Online-MegazineInterview

WHALERIDER

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 03/15

WHALERIDER

WHALERIDER haben zwar kein Label im Rücken, dafür mit „Thanatos“ einen dicken Brocken aus der See gefischt, der sich breitbeinig zwischen Stoner, Psychedelic Rock und modernem Alternative positioniert. In Kombination mit einem wirklich professionellen, ansprechenden Artwork hat es das Quartett aus Mannheim auf unser Treppchen des Tipp des Monats in der Kategorie „Demos und Eigenproduktionen“ für den Monat März geschafft. Wir sprachen mit Sänger und Bassist Max.

Max, ihr habt eure Band auf den ziemlich coolen Namen WHALERIDER getauft. Seid ihr früher imaginär viel bei Mastodons „Leviathan“ auf Moby Dick mitgeritten, oder woher kam euch die Idee?

»Danke für das Kompliment! Mit den Kolossen der Meere auf Tauchgang zu sein, ist schon eine sehr beeindruckende und faszinierende Vorstellung. Die Inspiration für unseren Bandnamen kam vom neuseeländischen Film „Whale Rider“. Darin geht es um Maori-Traditionen und wie diese bewusst gebrochen werden. Parallelen hierzu kann man wohl auch zu unserer Musik ziehen.«

Thanatos ist ein Totengott der griechischen Mythologie. Wie kamt ihr auf den Titel in eurer weder düster, noch negativ wirkenden Musik?

»Unser Gitarrist Sahba arbeitete damals am Artwork für das neue Black-Shape-Of-Nexus-Album. Darauf zu sehen war ein Sensenmann vor einer Mondlandschaft. Als BSON sich für eine andere Idee entschieden, kam die Idee auf, das zu unserem Layout zu machen. Daniel kam kurz darauf mit dem Begriff „Thanatos“ an. Uns gefiel der Titel so gut, dass wir ihn auch behielten, als sich später die Zusammenarbeit mit Lars Henkel ergab und wir uns für das Hirsch-Motiv entschieden. Heute kann man übrigens das Sensenmann-Artwork beim selbstbetitelten Album von Wall aus Bonn sehen.«

Euer schick aufgemachtes Klappcover lebt von rot und erdigen Brauntönen, in denen man viele Hirsche und Rehe erkennen kann. Welche Ideen habt ihr eurem Layouter Lars Henkel beim Design des Artworks auf den Weg gegeben? In seinem Künstler-Portfolio tauchen auch eine Menge solcher Motive auf.

»Lars Henkel ist ein außergewöhnlicher Künstler. Wir lieben seine Arbeiten. Sein Gespür für Farben und Motive ist einfach nur genial. Das war schon fast wie ein Ritterschlag, als er zustimmte „Thanatos“ zu gestalten. Wir waren uns alle einig, dass es niemand besseres gibt, der die Stimmung der Musik so perfekt grafisch einfangen kann. Darum gab es auch keinerlei Vorgaben. Und wie man sieht, hat sich das Vertrauen gelohnt.«

Ihr habt im breiten Spektrum zwischen Kyuss, Tool oder auch Radiohead einen eigenen Bereich gefunden. Besonders die Balance aus den entrückten Vocals und den knarzigen Gitarren stechen hervor. Wie lief eure Soundfindung ab?

»Wir kommen alle aus verschiedenen musikalischen Backgrounds. Das ist vermutlich die größte Herausforderung, aber auch die Stärke unseres Sounds. Wir haben uns selbst dabei nie Grenzen gesetzt. Meist läuft es so ab, dass Sahba mit einer groben Idee zur Probe kommt und wir gemeinsam das passende Gewand für den Track finden. Da kann es auch mal sein, dass wir ein Jahr später die Struktur und den Grundsound nochmals komplett umwerfen. Wir sind generell für alles offen, was den Song besser macht und geben jeder Idee eine Chance. So haben sich auch einige Songs während der Produktionsphase enorm gewandelt.«

Der Opener des Albums stellt direkt die Frage „What's in your head?“ Ein Song darüber, dass man oft nicht versteht, was in den Gedanken anderer Menschen vorgeht?

»Wohl eher eine Frage an einen selbst. Das Album erzählt die Geschichte von Tarantula, der im Laufe der Songs verschiedene Facetten des Lebens durchlebt. 'What’s In Your Head?' handelt von jugendlicher Unsicherheit und das eigene Hinterfragen in einer Zeit, in der man sich selbst ein Fremder ist.«

Der Titeltrack und 'Self-Destruction' sind lang und sperrig. Kannst du speziell zu diesen Liedern etwas sagen bzw. ob sie eine besondere Rolle auf „Thanatos“ spielen?

