Online-MegazineInterview

BLACK INHALE

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 10/16

BLACK INHALE

Nicht nur in Österreich gelten BLACK INHALE mittlerweile als echter Geheimtipp. Auch in Rock Hard Vol. 353 sind sie mit „A Doctrine Of Vultures“ zum Tipp des Monats unter den Eigenproduktionen gekürt worden. Höchste Zeit also, mit den Jungs ins Gespräch zu kommen.

An einem Sonntagabend versammeln sich hoch motiviert Raffael Trimmal (Gitarre, Vocals), David Gludovatz (Gitarre) und Drummer Boris Balogh vor dem Computer (Basser Markus Ziegler konnte leider nicht dabei sein). Wir sprechen via Skype über erklärte Ziele, ehrgeizige Pläne, alte Helden und die aktuelle Scheibe „A Doctrine Of Vultures“.

Ihr seid gerade in eurem Proberaum, stellt ihr eure Setliste für die bevorstehende Tour zusammen?

Raffael: »Ja. wir sind gerade in den Vorbereitungen für die 12 anstehenden Konzerte im Oktober und merzen noch die letzten Unstimmigkeiten aus.«

Ihr bezeichnet euch selbst als absolute Live-Band, wie bereitet ihr euch ganz konkret auf eure Shows vor? Mit Fitnessprogramm, gesunder Ernährung und Alkoholverbot?

Raffael (lacht): »Alkoholverbot gibt es bei uns nicht. Eher das Gegenteil. Wir sind aber alle relativ sportlich unterwegs und körperlich fit, sodass das kein Problem ist. Boris ernährt sich sogar vegetarisch.«

Boris: »Das hat aber nichts mit den Tourvorbereitungen zu tun.«

Raffael: »Wir achten sehr darauf, dass unser Konzept beim Songwriting authentisch ist. Wir spielen einfach nur genau das im Studio ein, was wir auch auf die Bühne bringen können. Wir tricksen nicht. Wir wollen 1:1 auf der Bühne geben, was die Leute auch auf dem Album zu hören bekommen. Bei unseren Proben sind alle immer sehr motiviert, stehen nicht nur herum, sondern liefern eigentlich immer eine Performance ab.«

Haben eure vielen Live-Erfahrungen auch das Songwriting zur aktuellen Platte „A Doctrine Of Vultures“ beeinflusst?

Raffael: »Nicht direkt. Also wir merken natürlich, welche Sachen auf der Bühne gut funktionieren. Beim Jonglieren mit den Songs entscheiden wir uns dann schon für die Sachen, mit denen wir uns sicher fühlen. Beim Schreiben steht aber im Vordergrund, was uns gefällt, und wozu wir Lust haben, es zu spielen. Wir würden nie etwas spielen, bei dem wir live Abstriche machen müssten oder es an der Umsetzung scheitert. Wir wollen unsere Songs zu 100 Prozent umsetzten können. Die gesammelten Bühnenerfahrungen fließen also schon mit in den Prozess ein, diktieren ihn aber nicht.«

Zwischen eurem allerersten Longplayer und dem aktuellen Album „A Doctrine Of Vultures“ liegen fünf Jahre. Was habt ihr in der Zwischenzeit getrieben und was wolltet ihr bei eurer zweiten Platte anders machen?

Raffael: »Wir haben einiges anders gemacht. Es hat sich in dieser Zeit sowieso ein Line-up-Wechsel abgezeichnet, weshalb alles auch ein bisschen länger gedauert hat. Wir haben uns aber auch bewusst sehr viel Zeit beim Komponieren gelassen. Wir haben die Songs seziert, jeder Part hat seine eigene Relevanz und Stellenwert. Wir wollten, dass bei jedem Track der Drive vorhanden bleibt. Wir waren bei den Arbeiten sehr detailfreudig und jedes Lied hat Aussagekraft. Außerdem hat sich das Songwriting stark geändert, weil wir zum einen mit Markus einen neuen Bassisten bekommen haben und auch Boris, unser Drummer, hat großen Einfluss auf die Entwicklung des Albums genommen. Boris bring eine gewaltige Energie mit und so viele Ideen. Er kommt ja auch aus dem Thrash-Bereich und die Zusammenarbeit mit ihm war von Anfang an wie eine Symbiose. Wir haben uns sofort verstanden und gemeinsam harmoniert. Das hat natürlich auch einen großen Effekt und Auswirkungen auf das gesamte Album gehabt. Wir haben auch die Höhepunkte und Refrains viel exakter herausgearbeitet als bei dem letzten Album. Es ist wirklich die erste Scheibe, mit der wir alle komplett zufrieden sind und uns eher fragen: „Wie sind wir denn darauf noch einmal gekommen?“ Hoffentlich gelingt uns das wieder.«

