Online-MegazineInterview

NEED, EXARSIS, CHRONOSPHERE, TUBER, POEM, OUT OF THE EARTH, MAHAKALA, AMKEN, AMONG RUINS, BUS THE UNKNOWN SECRETARY, LOVING JANE, BEGGARS, TARDIVE DYSKINESIA, OPENED PARADISE, WE.OWN.THE.SKY, OCEAN OF GRIEF, BREATH AFTER COMA, MAPLERUN

Heavy Hellas

BREATH AFTER COMA

Laut Encyclopaedia Metallum hat Griechenland, mal abgesehen von Skandinavien, die höchste Anzahl von Metalbands per 1 Million Einwohner in Europa. Das ist beachtlich und ein guter Grund die Szene etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Rotting Christ, Suicidal Angels und Septicflesh gelten schon lange als Aushängeschilder für Metal aus Hellas. Auch Nightstalker, Planet of Zeus und 1000Mods haben sich einen Namen gemacht und tauchen immer häufiger auf unseren Bühnen auf. 


Die unglaubliche Menge an Underground-Bands, die wirklich was drauf haben und sehr professionell sind, macht es schwierig, eine Auswahl zu treffen, deshalb dient dieser Bericht eher als Anker um die griechische Heavyszene selbständig weiter zu erforschen und erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Thrash:

Über Thrashbands haben wir hier schon ausführlicher berichtet, deshalb nur ein kurzes Update. EXARSIS sind gerade erst zurück von ihrer Tour mit Onslaught, Artillery und ihren griechischen Kollegen CHRONOSPHERE. Ihr viertes und bisher bestes Album „New War Order“ ist seit 20. Oktober erhältlich. AMKEN veröffentlichten endlich ihr lang erwartetes und sehr gelungenes Debüt „Theater Of The Absurd“. Im November werden die Jungs mit Gorgoroth durch die Lande ziehen und Adrenalin auf die Bühnen bringen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich AMKEN live nicht entgehen lassen.

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Melodic Death:

Eine sehr geile Band, die unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdient, ist AMONG RUINS. Das von Tuomas Saukkonen (Wolfheart) produzierte Album „No Light“ ist eines von den Alben, die man sehr gerne sehr und oft hören kann. Eine perfekte Mischung aus Energie, Groove, Melodie und Fronter Sverds Vocals runden alles zu einem sehr soliden Melodic-Death-Erlebnis ab. Die Tuomas-Saukkonen-Connection besteht übrigens schon einige Jahre. Sie haben sich getroffen, als Wolfheart mit Amorphis in Griechenland tourten und da die Chemie zwischen den Bands gleich stimmte, wurde auch recht zügig eine Wolfheart/AMONG RUINS-Tour geplant. Tuomas ist nicht nur ein guter Freund. sondern hat auch als Produzent einen Anteil an der Evolution von AMONG RUINS. Unbedingt anhören!  

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Heavy/Stoner/Retro Rock:

Ein ganz wichtiges Subgenre in Griechenland mit einer unüberschaubaren Anzahl an geilen Bands. Eines der besten Alben 2016 kam von BUS THE UNKNOWN SECRETARY. Selbst in Griechenland nur den wenigsten bekannt, überraschten sie mit Hammersongs wie 'Forever Grey' und 'Fallen' schon vor Albumveröffentlichung und es wird einem schon nach den ersten Takten klar, dass man es mit Lieblingssongs zu tun hat. Twin Earth Records hat sich der Band angenommen und langsam aber sicher spricht sich das Potential von BUS auch rum. Kürzlich durften sie beim Desertfest Athen ihre Songs vor begeistertem Publikum zum Besten geben. Laut Band ist schon ausreichend Songmaterial für weitere Alben vorhanden, aber sie wollen sich erstmal mehr auf Live-Gigs und Promo ihres Debüts konzentrieren. Diese Band ist ein Muss!!! Ach ja, falls ihr euch jetzt fragt wie denn der Bandname zustande kam, Fronter Bill gibt Auskunft:

