Online-MegazineInterview

THE NEW BLACK

Mit Boba Fett bei Burger King

THE NEW BLACK

Mit „III: Cut Loose“ haben die Würzburger Heavy Rocker THE NEW BLACK ein starkes Album veröffentlicht, das sie bereits mit einer Tour supportet haben. Neben einem Rückblick auf die gelaufene Tour mit u.a. Psychopunch, klärt uns Gitarrist Fabian „Fabs“ Schwarz noch über offensichtliche Einflüsse, den Druck des dritten Albums und die Augsburger Puppenkiste auf.

The New Black - Cut LooseFabs, erzähl doch etwas zu eurem neuen Album!

»Was gibt es da zu erzählen? Wir haben natürlich wie bei jedem Album versucht, neue Musik zu schreiben. Dieses Mal lag der Fokus aber darauf, das Ganze auf die Band und die Live-Situation zu münzen. „III: Cut Loose“ ist sogar das erste Album, das wir auf der CD-Release-Party komplett inklusive Bonustracks live gespielt haben (lacht). Das war uns beispielsweise beim zweiten Album in der Art nicht möglich, da die Scheibe eine experimentellere Ausrichtung hatte. Zu Zeiten des Debüts hatten wir gar keine richtige Band am Start, was bedeutete, dass wir uns erst einmal Musiker suchen mussten, die ein Programm aus dem Album einstudierten. Das aktuelle Album hingegen kann jetzt von der kompletten Band in echt auf der Bühne vorgetragen werden (lacht).«

Das ist doch prima. Ich finde übrigens, dass man auf der neuen Platte eure Einflüsse teilweise deutlich heraushören kann.

»Auf jeden Fall. Das Album ist voll von Reminiszenzen (lacht). Welche hast du denn herausgehört?«

Im Prinzip die üblichen Verdächtigen: Thin Lizzy, AC/DC, Black Sabbath und Konsorten.

»'Children Of The Grave' ist 1:1 gecovert (lacht). Ein lustiges Beispiel dazu ist aber, dass in den Reviews beim entsprechenden Song 'Superhuman Mission' immer auf Volbeat verwiesen wird. Völlig lächerlich. Black Sabbath haben das Riff vor fünfzig Jahren schon gespielt.«

Ihr legt also nicht so viel Wert darauf eure Einflüsse zu kaschieren. Das Zitat aus 'Chidren Of The Grave' sollte also genau so an dieser Stelle stehen?

»Ja, klar. Ich meine, das Riff ist eine musikalische Tatsache. Das kann man auch in hundert Jahren noch so machen, wenn es in der Strophe entsprechend anders weiter geht. Eine abgehackte Gitarre wie diese ist durch 'Children Of The Grave' geprägt worden, aber darf natürlich auch von jedem anderen verwendet werden.«

Inwiefern beeinflussen euch denn Bands mit denen ihr auf Tour seid? Stichwort, eure aktuelle Tour mit Psychopunch, etc. Ich habe schon von sehr vielen Musikern gehört, dass sie sich die restlichen Bands eines Packages nicht angucken, um sich von deren Musik nicht beeinflussen zu lassen.

»Das ist aber Quatsch. Im Tourpackage waren wir sowieso die Außenseiter, da wir die einzige Metalband unter eher Punk- und Rockbands waren. '77 ist eine 1a-AC/DC-Coverband, ohne die Hits, auf die man wartet, wenn man AC/DC hört (lacht). Bitte nicht falsch verstehen: Ich habe mir die Band abends sehr oft angehört und dachte mir: „Wann kommt denn nun Hit X?“. Er kam aber nicht, weil es eben nicht AC/DC sind, sondern lediglich eine Band, die den Sound extrem nah am Original hält und zum Beispiel auch Wert auf die richtigen Amps legt, die damals gespielt wurden. Die ziehen ihre Retro-Nummer eben komplett durch. Finde ich wunderbar. Meine Favoriten auf der Tour waren Supercharger mit ihrem dreckigen Rock 'n' Roll im Stil der Hellacopters. Mit den Wixxern und Psychopunch konnte ich nicht so viel anfangen. Deren Basis ist Punk Rock und das ist nicht unbedingt mein Fall. Jedenfalls waren wir die einzige Band mit abgestoppten Riffs (lacht) und von daher war eine Beeinflussung nicht gegeben. Dann schon eher als wir mit Alter Bridge tourten, die vom Genre zumindest ungefähr zu uns passen. Wie die Band mit Songs umgeht und der Sänger sich auf der Bühne präsentiert, ist schon großartig. Da kann man sich hier und da schon etwas abgucken. Zumal es letztendlich immer jemanden gibt, der etwas besser als man selbst kann.«

Wie lief die Tour denn? Kannst du bezüglich Rock-'n'-Roll-Klischees aus dem Nähkästchen plaudern?