Dann werden eure Songs demokratisch von euch Vieren entwickelt?

Raffael: »Ich schreibe hauptsächlich die Riffs und komme dann mit einem Pool an Ideen in den Proberaum. Dann arbeiten wir gemeinsam daran und ändern viel. Eigentlich passieren alle entscheidenden Dinge erst im Proberaum. Wir nehmen auch vorher nichts auf und schicken keine Guitarprofiles herum. Man spürt im Proberaum, ob es funktioniert oder nicht. Wir gehen da keine Umwege, sondern probieren alles gemeinsam aus.«

Für „A Doctrine Of Vultures” habt ihr euch mit echten Größen des Musikbusiness, nämlich Jens Bogren und dem Künstler Seth Siro zusammengetan. Wie lief die Zusammenarbeit?

Boris: »Einfach großartig!«

Raffael: »Wir wussten ja gar nicht, ob Menschen, die so beschäftigt und gefragt sind wie die beiden, und schon Bands wie Opeth, Katatonia und Soilwork betreut haben, überhaupt Zeit für uns haben. Wir haben Jens Bogren eine nette Mail und zwei Songs geschickt und das ist anscheinend auf Begeisterung gestoßen, denn nur einen Tag später haben wir die Zusage von ihm bekommen. Bei Seth Siro lief es genauso. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Wir schätzen die Arbeit der beiden sehr. Auch die Zusammenarbeit mit Norbert Leitner, der in seinem Studio die Platte aufgenommen und gemischt hat, war toll. Obwohl sein Studio winzig ist, schafft er es immer, 300 Prozent herauszuholen.«

Welche beiden Songs habt ihr denn an Bogren und Siro geschickt?

Boris: »Das waren 'A Doctrine Of Vultures' und 'Warning'.«

Raffael: »'A Doctrine of Vultures' ist eher eine Midtemponummer und 'Warning' toppt das Ganze noch einmal und geht aufs Ganze.«

Woher bekommt ihr die Ideen zu euren Songs, welche Bands beeinflussen euch und euren Stil?

Raffael: »Ich bin mit Bands wie Black Sabbath, Deep Purple, Jimi Hendrix und Van Halen aufgewachsen, das waren meine ersten Quellen von guter Musik. Einer meiner absoluten Lieblingsgitarristen ist Nuno Bettencourt von Extreme.«

Boris: »Man muss auch sagen, dass wir in erster Linie große Musik-Fans, und musikalisch schon ziemlich auf einer Wellenlänge sind. Außer vielleicht unser Gitarrist David, der auch Guns N' Roses ziemlich feiert (lacht), früher sogar Hair Metal und Steel Panther.«

Raffael: »Mich prägen schon sehr viele musikalische Einflüsse, die man vielleicht nicht bewusst umsetzt, die aber unterbewusst auf mich oder uns auf jeden Fall wirken. Wenn einen aber die Muse küsst, dann weiß man eh nicht, worauf das konkret zurückzuführen ist.«

Ihr wurdet mal als eine Mischung aus Machine Head und Pantera bezeichnet, mit der Einschätzung seid ihr dann ja nicht ganz unzufrieden, oder?