»Wir haben uns ehrlich gesagt nie bewusst hingesetzt lange oder sperrige Songs zu schreiben. Jeder Track bekommt die Länge, die er braucht. Ganz egal ob dabei ein Zwölf-Minuten-Epos oder rockiger Drei-Minüter herauskommt. Auf dem Album haben 'Self-Destruction' und 'Thanatos' keine wichtigere Rolle als die restlichen Songs. Sie tragen beide ihren Teil zum Gesamtkonzept bei. 'Self-Destruction' war allerdings der erste Song, den wir zusammen geschrieben und 'Thanatos' der letzte, den wir für das Album fertiggestellt haben.«

Welche Inspiration steht hinter dem Text zu besagtem Titeltrack? Für mich als Außenstehenden liest es sich wie ein Zusammentreffen aus persönlicher Enttäuschung und Sozialkritik.

»Ja, das kommt ganz gut hin. Allzu viel wollen wir nicht darüber sprechen. Allerdings finden sich Andeutungen sowohl auf private Enttäuschungen, als auch ein paar Seitenhiebe auf soziale Verhaltensweisen von Personen im Song wieder. Wenn man solche Dinge zusammen durchgemacht hat, dann schweißt das zusammen und lässt scheinbar wunderbare Titeltracks entstehen, haha!«

Wie sieht's im Gegenzug bei 'Sleepy Hound' aus, der richtig schön 60ies, oder wahlweise shoegazig daher kommt? Die angespannte Stimmung anderer Tracks scheint hier völlig verflogen.

»Das ist ein Song der sich im Laufe der Produktion in diese Richtung entwickelt hat. Wir hatten in der ersten Version deutlich mehr Gitarren und durchgehende Drums. Doch je mehr wir davon weggelassen haben, desto mehr gab uns der Song das Gefühl nach uns zu klingen. Man kann 'Sleepy Hound' schon als Ruhepol der Platte bezeichnen. Dieser Song leitet auch in das Finale der Geschichte ein.«

Am Schluss des Liedes ist ein Mannheimer Schulchor zu hören. Was wird dort im Hintergrund gesungen und wieso habt ihr diesen Part eingebaut?

»Da muss ich jetzt ein wenig schmunzeln. Wahrscheinlich denken die meisten, dass wir die Kinder gezwungen haben satanische Botschaften einzusingen, nur weil der Chor rückwärts läuft. Tatsächlich singt der Schulchor den Refrain des Songs. Wir haben das eingebaut, weil dieser Part in das Konzept des Albums passt. Erst wird die Energie zurückgefahren und mit dem Sample am Ende kehrt das Unheimliche und Geheimnisvolle wieder zurück.«

Euer Gitarrist Sahba stammt ursprünglich aus Teheran. Spielt persische Musik und Kultur für WHALERIDER oder euch privat eine Rolle?

»Wir nehmen das mehr als weiteren Einfluss und Inspiration in unseren Gesamtsound auf. Die Klangästhetik der Melodien, die Rhythmen und Instrumente sind sehr faszinierend und geben ganz neue Möglichkeiten für das Songwriting. Das hört man zum Beispiel in Songs wie 'Feed My Affection' oder 'Thanatos'.«

Wie stark ist denn die Vernetzung zwischen Bands in der alternativen Rockszene Mannheims? Wird bei gemeinsamen Konzerten und Freundschaften über den Tellerrand zu softeren Spielarten oder auch extremeren Metalbands geschaut?

»Die alternative Musikszene in Mannheim ist gut vernetzt. Vor allem Einrichtungen wie das Forum Mannheim, die sich um die Nachwuchsförderung kümmern oder auch der Brückenaward e.V. mit seinen Non-Profit-Festivals tragen dazu bei, dass jüngere Bands auf erfahrenere treffen und sich austauschen und zusammen Shows spielen. Wir sind nicht auf ein bestimmtes Genre festgefahren und haben ein gutes Netzwerk, sowohl zu ruhigeren als auch härteren Bands. Es gibt für uns keinen Grund uns den Erwartungen einer Szene zu beugen. Auf unserer Release-Show zum Beispiel haben die Indie-Rock/Shoegazer Andalucía aus Münster gespielt und trotz (oder gerade deswegen) unterschiedlichen Stilen war es ein runder Abend.«

Okay, die letzte Frage. Klärt uns über Hakim's Imbiss auf (siehe Facebook-Info). Kann man euch dort regelmäßig beim Mitternachtssnack antreffen?

»Das kann man nicht erklären. Hakim’s Imbiss muss man erleben! Die besten Spareribs weit und breit!«

whalerider.bandcamp.com/
www.facebook.com/Whaleride?fref=ts

 

Pics: Gionathan Lo Mascolo (Promo)