Online-MegazineInterview

ADRIAN WEISS

Interview mit der Demoband des Monats 01/12

Der Solo-Gitarrist ADRIAN WEISS hat mit "Big Time" ein Gitarren-Soloalbum veröffentlicht und hat damit bei uns das Demo des Monats Januar abgeliefert. Wir befragten den Gitarristen zu seiner Technik und seinen Einflüssen.

Adrian, in unserem Review sind als Vergleich die Namen Joe Satriani und Steve Vai gefallen. Sind die beiden ein Einfluss für dich? Und wer hat dich sonst beeinflusst?

»Natürlich sind Vai und Satriani für mich immer sehr starke Einflüsse gewesen, das hört man vor allem bezüglich Satriani auf den ersten zwei Minuten des Albums. Aus eigenem Bewusstsein würde ich aber behaupten, dass John Petrucci auf meinen Stil und meine Technik den größten Einfluss hatte.
Der erste Gitarrist, der mich mit seinem Solospiel faszinierte, war übrigens Angus Young. Dann kamen Slash und auch Hammett/Hetfield dazu, später Jeff Waters von Annihilator und vor allem auch Alex Skolnick von Testament und viele andere, die ich sehr schätze. Besonders hervorheben möchte ich noch Greg Howe und auch Brett Garsed. Ach, es gibt so viele....«

Du spielst in der Prog-Metal-Band Forces At Work und nimmst nun Soloalben auf, auf deiner Internetseite gibt es aber auch ein Foto, auf dem du wie Ace Frehley aussiehst. Gehört beides zu dir, sowohl die Filigrantechnik wie auch der straighte Rock 'n' Roll?

»Ja, meine Wurzeln liegen ganz klar im Hard Rock. Mit 15 Jahren habe ich den ganzen Tag AC/DC und Guns N' Roses gehört, richtiger Metal kam dann erst später dazu. Natürlich fing ich dann auch irgendwann an, Dream Theater zu hören und war, wie wahrscheinlich jeder 17-jährige Gitarrist, komplett geflashed. Momentan habe ich wieder eine totale Guns N' Roses-Phase, auch weil ich gerade die Slash-Biographie gelesen habe und feststellen musste, das ich ein Chorknabe bin....
Du sprichst das Kiss-Kostüm an, dass ich auf einer der Bilder auf meiner Website trage. Das ist vom "Cover Me Badd", einem Cover-Festival in meiner Heimatstadt Düsseldorf, auf dem jedes Jahr alle möglichen Pop-, Rock- und Metalsongs gecovert werden. Wir haben damals, 2009, 'Detroit Rock City' und 'I Was Made For Lovin´You' gezockt.«

Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen dem Spielen in einer Band und dem Spielen als Solist?

»Da gibt es einige Aspekte. Von dem Organisatorischen mal abgesehen ist es eine sehr interessante Erfahrung. Man darf alles bestimmen, man steht die ganze Zeit im Mittelpunkt und muss im Grunde durch die Gitarrenarbeit den "Sänger" ersetzen. In der Band zockt man seine Riffs, bangt mehr oder weniger ab und spielt gelegentlich ein Solo, meist achten aber alle auf den Sänger. Aber als Solist hat man ununterbrochen den vollen Fokus der Aufmerksamkeit, egal ob live oder auf CD. Das ist nicht immer einfach, vor allem, weil man dadurch keine wirklichen "Verschnaufspausen" hat. Immer die volle Verantwortung und Entscheidungsgewalt bei der CD-Produktion zu haben, war für mich auch oft sehr anstrengend und auch ungewohnt. Naja, aber vieles wird natürlich auch einfacher. Man muss zum Beispiel keine basisdemokratischen Diskussionen mit anderen Bandmitgliedern führen, sondern man macht einfach, was man für richtig hält. Aber der größte Unterschied ist wohl einfach die kompromisslose und nahezu uneingeschränkte Selbstverwirklichung, die man sich als Solist ermöglicht.«

Was ist dein Ziel, wenn du Songs schreibst? Willst du bestimmte Stimmungen erschaffen?