»In unseren Anfangszeiten, so ca. 2011, hatten wir einen Volkswagen Bus, mit dem wir viel zu Gigs und zum Spaß rumgefahren sind. Eines Tages nach einer Probe fuhren wir nach Hause, tranken Bier und rauchten ein paar Joints, als plötzlich unser Fahrer "Headstoner" sagte: 'Hey, lasst uns doch die Band B U S nennen, Bus the unknown secretary! Alle lachten und obwohl wir am nächsten Tag den Witz nicht mehr wirklich nachvollziehen konnten, haben wir den Namen behalten, hahaha. Der Bus wurde übrigens drei Jahre später verkauft.«

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So etwas wie Außenseiter sind OUT OF THE EARTH aus Lamia. Durch ihre Entfernung zu Athen und Thessaloniki mangelt es ein bisschen an Anbindung an die rege Gig-Szene und sie sind entsprechend weniger bekannt, auch bei Kennern der griechischen Szene. Nichtsdestotrotz lieferten sie mit ihrem selbstbetitelten Debüt ein richtig geiles Album ab, das Spaß macht - roh, groovig und Whisky-kompatibel. Aktuell arbeitet die Band an ihrem zweiten Album, was sich allerdings zeitlich noch etwas hinziehen wird, da Drummer Kostas zur Zeit in Athen wohnt und nur ab und zu zu Besuch nach Lamia kommt. Bandboss Thanos tobt sich währenddessen mit seinem Nebenprojekt LOVING JANE aus, mit mehr Focus auf Psych/Fuzz.

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Die BEGGARS kann man eigentlich nicht nicht klasse finden. Eine Rockband durch und durch, die jede Bühne rockt mit Songs, die einem nicht mehr aus dem Ohr gehen. Man will einfach nur mehr davon! Gegründet 2009 liefern die BEGGARS seit 2011 kontinuierlich großartige Alben ab und irgendwie ist da immer so ein Motörhead-Vibe dabei. Dass die Jungs Rock 'n' Roll leben, beweist auch ihre große Anzahl an Gigs - keine Kneipe/Bühne ist zu klein um abzufeiern. Ob Akustik oder volle Kante, ein Live-Auftritt ist definitiv ein Erlebnis. Also am Besten mal die vielen Youtube-Videos der Band durchhören bzw. durchschauen und sich einfach freuen, dass es diese Truppe gibt. Anspieltipps: 'Devil's Highway', 'Truth', 'Rita', 'Lunatic', 'Not my war'

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Prog:

Auch Prog-Fans werden in Griechenland fündig. Für die größte Furore sorgten dieses Jahr NEED mit ihrem Album „Hegaiamas“. Die 2004 gegründete Band konnte sich vor lobenden Kritiken kaum retten und waren auch ausgiebig mit Evergrey in Europa und USA auf Tour. Weniger bekannt aber nicht weniger stark sind TARDIVE DYSKINESIA, welche mit vier Alben und einer beachtlichen Anzahl an Gigs in Griechenland und Europa aufwarten können. Unter anderem spielten sie 2015 beim Euroblast in Köln. Ihr aktuelles Album „Harmonic Confusion“ besticht durch Melodie, Energie und starkes Songwriting und ist definitiv ihr stärkstes und erwachsenstes Album. Die dritten im starken Prog-Bunde sind POEM. Die Band ließ sieben Jahre seit ihrem Debüt verstreichen, hauptsächlich bedingt durch den häufigen Wechsel von Bandmitgliedern, bis sie letztendlich 2016 „Skein Syndrome“ veröffentlichten, dann folgte eine Tour mit Amorphis und Textures. Der Aufwärtstrend hält an und Ende Februar 2018 werden POEM ihr nächstes Album auf dem Markt bringen und dies auch gleich zum Anlass nehmen, eine Coheadliner-Tour mit Damnations Day durch Europa zu starten. Es sind auch einige Gigs in Deutschland geplant. Wer nicht solange warten will und noch ein paar Tage Resturlaub hat, sollte sich überlegen ein Athen Wochenende im Dezember zu planen. Am 8. Dezember gibt's nämlich „Prog over Athens“ mit NEED, POEM und TARDIVE DYSKINESIA. Also Progger, checkt mal die Flüge!

