Online-MegazineInterview

BLUES PILLS

Medizin für die Seele

BLUES PILLS

BLUES PILLS sind einer der größten Hoffnungen im Bluesrock, haben auf verschiedenen Festivals das Publikum überzeugt und sind nun mit der EP „Devil Man“ am Start, bevor just dieser Tage eine Tour mit Orchid und Scorpion Child auf dem Programm steht. Unsere Fragen beantworteten Sängerin Elin Larsson und Bassist Zack Anderson.

Blues Pills - Devil Man»Danke, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns zu reden«, plauscht die extrovertierte Sängerin drauflos. »Wir sind eine Bluesrock-Band, und leben in Schweden. Unsere Hauptinspiration sind die Bands der Sechziger und Siebziger, zum Beispiel Free, Fleetwood Mac und Grand Funk Railroad.«

Wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der noch nie von euch gehört hat?

Elin: »Es ist natürlich immer ein bisschen schwierig, die eigene Musik zu beschreiben, aber unsere größten Einflüsse kommen eindeutig aus dem Blues, Rock und Soul. Ich denke, zusammengefasst machen wir harte Bluesrock-Musik mit souligen Vocals. Uns wurde mal gesagt, wir klingen, als ob Aretha Franklin mit Led Zeppelin jammen würde, was den Kern ganz gut trifft.«

Ihr kommt aus verschiedenen Ländern, lebt nun aber alle in Schweden.
Warum gerade Schweden?

Zack: »Das hat sich so ergeben. Als wir die Band gründeten, haben Elin und ich schon in Örebro gelebt. Als Dorian (Sorriaux, g.) dann eingestiegen ist, kam er zum Jammen immer von Frankreich rübergeflogen mit der Option, auch umzuziehen. Für ihn war es aber nicht so schwierig wie für unseren Drummer Cory (Berry), der zu der Zeit noch in Amerika gelebt hat und keine Visa für Schweden hatte. Die hat Dorian als Franzose und EU-Bürger natürlich nicht gebraucht. Für Touren haben wir Cory immer eingeflogen, aber ohne Visum durfte er immer nur drei Monate bleiben. Das ging dann ein paar Mal hin und her, und nun darf er in Schweden bleiben. Es war letztendlich die logische Entscheidung, da eh schon die halbe Band hier lebte und Dorian auch jederzeit einreisen konnte. Es ist nicht so, dass wir keinen anderen Ort gefunden hätten, aber wir mögen Schweden einfach sehr gerne, es gibt eine großartige Musikszene. Es hat sich herausgestellt, dass hier ein guter Platz ist, um eine Band aufzubauen, und ich weiß nicht, wo wir heute stehen würden, wenn wir die Band in Amerika oder einem anderen Ort gestartet hätten.«

Unterscheiden sich die Einflüsse einer Band, deren Mitgliedern aus drei verschiedenen Ländern kommen, tatsächlich mehr als von Bands, bei denen alle aus derselben Stadt kommen?

Zack: »Ich glaube nicht, dass es da einen großen Unterschied gibt. Wir alle teilen die Liebe für Blues und Rock und stehen auf dieselben Bands.
Aber ein paar Differenzen gibt es natürlich schon. Dorian ist mit der traditionellen keltischen Musik der Bretagne aufgewachsen, wo er herkommt. Sein Vater spielt Dudelsack, und mit drei Jahren hat er seinen Vater das erste Mal bei einem Konzert auf der Snaredrum begleitet. Ich bin mir auch sicher, dass Elin ein paar schwedische Musiker und Künstler hört, die wir nicht kennen. Cory und ich sind dagegen mit amerikanischer Rockmusik aufgewachsen. Aber was uns zusammenhält ist unsere gemeinsame Vorliebe für Soul, Rock und Blues, die Musik der Sechziger und Siebziger und psychedelische Musik.«

Wie ist euer Vertrag mit Nuclear Blast zustande gekommen?

Elin: »Wir haben einfach eine Mail hingeschickt. Wir haben die üblichen „Check Out Our Band“-Mails rumgereicht, auf die du normalerweise keine Antwort bekommst. Zu unserer Begeisterung erhielten wir aber eine Antwort. Ein halbes Jahr später haben die Mitarbeiter uns dann live sehen wollen, als wir in Deutschland auf Tour waren. Wir waren super nervös, und zu allem Überfluss war ich auch noch krank. Der Gig fand in einem kleinen Laden statt, und die Hälfte der Zuschauer schienen Labelleute zu sein. Aber sie mochten uns! Sie machten uns ein Angebot und wir hatten endlich einen Plattenvertrag. Da ist ein Traum für uns wahr geworden! Es ist eine Riesenehre, bei Nuclear Blast zu sein, zudem werden dort immer mehr Retrobands unter Vertrag genommen. Da scheint eine neue „alte“ Musikszene zu entstehen.«

Wie seid ihr zu eurem Bandnamen gekommen? Oder um anders zu fragen: Was sind Bluespillen?