»Im Grunde ist es zunächst fast genau so, als würde ich Songs für meine Band schreiben. Ich achte auf klare Songstrukturen und versuche, einen "Song" zu schreiben mit Strophe, Bridge und Chorus - auch wenn nachher keiner singt. Die bestimmten Stimmungen ergeben sich dann später aus dem
Zusammenwirken zwischen Rhythmus, Harmonie und Melodie. Meistens habe
ich die Begleitung zuerst fertig und entwickle dann dazu Melodien, nicht umgekehrt. Aber die Stimmungen ergeben sich im Grunde erst dann.
Ausnahme war 'Egyptian Inscription', bei dem ich von Anfang an vor hatte, einen orientalisch klingenden, düsteren Song zu machen. Die Songtitel habe ich mir dann jeweils erst nachher überlegt.«

Wie hast du Victor Smolski als Gastgitarristen gewinnen können? Und wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

»Victor Smolski kenne ich persönlich schon seit 2003. Damals trat ich mit meiner Band Forces At Work in seinem damals noch existierenden Metal-Club auf. Unsere Musik gefiel ihm und er lud uns ein, auf seiner Solo-CD „Majesty & Passion“ mitzuspielen, was wir dann natürlich auch taten. Danach blieben wir in Kontakt, spielten sogar ein Konzert zusammen mit RAGE in Wuppertal und sahen uns auch anschließend auf diversen Gigs. Nachdem ich ihm mal eine CD mit Demoversionen von einigen meiner Solosongs gab, ermutigte er mich, sie mal "richtig" zu produzieren und zu veröffentlichen, was ich dann auch schließlich irgendwann tat. Für mich war die ganze Zeit klar, dass ich ihn als Gastgitarristen dabei haben wollte. Die Zusammenarbeit war dabei sehr unkompliziert. Ich habe ihm das Backing geschickt und ein paar Tage später hat er seinen Kram eingespielt. Sein Solo ist wirklich ein richtig fettes Smolski-Solo mit allem, was dazugehört und passt bei dem Song 'Tough Luck' wie die Faust aufs Auge.«

Lass uns mal ein bisschen Tone-Talk machen: Hast du mal Gitarrenunterricht gehabt oder nimmst du immer noch welchen?

»Einen richtigen, offiziellen Gitarrenlehrer hatte ich nie. Wohl aber kannte ich natürlich immer viele andere Gitarristen aus der Musikszene, die mir vor allem anfangs Tipps gaben und Sachen zeigten. Ich habe früher auch viel mit Songbüchern und -heften gearbeitet.Richtigen Musikunterricht hatte ich als Kind. Von ca. 5 bis 15 hatte ich Geigenunterricht und teilweise nebenbei auch Musiktheoriekurse. Meine Eltern waren auf eine musikalische Erziehung erpicht. So richtig geil fand ich Musik aber erst, als ich den Rock und die Gitarre entdeckt habe.
Ich spiele mit dem Gedanken, wieder Unterricht zu nehmen, vor allem weil ich mich im Jazz/ Fusion- Bereich etwas schlauer machen will.«

Gibt es Soli oder Riffs von anderen Künstlern, die dich in den Wahnsinn treiben, weil du sie nicht richtig hinbekommst?

»Klar. Ich versuche seit 15 Jahren einige Sachen von der „Images And Words“ nachzuspielen, kriege es aber einfach nicht so hin, wie es sein muss – zum Beispiel das Solo von 'Under A Glass Moon'. Aber auch ein Angus-Young-Solo oder ein Slash-Solo nachzuspielen, ist unheimlich schwer, weil diese Leute einfach so ein spezielles Feeling/ Timing/ Phrasierung etc. haben. Das gilt natürlich auch für die Rhythmusarbeit.
Letztendlich sollte man Dinge spielen, die sich für einen natürlich und gut anfühlen. Die klingen dann auch nachher am besten.«

Was benutzt du an Liveequipment?