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Dark Rock/Goth:

Ein sehr feines Album haben die Goth-Rocker OPENED PARADISE letztes Jahr veröffentlicht. „Buried in Rain“ wird nicht nur Goth-Fans gefallen, es ist einfach schön und fühlt sich an, als ob man den unendlichen Nachthimmel über sich spürt, falls das jemand versteht. Und Sänger Periklis' Stimme passt wie Faust aufs Auge. Trotz Nischen-Genre extrem massentauglich! Wirklich ein Top-Album!

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Instrumental-Rock:

Für den aufmerksamen Instrumental-Rock-Hörer sind TUBER bestimmt keine Unbekannten mehr. Die Band aus Serres verdiente sich vor allem mit ihrem Album „Desert Overcrowded“ viele Fans dazu. Das aktuelle Album „Out Of The Blue“ ist eine weitere Stufe auf ihrem Weg nach oben. Genauso hochkarätig ist das aktuelle Album von WE.OWN.THE.SKY „Earths collide“. 'Transmissions of Static' und 'Muzzle' sind Instrumental-Perlen, die auch nach mehrfachem Anhören nichts von ihrer Magie verlieren. Unbedingt auf dem Radar behalten!

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Melodic Doom/Death:

Eine noch recht junge aber sehr zielstrebige Band sind OCEAN OF GRIEF. 2014 von Bassist Giannis und Gitarrist Filippos gegründet, veröffentlichten sie 2016 ihre EP „Fortress Of My Dark Self“. Wer auf Slumber, Enshine und Saturnus steht, wird durchaus Gefallen an dieser Band finden. Das Full-Length-Debüt wird Anfang 2018 von Naturmacht Productions/Rain Without End Records veröffentlicht. Also schonmal die EP checken und auf das Album freuen.

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Alternative/Garage/Stoner:

BREATH AFTER COMA lassen sich schwierig einordnen. Sie wurden schonmal die griechischen Foo Fighters genannt, was insoweit stimmt, als dass die Band ohne Probleme eine große Bühne bei einem großen Festival rocken und die Massen begeistern könnte. Ihre Songs haben Hitpotential (unbedingt 'Duncan Harris' und 'Leaders' anhören, schön laut!) und gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. Das Debüt „Leaders“ ist seit Frühjahr erhältlich und lässt keine Wünsche offen, es ist wirklich sehr abwechslungsreich. Gitarrist und Bandboss Theo hat uns einige Fragen beantwortet.

Was ist deine Vision für BAC?



»Als wir gemeinsam zu jammen begannen, war es in erster Linie ein Ventil um Dampf abzulassen. Nach und nach nahm das Ganze dann Gestalt an und unsere Musik begann, unsere individuellen Charaktere zu einem Ganzen zusammenzufügen, unserem Sound. Unsere Vision ist, uns ständig weiterzuentwickeln und dabei den Sound immer so nah wie möglich an unsere Persönlichkeiten angelehnt zu behalten.«

Was bedeutet die Band für euch?



»Die Band ist eigentlich wie eine Familie. Wir verbringen viel Zeit miteinander und wir teilen Ziele und Leidenschaft. Uns gefällt die Idee eines archetypischen Rock'n'Roll-Rudels, das hinausgeht um die Welt zu treffen.«


Welchen Herausforderungen begegnet ihr?