Boris: »Vom Aussehen her oder vom Gang?« (alle lachen)

Raffael: »Ja schon, wir sind natürlich auch auf der Suche nach unserem ganz eigenen Klang und finden, dass wir ihn mit „A Doctrine Of Vultures” auch gefunden haben. Wir wollen niemanden imitieren oder klingen wie eine andere Band. Aber natürlichen haben wir auch unsere Idole und Einflüsse, die wollen wir auch nicht negieren.«

Boris: »Wir können ja auch schlecht leugnen, Pantera schon einmal gehört zu haben.«

Raffael: »Auf unserer aktuellen Tour werden wir die Shows mit einem Teil von 'Bloodline' von Slayer beenden, auch um zu zeigen, dass wir diese Musik schätzen. Wir nehmen viele Ideen und entwickeln sie und uns weiter.«



Was hat euch denn thematisch beim Songwriting beschäftigt? Was ist euch wichtig, mit eurer Musik anzusprechen?

Raffael: »Ich schreibe die meisten Texte und ehrlich gesagt interessieren mich politische Themen dabei nicht wirklich. Mir ist es sehr wichtig, vieles offen zu lassen, um den Leuten viel Interpretationsfreiraum zu lassen. Ich arbeite da eher mit Symbolik als mit dem Plakativen. Unseren Albumtitel „A Doctrine Of Vultures” zum Beispiel kann man mit „die Lehre der Aasgeier“ übersetzen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Texte. Es geht um die Menschheit, um die Menschen an sich. „Vultures” sind die Aasgeier, die an ihren Opfern zehren. Trotzdem kann sich jeder aussuchen, wofür der Aasgeier steht. Es könnte sowohl für einen Firmenchef stehen, der seine Mitarbeiter ausnutzt, aber genauso gut auch für eine Religion, eine politische Partei oder sonstige Gruppierungen. Wir üben schon Sozialkritik mit unserer Musik, aber eben nicht so plakativ.«
Was sind eure weiteren Pläne für BLACK INHALE? Wird euer Credo „Nothing but pure Metal” auch für eure zukünftigen Veröffentlichungen gelten?


Raffael: »Wir haben definitiv unseren Stil gefunden. Wir sind aber auch offen, andere Sachen auszuprobieren. Aber erst einmal wollen wir grundsätzlich unsere Richtung beibehalten. Wir können uns alle zu 100 Prozent damit identifizieren, was wir gerade machen. Nach unserer Tour im Oktober, insgesamt spielen wir zwölf Konzerte, auch eins in Deutschland, werden wir uns wieder zusammen setzen, brainstormen und mit dem Schreiben neuer Songs beginnen. Wir müssen aber auch sagen, dass es schon schwierig geworden ist, ohne ein großes Label im Rücken viele Touren oder Festivals spielen zu können. Es ist schade, dass die Qualität alleine nicht ausreicht. Wir hatten bis jetzt das große Glück, mit sehr talentierten und tollen Leuten zusammen arbeiten zu dürften. Dennoch ist der Support eines Majorlabels extrem hilfreich. Aber Boris und ich haben ja für alle Fälle auch noch eine Pantera-Cover-Band (lacht). Die haben wir vorerst aber auf Eis gelegt. Derzeit konzentrieren wir uns nur auf BLACK INHALE.«

Boris: »Es ist auf jeden Fall ein erklärtes Ziel von uns, in Deutschland Fuß zu fassen und mehr Gigs zu spielen. Wir fallen dann bald bei euch ein, macht euch auf was gefasst.«

Wie ist denn die Metalszene in Österreich? Gibt es da signifikante Unterschiede zu der in Deutschland?

(Alle lachen)

Boris: »Ja, bei euch gibt es eine!«

Raffael: »Leider schaut es hier etwas mau aus. Alles ist auf Wien konzentriert. Es gibt viele tolle Bands, die aus Österreich kommen, aber von einer richtigen Szene und einem großen Einzugsgebiet kann man nicht gerade sprechen.”

Boris: »Es reicht auf jeden Fall nicht, um davon als Musiker in Österreich vollständig leben zu können.«

Raffael: »Eigentlich hatten wir aber vor, morgen zu kündigen und ein Rockstarleben in Essen zu beginnen.«

Vielen Dank für eure Zeit und das nette Gespräch!

 

 

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