»Ich spiele live mit meiner Band Forces At Work als Amp einen ENGL Savage Special Edition und eine Ibanez Prestige Sieben-Saiter-Gitarre. Ich benutze ein Multi-Effekt-Gerät von Digitech und D´Dario Saiten. Als Box benutze ich eine ca. 16-Jahre alte Marshall Standard mit 4x12er Speakern. Für Sologigs spiele ich live einen Marshall Amp mit einer kleinen 2x12er Laney Box ohne Effektgerät, dafür mit Wah-Pedal. Den Hall nehme ich aus dem Amp. Bei Sologigs spiele ich vorzugsweise auf meiner Ibanes JPM Sechs-Saiter und nehme die Sieben-Saiter als Ersatzgitarre mit. Sie kam auch schon zum Einsatz.....«

Und benutzt du dasselbe im Studio?

»Ich habe sowohl die „Big Time“ als auch die bald erscheinende neue 
Scheibe von Forces At Work mit dem eben geannten ENGL-Amp eingespielt.
Ein wirklich sehr geiles Gerät. Als Boxen im Studio habe ich Crate (mit
Vintage 30 Speakern) und eine Framus verwendet. Auch hier: Auf der
Soloplatte „Big Time“ ist hauptsächlich die Sechs-Saiter zu hören. Bei
fetteren Rhythmusstellen habe ich aber auch die Sieben-Saiter eingesetzt.«

Was ist für einen Gitarristen wichtiger, Technik oder Feeling?

»Letztendlich ist es meines Empfindens entscheidend, dass die Musik, das Spiel "zündet" und "rüberkommt". Dafür ist letztendlich das Feeling entscheidend. Wobei eine solide Technik dabei sehr hilfreich ist. Technik kann aber nicht alles sein. Denn Musik funktioniert über Gefühle. Der Zuhörer muss von dem Spieler "berührt" werden, dann funktioniert sie.«

Sagen wir, du hättest unbegrenzte wirtschaftliche und technische Mittel zur Verfügung. Wie würde dein nächstes Album klingen?

»Auch das ist eine sehr interessante Frage. Ich bin eigentlich eher Minimalist. Wenn ich über einen neuen Song nachdenke, kommen mir Drums, Bass und Gitarre in den Sinn, evtl. Gesang - nichts Ausgefallenes erstmal. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würde ich einfach in ein Studio einziehen - für ein Jahr oder so - und mit dem Produzenten und ein paar Musikern an neuen Songs arbeiten, viel ausprobieren, vielleicht auch mit geilen Samples und Loops und so. Und dann würde ich auch alle möglichen Gastmusiker einfliegen lassen, die sich das dann anhören und Anregungen geben, Gastbeiträge spielen etc. Trotzdem würde das Album aber letztendlich ein Rock/ Metalalbum sein, denk ich mal.
Ohne Zeit-/ Geldlimit würde ich auch mindestens einmal in der Woche eine Studiofete schmeißen. Mit Bolten Alt, Cocktails und Nudelauflauf.«

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

»Erstmal steht die weitere Promotion der „Big Time“ an, die gänzlich in meiner Hand liegt, da ich ja kein Label habe. Ab 2012 will ich auch vermehrt wieder als Solo.Act mit Liveband auftreten. Meine bisherigen Sologigs habe ich alle allein mit Backing Tracks absolviert. Vorschweben würden mir da u. a. Supportgigs mit bekannteren, etablierteren Instrumentalacts. Im ersten Halbjahr 2012 steht zudem die Veröffentlichung des neuen Forces At Work-Albums namens „Straight“ an, für das wir nun auch endlich ein Label gefunden haben, und die entsprechende (Live-)Promotion. Über zu wenig Arbeit kann ich mich nicht beklagen!«