»Da wir nur ein Drittel der Tour mitgefahren sind, kann ich dir diese Frage gar nicht so genau beantworten (lacht). Es gab keine Ausfälle zu beklagen, wie etwa damals bei der J.B.O.-Tour, als wir irgendwann im Titty Twister gelandet sind oder ähnliches. Diesmal lief alles gesittet ab. Wir sind ja auch alle alte Männer und keine zwanzig mehr. Das musst man verstehen (lacht). Die Mär von Sex, Drugs & Rock 'n' Roll ist sowieso gestorben, seitdem ein paar Leute eine Backstageführung gewonnen haben (lacht). Ich glaube, für sie war es ein ziemlicher Schock, als sie die Musiker nur auf dem Sofa mit ihren Laptops rumhängen sahen (lacht). Großartige Exzesse sind darüber hinaus auch gar nicht drin. Wenn du eine Woche lang Gigs spielen musst, kannst du dir nicht jeden Abend die Kante geben. Mir als Gitarrist wäre das schon gar nicht möglich, von Sängern ganz zu schweigen. Persönlich ist mir das auch lieber so. Wenn ich Saufen gehen will, gehe ich Saufen. Wenn ich aber einen Gig spiele, dann bin ich auch entsprechend fit.«

Euer zweiter Gitarrist Christof Leim wird im Infozettel zitiert, dass ihr mit „III_ Cut Loose“ die Früchte eurer bisherigen Arbeit erntet. Wie genau äußert sich dieser Ertrag denn?

»Ist das so? Ich habe das noch gar nicht gelesen (lacht).«

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Jep, das steht da wohl drin.

»Hm, weiß ich nicht. Kommt vielleicht noch (lacht). Die Tour war sehr cool. Es kommen immer wieder Leute hinzu, die die Band neu kennenlernen und zum Glück auch die Musik mögen. Dadurch, dass die Zahl der Fans stetig wächst, bekommen wir bessere Konzertangebote und die Umstände, unter denen diese Gigs stattfinden, werden folglich professioneller. Diese Entwicklung macht uns enorm viel Spaß und wenn man mich jetzt, so wie du, nach den Früchten unserer Arbeit fragt, verstehe ich darunter, dass man seine Sachen vom Niveau her professioneller gestalten kann. Vielleicht passt das als Erklärung.«

Schöne Erläuterung. Früher hat man das dritte Werk einer Band als ‘Make-It-Or-Break-It’-Album betrachtet. „III: Cut Loose“ ist eure dritte Scheibe. Habt ihr beim Komponieren einen besonderen Druck verspürt, beispielsweise von Seiten der Plattenfirma?

»Nein, überhaupt nicht. Wir müssen alle nicht vom Musizieren leben und verwirklichen uns auf andere Weise. Bis auf Günt, der als Krankenschwester auf der Intensivstation arbeitet, haben wir alle Jobs, die mehr oder weniger mit künstlerischem Schaffen zu tun haben. Deswegen machen wir die Musik einfach, um Spaß daran zu haben. Sollte es von Seiten AFMs nun heißen, dass wir vom neuen Album nur drei Platten verkauft haben und deshalb raus sind, ist das so. Dann bringen wir die nächste Scheibe eben bei einem anderen Label heraus. Von daher fällt ein solcher Druck schlicht und ergreifend weg. Alles, was durch den vermeintlichen Erfolg besser wird, ist wunderbar und wenn es stagnieren oder gar schlechter werden würde, wäre das für uns vermutlich kein Grund die Band aufzulösen. Verglichen mit anderen Bands, steht das bei uns nicht zur Debatte. Das ganze Geld, das wir mit der Band verdienen, fließt sofort zurück in THE NEW BLACK. Zum Beispiel sparen wir nicht an der Anfahrt zu den Gigs und haben auch immer unsere Crew dabei, deren Mitglieder als einzige bezahlt werden. Kohle, die sonst die Bandmitglieder ausgezahlt bekommen würden, wird direkt reinvestiert, damit der nächste Gig auch wieder geil wird. Im Moment ist es zwar so gut, dass auch mal was für uns hängen bleibt, aber leben können wir davon nicht (lacht).«

Das können heutzutage eh nur noch die wenigsten Bands.

