeiten. Also haben wir beschlossen, viele Songs einfach on the road zu schreiben. Man könnte sagen, dass dieser Zeitdruck und der Tourstress viele der Titel verbessert und ihnen eine besondere Note verliehen hat. All dieser emotionale Stress, der sich anstaut, wenn man auf Tour ist, konnte einfach in die Songs mit einfließen. Deswegen ist es großartig, jetzt das fertige Album in den Händen zu halten und nochmal alles Revue passieren zu lassen.«

Ich habe seit Tagen einen Ohrwurm von eurer Single 'Superman Is Dead'. Zielt ihr darauf ab, besonders einprägsame Songs zu schreiben?

»Als ich klein war, habe ich zusammen mit meiner Mutter sehr viel Cher und Radiosongs gehört. Mein Bruder war ein richtiger Metalhead und so bin ich dann auch mit Metal in Berührung gekommen. Natürlich war mein großer Bruder für mich eine Art Idol und so habe ich mich immer mehr für Metal interessiert. Mit der Bandgründung habe ich dann das erste Mal angefangen, von mir aus Metal zu hören und mich bewusst damit auseinanderzusetzen. Man mag unsere Herangehensweise vielleicht für 'kommerziell' halten, weil die Tracks melodiös sind, aber das ist nun einmal unsere Grundeinstellung zur Musik. Im Metalbereich wird immer darüber gesprochen was „true“ ist und was nicht, und gerade deswegen machen wir Musik, die von Herzen kommt, die genau die Musik widerspiegelt, die wir lieben. Man muss nur mal an Europes Klassiker 'The Final Countdown' denken: Es ist zwar ein Rocksong, die Melodielinie ist aber sehr poppig. Ich finde, wenn man einen richtig guten Song hat, kann man daraus alles machen, was man möchte. Pop, Funk, Death Metal, Electro. Deswegen ist für mich das Wichtigste, dass die Melodie stimmt. Wir wollen eben starke Songs machen und wenn den Leuten das gefällt, umso besser! Man muss hören können, dass die Musik dem Komponisten viel bedeutet - dass sie echt ist.«

Hattet ihr ein spezielles Konzept im Kopf als ihr „The Last Of Us“ geschrieben habt?

»Wir wollten zeigen, wie breitgefächert die Musik sein kann, ohne dass unser persönlicher Touch verloren geht. Deswegen haben wir auch eine Akustikversion eines älteren Songs in die Mitte des Albums gesetzt. Ich wollte damit vermitteln, dass man offen an Musik herangehen soll. Es gibt heutzutage so viele Talente in allen möglichen Genres. Natürlich muss man nicht jeden Sound mögen, aber man sollte Talente und gute Songs honorieren. Oft verhindern leider die Genre-Grenzen oder die Tatsache, dass man den Künstler nicht mag, die Auseinandersetzung mit den Songs.«

Hast du einen Lieblingssong auf „The Last Of Us“?

»Das ist so schwer zu sagen! Im Moment proben wir gerade für die folgende Tour und spielen die Lieder zum ersten Mal seit wir sie aufgenommen haben. Und ich liebe 'No Excuse', weil es so viel Spaß macht, den Track zu performen. Außerdem steht eine echte Geschichte dahinter: Während unserer Tour ist mir ein sehr schwerer Fehler unterlaufen, von dem alle anderen betroffen waren. In zwei Jahren werden wir alle darüber lachen, aber im Moment ist es noch ein heikles Thema. In 'No Excuse' entschuldige ich mich bei meinen Bandmitgliedern. Wenn man in einer Band ist, fühlt es sich so an, als lebe man mit fünf anderen Kerlen in einer Beziehung. Man hängt auf Tour mit ihnen zusammen, es gibt keine Geheimnisse und wenn man dann Scheiße baut, hängt der Haussegen schief. Deswegen habe ich den Song geschrieben, die Geschehnisse verarbeitet und mich bei den Jungs entschuldigt. Außerdem ist 'The Last Of Us' einer meiner Lieblingssongs, weil wir den Track ganz anders komponiert haben, als wir das sonst tun.«

Du hast gerade das Songwriting angesprochen, wie läuft es denn normalerweise ab?

