Online-MegazineInterview

KORN

Live is life!

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Zurück zu den Wurzeln, oder auch nicht, und dann wieder doch – bei KORN kann man sich nie so ganz sicher sein, wohin der musikalische Weg gerade führt. Doch halt – Eines ist gewiss: am 06.05. fand das einzige Deutschlandkonzert der "The Paradigm Shift"-Tour in Köln statt. Gitarrist und Kultur-Freund Munky ist extra früh aufgestanden, um mit uns von L.A. aus über die anstehende Tour, die Qualitäten einer echten Live-Band und Musik als universelle Sprache zu plaudern.

Hi Munky, schön, dass du dir die Zeit genommen hast.

»Hi, wie spät ist es bei dir?«

Öhm, es ist abends.

»Mist, es ist neun Uhr morgen hier. Warte, telefoniere ich jetzt in die Vergangenheit?«

Haha, ja so in etwa. Bist du schon wach?

»Joaaaa. Langsam.«

Ok. Die Show in Köln ist das einzige Konzert in Deutschland. Was können die Fans erwarten?

»Wir versuchen, mit jedem einzelnen Gig unser Bestes zu geben, überall in der Welt. Uns ist es bei Live-Auftritten immer am wichtigsten, dass du im Publikum die Energie spüren kannst, die wir auf der Bühne spüren. Wir sind offen gesagt super aufgeregt, gerade weil es die einzige Show in Deutschland sein wird. Da haben wir praktisch nur eine Chance, das deutsche Publikum zu überzeugen. Es wird natürlich jede Menge Songs vom neuen Album geben, aber mindestens genau so viele von den älteren Alben.«

Ich habe mich schon gefragt, wie ihr eure letzten stilistischen Experimente in einem Live-Set verbinden werdet. Werdet ihr auch einige von den Songs, die mehr Richtung Dubstep gehen, spielen?

»Ja, aber nur ein paar. 'Get Up' ist einer der Lieblings-Songs der Band, den werden wir auf jeden Fall spielen. Der hat so eine ganz bestimmte Art von Energie, die uns alle immer wieder packt. Aber alles in allem wird es ein sehr bunt gemischtes Set.«

Ist es für euch denn nicht jedes Mal wieder eine Herausforderung, Songs vom neuen Album zu spielen, bzw. seid ihr nervös, wie die Fans reagieren, und ob sie auch bei den ganz neuen Tracks mitgehen?

»Wir haben das früher so gemacht, dass wir ganz am Anfang immer die alten Songs gespielt haben, um sicher zu sein, dass wir das Publikum auf unserer Seite haben. Aber da sind wir ein wenig mutiger geworden. Natürlich ist es jedes Mal unfassbar spannend abzuwarten, wie die Leute auf die neuen Lieder reagieren.«

Müsst ihr eigentlich, bevor ihr auf Tour geht, noch gemeinsam proben und die Abläufe auf der Bühne koordinieren? Ich habe in letzter Zeit viele junge Bands gesehen, die so was wie eine Choreographie haben. Gibt es das bei euch auch? Oder stellt ihr euch auf die Bühne und legt einfach los?

»(Lacht) Ich behaupte mal, das Letztere! Ich muss auch zugeben, selbst wenn ich gerne mehr proben würde, bleibt dafür nicht genug Zeit. Klar proben wir vorher, wenn es machbar ist. Besonders die neuen Songs. Nee, eigentlich nur die neuen Songs.«

Es gibt Stimmen, die die Meinung vertreten, dass Bands heutzutage immer mehr live spielen müssen, weil es so schwer geworden ist, mit CD-Verkäufen oder Downloads Geld zu verdienen, sich Bands aber irgendwie finanzieren müssen. Würdest du das bestätigen, bzw. fühlst du dich stärker unter Druck gesetzt, Konzerte spielen zu müssen?

»Ach nein. Wir waren schon immer eine Live-Band. So halten wir seit Jahren die enge Bindung an unsere Fans aufrecht. Konzerte zu spielen und ganz nah an den Leuten zu sein, das war schon immer unser Leben. Natürlich ist es genau so wichtig, wie CDs zu verkaufen, aus einer finanziellen Sicht. Aber das war schon zu Beginn unserer Karriere so. Heutzutage, da die CD-Verkäufe so stark abgenommen haben, und der Fokus eher auf dem Live-Geschäft liegt, ist es für uns sogar besser geworden. Denn wir haben schon immer auf die Bühne gehört. Wir stecken so viel Energie in die Auftritte, das ist unser Leben. Aber warte, habe ich die Frage beantwortet (lacht)? Also nein, wir verspüren überhaupt keinen Druck. Live zu spielen ist einfach unsere Natur.«

Ich hoffe, die Frage ist nicht zu persönlich, aber du bist ja nun auch Vater. Auf Facebook sieht man gelegentlich wirklich beneidenswerte Bilder von dir und deiner Familie. Ist es für dich schwer, deine Familie so lang allein zu lassen? Kommt dich deine Familie besuchen?