Elin: »Der kommt von einem gleichnamigen Musikblog, der Undergroundmusik der Sechziger und Siebziger postet. Wir haben den Betreiber Jens Heide kennengelernt. Er ist auch Booker für Rock Freaks Concerts und organisiert das Freak Valley Festival. Wir mochten den Namen und dachten, dass er zu unserer Musik passt, also haben wir ihn gefragt, ob wir ihn benutzen können. Er fand die Idee gut und gab uns die Erlaubnis.
Der Name klingt nach einer Art blauer Medizin.«

Wie alt sind die Songs auf eurer „Devil Man“-EP?

Elin: »Alle Songs der EP sind in den letzten zwei Jahren geschrieben worden. 'Devil Man' und 'The River' sind die beiden ältesten. Die gehören zu den fünf, sechs ersten Songs, die wir geschrieben haben.
Soweit ich mich erinnere, gibt es 'Time Is Now' und 'Dig In' erst seit einem Jahr, auch wenn die Ideen dazu älter sind. Wir haben uns mit Nuclear Blast für eine Wiederveröffentlichung der EP entschieden, denn sie mögen die Tracks genauso wie wir. Wir wollten natürlich einen starken ersten Release für unser neues, großes Label haben. Außerdem wollten wir unseren Fans ein paar neue Lieder spendieren, denn wir haben ja eine Weile nichts herausgebracht. Unsere Songs entwickeln sich ständig weiter, denn wenn wir eine neue Idee haben, die besser als die vorhergehende ist, ändern wir den Track gerne, selbst wenn er schon einmal in anderer Form aufgenommen wurde. Auf dem kommenden Album werden wir auch ein paar alte Songs haben, die wir komplett neu arrangiert haben. Sie wirken jetzt komplett neu.«

Wie läuft bei euch das Songwriting ab?

Zack: »Das ist jedes Mal unterschiedlich, aber üblicherweise hat einer von uns eine Akkordfolge oder ein Riff, auf dem wir aufbauen können.
Dann findet Elin eine Melodie, und wenn die gut ist, schreiben wir den Song zu Ende. Wenn nicht, verwenden wir die Idee üblicherweise nicht.
Wir tendieren dazu, uns auf Songs zu fokussieren, für die wir eine gute Melodie finden. Die besten Songs schreiben wir sehr schnell aus einer aufflammenden Inspiration heraus. Das kann auch mal weniger als eine Stunde dauern. Der Prozess variiert aber stark, denn es gibt keine zentrale Person beim Songwriting. Die Texte schreiben hauptsächlich Elin und ich, aber auch da sind die anderen beiden gelegentlich beteiligt.
Aktuell sind wir für unser Debüt-Album im Studio und arrangieren alte Songs mit unserem Produzenten Don Alsterberg neu. Das hält sie frischer, als wenn wir sie einfach nur so aufnehmen würden, wie wir sie seit Jahren spielen.«

Ist der Kopf auf dem Cover der Teufel? Und warum ist er blau?

Elin: »Das Cover sollte den Titel repräsentieren. Der Künstler, der es angefertigt hat, heißt Kiryk Drewinski. Er hat das ursprünglich als Konzertposter konzipiert, aber es hat uns so sehr gefallen, dass wir es für die EP verwendet haben. Und es gibt keinen speziellen Grund, warum der Kopf blau ist, außer, dass er einfach gut aussieht (lacht).«

Woher stammt eure Begeisterung für Musik der Sechziger und Siebziger?

Elin: »Das ist die Musik, die wir hören, also ist es nur natürlich, dass wir auch diesen Stil spielen. Ich erinnere mich, wie wir darüber gesprochen haben, dass unsere Musik sehr gefühlvoll und soulig werden soll. Der Hörer sollte dabei dasselbe Gefühl haben wie wir. Das scheint heute selten zu sein. Ich habe mich immer für starke, mächtige Stimmen mit Seele begeistern können, und es ist mir letztendlich egal, wo ich diese Stimmen finde. Aber in der heutigen Musik sind sie sehr schwer zu finden, und der Sound ist mir allgemein viel zu clean, überproduziert, effektbeladen und zu sehr eingeübt. Darin liegt keine Wahrheit, das interessiert mich nicht. Also habe ich diese großartigen Sänger in der Musik der Sechziger und Siebziger gefunden. Rock, Blues und Soul sind einfach ehrlich und wahrhaftig. Mein Vater ist vielleicht der größte Beatles-Fan und hat mir das vermacht. Er war eher in der Sechziger-Pop-Szene mit den Small Faces u.ä. unterwegs. Meine Mutter hat dagegen alles gehört, afrikanische Musik, Klassik, Oper, Rock und natürlich Janis Joplin. Ich bin dann eher in die harte Musik dieser Zeit reingerutscht, weil mich ein paar Klassenkameraden auf der Highschool damit infiziert haben – wofür ich ihnen ewig dankbar sein werde. Dorian ist mit ZZ Top und Celtic Music aufgewachsen. Zack und Corys Eltern haben sie dagegen immer die Klassiker hören lassen, Led Zeppelin, The Beatles, Jethro Tull, Fleetwood Mac, Janis Joplin. Zack hat als Teenager angefangen, Platten zu sammeln, inzwischen hat er um die 2000 Schallplatten. Ich habe durch ihn viele alte Undergroundbands kennengelernt. Was wir aber alle gemeinsam haben ist, dass unsere Eltern Musik geliebt haben. Vermutlich tun wir das deshalb ebenfalls.«

Ihr habt in diesem Jahr ein paar Festivals gespielt (u.a. Desert Fest und Muskelrock). Wo hat es euch am besten gefallen?