»Ich habe die Songs und Lyrics geschrieben und einige der Kompositionen waren schon fertig, bevor wir mit den Aufnahmen begonnen haben. In meinem Homestudio habe ich viele Tracks schon einmal eingespielt, sodass die anderen dann ihre eigenen Ideen mit einbringen konnten. Meistens können die anderen beim Jammen im Probenraum ihren Input zu den Songs geben. Ich fertige also quasi die grobe Skizze an und als Band vollenden wir dann die Zeichnung. Außerdem habe ich das Album auch produziert, alles selbst aufgenommen und bearbeitet. Ich würde nicht sagen, dass wir so alle Songs schreiben, aber oftmals läuft es so ab.«

Und die Lyrics? Was inspiriert dich?

»So viele Dinge! Das Leben! Alles, was man erlebt hat, Fehler, Lektionen, Liebe, Hass. Auf Tour zu sein, war allerdings eine sehr große Inspirationsquelle. Es passieren einfach so viele Dinge, es gibt Rückschläge und Streit, darüber könnte man fast schon ein Buch schreiben!« Welche Bands haben euch am meisten beeinflusst? »Jeder aus der Band würde hier wahrscheinlich andere Acts nennen, aber ein großes Vorbild für uns als Band sind mit Sicherheit Soilwork, in deren Vorprogramm wir letztens spielten. Wir haben immer zu ihnen aufgeschaut, aber im Laufe der Bandgeschichte ist uns klar geworden, dass wir nicht auf ihre sehr technische Art an die Musik herangehen wollen, sondern andere Einflüsse in unseren Songs haben möchten. Bei mir sind es vor allem auch Produzenten, die mich beeinflussen wie zum Beispiel Ryan Tedder von One Republic.« Wie war es denn mit Soilwork gemeinsam zu spielen? »Das war natürlich großartig! Ich habe Björn (Strid, Soilwork-Fronter -nh) vor ein paar Jahren getroffen und er hat mir ein paar Gesangstipps gegeben, da ich am Anfang meiner Karriere noch nicht screamen konnte. Wir haben sozusagen den Kreis geschlossen: Wir waren immer schon Fans von Soilwork, haben sie kennengelernt, durften sie dann sogar supporten. Ich hoffe, dass wir noch einmal die Möglichkeit bekommen, mit ihnen aufzutreten und vielleicht sogar auf Tour zu gehen.« Wie sieht es denn mit Konzerten in Deutschland aus? »Wir werden auf jeden Fall touren und wollen auch unbedingt den Rest Europas besuchen, vor allem aber in Deutschland spielen. Wir hoffen, dass wir sehr bald Shows für euch spielen können! Bis jetzt ist aber leider noch nichts festgelegt.«

Anfang des Jahres seid ihr mit eurem Song 'Echo' vor einem Millionenpublikum in der schwedischen TV-Sendung „Melodifestivalen“ aufgetreten...

»Das war einfach absoluter Wahnsinn, mit der Presse und all den Fernsehsendern! Es gibt da eine ganze Woche lang nur Pressearbeit und Interviews. Wir haben natürlich oft geprobt und am Anfang wirkten die ganzen Kameras noch ungewohnt und befremdlich, wenn man sich aber einmal daran gewöhnt hat, macht es wirklich Spaß!« 
In der Performance seid ihr in Käfigen, du mit Maske und in Zwangsjacke zu sehen, wie kamt ihr darauf? »Wenn man so eine Chance bekommt, versucht man natürlich die Band mit seiner Performance irgendwie darzustellen. Wir wollten mit dem Konzept der Show auch den Vibe des Songs widerspiegeln. Es geht in 'Echo' darum, dass man sich in einer Situation befindet, der man nicht entkommen kann, deswegen die Käfige. Dann folgten noch die Zwangsjacken und Masken, das ist natürlich an Hannibal angelehnt, um es noch etwas visueller zu gestalten.«

Ihr habt aber auch einen aktuellen Videoclip am Start.

»Genau, wir haben kürzlich das Video zu 'The Last Of Us' veröffentlicht, das uns sehr am Herzen liegt, da wir darin ein politisches Statement abgeben. Es geht um die Beziehung zwischen Europa und dem Nahen Osten. Darum, dass wir keine direkte Verbindung zu den Geschehnissen haben, da alles durch die Medien gefiltert wird. Dass wir uns quasi alles anschauen, als wäre es ein Film, die Realität aber nicht erkennen. Wir hoffen, dass euch das Video gefällt!«

 

 

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Pic: Johan Carlen