»Zwölf und anderthalb Jahre sind die beiden. Und ja, die kommen mich besuchen. Das ist aber bei fast allen so. Jeder hat gerne seine Familie um sich. Das hat sich verändert im Vergleich zu früher, als wir jünger waren. Wir haben alle Kinder. Meistens kommen sie nur zu einer Show, aber wenn sie da sind, dann herrscht das absolute Chaos (lacht). Aber es gibt uns allen viel Kraft. Das sind immer schöne Momente. Das ist gut für uns, und gut für die Kinder.«

Ihr bleibt in den meisten Ländern nur einen Tag, außer zum Beispiel in Russland, da sind eine Menge Dates angesetzt. Aber wird das nicht ein logistischer Marathon? Wie schafft man es, so enorme Strecken zurückzulegen und dabei irgendwie entspannt zu bleiben?

»Das frage ich mich auch! Nein, das ist machbar. Wir werden zu Beginn der Tour die meiste Zeit in einem Nightliner durch Europa kurven. Und dann geht’s ins Flugzeug. Aber da gewöhnt man sich dran. Die Straße wird zu einem zu Hause. Und man kann sich, wenn man will, auch die Zeit nehmen, einige der Städte zu besichtigen und versuchen, etwas Normalität zu kreieren. Man muss sein Herz öffnen für die neuen Erfahrungen und die Zeit nutzen. Das gibt dir Kraft. Am Ende der Tour kann es einen schon mal etwas nerven, wenn man immer nur Backstage sitzt und auf das Konzert wartet. Da muss man einfach raus, und etwas vom Leben fernab von Konzerten mitbekommen. Da muss man die Routine aufbrechen und ab und an das Sonnenlicht sehen.«

Klingt wirklich, als wärst du da schon sehr routiniert.

»Nein. So sollte das nicht klingen! Ich liebe es, auf Tour zu gehen! Das ist jedes Mal extrem aufregend. Und ich denke, die anderen empfinden das genauso. Was ich beobachtet habe ist, dass sich die Kulturen in Europa verändert haben. Wir sind schon so lange auf Tour, und immer wenn wir wieder zurück nach Europa kommen, scheinen sich sehr viele Dinge verändert zu haben. Das ist fantastisch. Europa an sich ist so voller unterschiedlicher Menschen und Kulturen. Das auf so einem kleinen Fleck. Das fasziniert mich total. Hier in Amerika ist das ganz anders. Ihr habt echt Glück da drüben. Was auch super cool ist:  Dass ich mit den Leuten da drüben in Berührung komme und immer wieder exotische Menschen kennen lerne. Manche auch aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Ob Reiche oder Arme, das ist mir vollkommen egal, ich will nur wissen, was sie über sich und ihr Land erzählen können. Und weißt du was: Am Ende des Tages sind wir alle gleich. Jeder hat die selben Sorgen und Ängste, ob es um die Familie, Beziehungen oder die Gesundheit geht. Egal in welchem Land, egal aus welcher sozialen Schicht. Und ich denke, da kommt die Musik ins Spiel. Sie ist so eine universelle Sprache, die uns alle verbindet. Selbst ohne Worte würden alle verstehen, worum es geht. Es berührt mich, dass wir mit unserer Musik auch ein wenig dazu beitragen können, dass Menschen zusammen finden, oder sich in unseren Songs verstanden fühlen.«

Gilt das auch für die Musiker? Ihr habt ja oft lokale Bands, die für euch die Show eröffnen.

»Ich bin ehrlich. Wir lernen die leider nicht jedes Mal kennen. Eigentlich sehr schade. Zum Glück sprechen aber diejenigen, die wir kennen lernen dürfen, Englisch. Unser großes Glück! Eigentlich sollten wir uns schämen, dass wir keine andere Sprache sprechen (lacht). Ok, manche von denen sprechen auch echt gräßliches Englisch, aber mit Händen und Füßen und der Musik versteht man sich immer.«

Noch mal zurück zum Thema Musik. Ihr habt zwar ein neues Album in der Tasche, aber kannst du schon Pläne für eure musikalische Zukunft verraten?
»Wir schreiben auf jeden Fall kontinuierlich an neuen Tracks. Mal zusammen, mal jeder für sich. Wir haben auch schon ein bisschen was im Studio aufgenommen. Einfach nur einzelne Songs, noch kein Album. Aber nach dem letzten Album brauchten wir erst mal eine kleine Auszeit, und wollen den Leuten jetzt live zeigen, wie die aktuelle Platte klingt.«

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