»Die größte Herausforderung ist, das ursprüngliche Song-Gefühl, den anfänglichen Funken von Inspiration, in die Realität umzusetzen, das ist extrem schwierig. Man beginnt mit einer Idee und bis der Song dann fertig und aufgenommen ist, ist er etwas ganz anderes. Wir wollen diesem Ziel mit jedem Album näher kommen.«


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MAPLERUN sind Alternative-Rocker mit Nu-Metal-Anklängen und schon seit zehn Jahren aktiv. In Griechenland sind die Jungs sehr beliebt und haben sich eine starke Fanbase erarbeitet. Die Band hat auch eine beachtliche Anzahl an Gigs in Griechenland und Resteuropa auf dem Buckel... zuletzt waren sie Support für die Griechenland-Gigs von Blaze Bailey. Das aktuelle Album „Partykrasher“ wurde von David Bottrill produziert und gemixt und kann sich hören lassen. Die Songtexte sind aus dem Leben gegriffen und erzählen entweder persönliche Erfahrungen oder haben eine 'Wake the fuck up!'-Attitüde. Fronter Nicks Antwort auf die Frage nach der Mission seiner Band:

»Unsere Musik auf so viele Bühnen wie möglich bringen und unsere Energie mit denjenigen teilen, die sich positiv von uns und unserer Musik angesprochen fühlen!«

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Heavy Metal:

Und dann gibt's auch noch MAHAKALA, die sich Konzeptalben auf die Fahne geschrieben haben. Seit ihrem Full-Length-Debüt „Devil's Music“ sind vier Jahre und einige Umbesetzungen ins Land gezogen. Aber dieses Jahr sind sie mit „The Second Fall“ wieder vorne mit dabei. Fronter und Bandboss Jim Kotsis hat hierzu ein paar Fragen für uns beantwortet:

Warum habt ihr die Form des Konzeptalbums gewählt?



»Weil ich ein großer Fan von Konzeptalben und konzeptueller Kunst allgemein bin. The Who sind z.B. eine meiner Lieblingsbands, „Quadrophenia“ und „Tommy“ sind Meisterwerke. King Diamond macht auch ausschließlich Konzeptalben und ist einer meiner Lieblingskünstler. Queensryches „Operation: Mindcrime“, Rushs „2112“, W.A.S.P.s „Crimson Idol“ - wie kann man diese großartigen Werke nicht lieben? Außerdem kommt es meiner Art und Weise, wie ich Lyrics schreibe und Musik komponiere, entgegen. Ich finde dies einfacher, als von Thema zu Thema zu hüpfen. Im Laufe des Entstehens fügt sich alles wie ein Puzzle zusammen.«


Die Texte sind im religiösen, mythologischen Bereich angesiedelt. Woher stammt die Faszination hierfür?


»Die teuflische Seite der Religion (und der Menschen allgemein) hat mich schon seit frühester Kindheit fasziniert. Ich glaube das kommt von der einschüchternden Atmosphäre, die benutzt wurde, um die Menschen zu kontrollieren. Ein rachsüchtiger, furchtgebietender Gott und das Konzept, dass man für Sünden in die Hölle kommt, ist schon ziemlich böse. Andererseits geht es ja immer um Balance im Universum. Ohne Böses kein Gutes und umgekehrt. Sine Diabolo, Nullus Dominus.«


Ist Songwriting für dich eine Art Therapie? 


»Natürlich ist es das. Es ist kein Geheimnis: wenn ich musikalisch inaktiv bin, werde ich sehr sehr depressiv. Nur mit Kreativität kann man seine Seele heilen. Für mich ist es Musik, jemand anderer schreibt Romane, malt, betreibt Kampfkunst, etc. Sogar sich in seinem Beruf weiter zu verbessern, auch wenn es kein künstlerisches Betätigungsfeld ist, all das kann Therapie sein. Wir dürfen nie aufhören, weiter zu machen, es ist das was uns am Leben erhält!«

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