Elin: »Die haben mir beide gefallen, aber das Desert Fest war eindeutig unser Favorit. Die Veranstalter waren sehr nett zu uns und haben uns einen guten Slot auf der Hauptbühne gegeben, obwohl wir zu dem Zeitpunkt ja noch recht unbekannt waren. Das war eine der größten Shows, die wir bisher gespielt haben, und die Reaktionen waren großartig. Kurz nach diesem Festival und unserer kurzen Tour fand die Vertragsunterzeichnung mit Nuclear Blast statt, ich werde dieses Festival also wahrscheinlich nie vergessen. Wir haben einen Haufen guter Bands getroffen und viele neue Leute kennengelernt, mit einigen von ihnen verbindet uns seitdem eine innige Freundschaft. Ein anderes unvergessliches Festival war das Roadburn. Ich weiß noch genau, dass das der erste Gig der Tour war und wir nirgendwo hin konnten, also haben wir im Van geschlafen und dabei schrecklich gefroren. Wir haben kein Auge zu getan und fühlten uns scheußlich. Aber als es auf die Bühne ging, waren wir so gespannt, dass das alles wie weggewischt war.«

Und wo würdet ihr gerne mal spielen?

Zack: »Überall! Einer der besten Dinge am Touren ist doch, dass man unbekannte Orte kennenlernt. Wir sind schon sehr gespannt, denn wir fliegen dieses Jahr das erste Mal nach Australien. In der Zukunft würde ich gerne in Japan, Südamerika oder Indien spielen. Wir wollen einfach an neuen Orten spielen, neue Dinge sehen und neue Erfahrungen sammeln.
Es macht viel Spaß, unbekannte Kulturen kennenzulernen oder fremdes Essen zu probieren und was halt alles mit dem Reisen einhergeht. Von fremden Ländern einmal abgesehen, würde für mich ein Traum in Erfüllung gehen, wenn wir im Austin City Limits in Texas spielen könnten, wo die Konzerte in die gesamten Vereinigten Staaten übertragen werden. Ich habe als Kind immer die dortigen Konzerte gesehen, es wäre also schon ein großer Traum und auch eine Art Wiederkehr, dort spielen zu können.«

Ihr habt ja selbst schon angesprochen, dass immer mehr Retro-Bands auftauchen (z.B. Graveyard, Orchid oder Zodiac). Wie findet ihr das?

Elin: »Ich mag diesen Stil, und ich freue mich sehr, dass er zurückkommt. Es gibt natürlich gute und weniger gute Bands, was zählt, ist die Qualität. Bands dieses Stils müssen etwas wirklich Einzigartiges haben, einen eigenen Geschmack besitzen. Ansonsten klingt alles sehr langweilig, wie schon tausend Mal gehört. Die besten Bands sind die, die diesen Stil mit einem neuen Dreh spielen. Das ist wichtiger, als möglichst Siebziger-like zu klingen.«

Worum geht es in euren Texten?

Zack: »Wir schreiben Texte über unsere persönlichen Erlebnisse und Gefühle. Viele Texte auf dem kommenden Album werden sich um die Suche nach der Seele und dem Sinn des Lebens drehen. Das war es, was wir in dem Moment gefühlt haben, und das arbeiten wir in den Lyrics auch heraus. Elin und ich schreiben die meisten Texte zusammen. Das funktioniert ganz gut, weil sich unsere Ideen ergänzen. Wenn einer eine gute Idee hat, löst das meist auch beim anderen etwas aus. Einige unserer Songs handeln von unseren Familien und Freunden, aber der Kern ist, dass uns irgendetwas zu schaffen macht, dann fließen auch die Lyrics ziemlich schnell. Wenn wir uns hinsetzen und uns konzentrieren, kommt selten etwas Gutes dabei heraus. Das muss spontan kommen.«

Was sind eure Ziele mit BLUES PILLS? Wo seht ihr euch in zehn Jahren?

Zack: »Ich denke, wir stecken unsere Ziele so hoch es geht. Es ist schwer, zehn Jahre voraus zu blicken, aber wir wollen einfach nur weiter Musik machen, denn das macht uns glücklich. Wir sind sehr froh darüber, von der Musik leben zu können, denn das ist längst nicht selbstverständlich. Es ist der Traum jedes Musikers, auf einem Label zu sein und zu touren. Allein dafür sind wir sehr dankbar. Wir werden hart arbeiten, aber wir wollen nicht vergessen, warum wir Musik machen: Weil es uns Freude bereitet!«

 

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Pics: Linda Akerberg (Promo)

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