»Genau. Es verdienen alle Leute Geld, die nicht in der Band spielen, aber mit dem Business etwas zu tun haben (lacht).«

Lass uns nochmal auf das Album zu sprechen kommen. „III: Cut Loose“ hat teilweise durchwachsene Kritiken eingefahren. Der Hauptkritikpunkt war dabei, dass die richtigen Ohrwürmer fehlen. Wie geht ihr mit solcher Kritik um?

»Das ist schon in Ordnung so. Man kann nicht jedem gefallen und wir können nur das machen, was wir selbst als gut erachten. Wenn jemand auf dem Album keine Ohrwürmer hört, dann hört er die eben nicht. Im Gegenzug finden sich aber genau so viele Leute, die sagen: „Hey, ich pfeife euer Album jeden Morgen unter der Dusche mit“. Die Geschmäcker sind eben verschieden.«

Das stimmt wohl. Wäre es in diesem Zusammenhang dann aber nicht vielleicht besser gewesen, die Songs etwas ruhen und ein wenig mehr Zeit zwischen den Alben verstreichen zu lassen?

»Nein, denn das Songwriting hat bei uns nichts mit dem zeitlichen Intervall zwischen zwei Alben zu tun. Wenn ich mich hinsetze und anfange Songs zu schreiben, dauert es zwei Wochen und ich habe zwanzig rudimentäre Stücke fertig. Die schicke ich dann an die anderen und jeder gibt seinen Senf dazu. Es werden Texte geschrieben und irgendwann entsteht das neue Material basierend auf den Versionen, die ich herumgeschickt habe. Man könnte den Songwritingprozess an sich in die Länge ziehen. Das würde gehen, wobei ich nicht glaube, dass sich die Songs dann anders entwickeln würden. Wir komponieren einfach auf diese Art und Weise. Wenn die Riffs fertig sind, treffe ich mich mit Leimsen zum Austausch, wobei ich absolut kritikfähig bin. Findet Christof ein Riff scheiße, landet das eben nicht auf der Platte. Ich kann ihm da zu hundert Prozent vertrauen, denn wenn ich mir die Demos zufällig ein Jahr später anhöre, muss ich ihm immer Recht geben (lacht). Ich bin eigentlich immer ein bisschen froh, dass es jemanden gibt, der das, was ich mache, reflektiert.«

Bist du als Hauptsongwriter auch für die Texte von THE NEW BLACK verantwortlich?

»Nein, mit den Texten habe ich gar nichts zu tun. Ganz am Anfang hat Leimsen neunzig Prozent der Texte geschrieben. Fludid (Sänger – cb) löste ihn mit dem Texten ab, als es für ihn zeitlich zu eng wurde. Momentan sieht es so aus, dass Fludid drei viertel der Lyrics schreibt und Leimsen den Rest. Aus dem Texten halte ich mich komplett raus. Früher hatte ich für meine alte Band mal was getextet, aber da ging es dann irgendwie immer um „Star Wars“ (lacht). Ich weiß gar nicht, wie viele Texte ich über Boba Fett geschrieben habe (lacht). Man darf das eigentlich auch niemanden erzählen, aber meistens weiß ich gar nicht, worum sich unsere Texte drehen. Für mich ist die Stimme ein weiteres Instrument und der Text ist eine Phonetik, die stimmen muss. Deswegen gefallen mir auch viele deutsch singende Bands nicht, weil mir das vom Klang her zu hart ist. Französischer oder spanischer Gesang entspricht auch überhaupt nicht meinem Geschmack. Englisch empfinde ich hingegen als angenehm zu hören, da die Sprache einen schönen Fluss hat.«

Wer hatte denn die witzige Idee zum 'Sharkpool'-Video?

»Das war Fludid, der von Beruf Kameramann ist und zusammen mit seinem Vater über Monate hinweg die Figuren gebaut hat. Wir haben das Video mit vier Personen gespielt und acht Figuren sind, wenn ich mich nicht irre, das Maximum, die parallel vorkommen. Dementsprechend kannst du dir vorstellen, wie wir da in der Deko gehangen haben (lacht). Ein riesiger Spaß. Das typische IM1-Video wurde bereits abgedreht und danach wollten wir einfach mal etwas anderes machen. Fludid kam mit der Idee von der Augsburger Puppenkiste an und anschließend nahm das Unheil seinen Lauf (lacht). So was habe ich vorher in einem Heavy-Video noch nicht gesehen und, was noch hinzu kommt: das Video ist das erste Video unseres Labels AFM, das bei Burger King in der Heavy-Rotation war (lacht).«

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