Online-MegazineInterview

WITCHBOUND

Die Erben von Lee Tarot

WITCHBOUND

Bevor Harald Spengler alias Lee Tarot, seines Zeichens Gründungsmitglied der „Masters of Black Romantic“ Stormwitch, im Jahr 2013 starb, arbeitete er zusammen mit vier anderen ehemaligen Mitgliedern der Truppe an einem Album. Nach langem hin und her ist nun „Tarot's Legacy“ unter dem WITCHBOUND-Banner erschienen. Wir haben bei Gitarrist Stefan Kauffmann durchgeklingelt, um mit ihm über die Entstehungsgeschichte des Albums, die Entscheidung für Thorsten Lichtner als Sänger und das Verhältnis zur aktuellen Stormwitch-Besetzung zu quatschen.

Hallo Stefan! Erzähl doch zu Anfang, wie es zur Gründung von WITCHBOUND kam!

»Das ist eine längere und etwas traurigere Geschichte. Es war so, dass ich und noch zwei Mitmusiker damals bei Stormwitch mit Harald Spengler (alias Lee Tarot, mb) gespielt haben und danach immer mal wieder Kontakt hatten, jeder aber seiner Wege ging. 2006 haben wir uns auf Haralds Initiative hin getroffen. Er hatte die Idee für ein Album, das zunächst nur als Projekt gedacht war. Harald und ich haben dann ungefähr ein dreiviertel Jahr zusammen Songs geschrieben, da wir ja schon bei Stormwitch zusammen komponiert hatten. Die Aufnahmen haben sich dann immer weiter verzögert, weil Harald mit seinem Studio umziehen musste und er da schon zeitweise krank war.

So richtig glaubte dann keiner mehr daran, dass das nochmal was werden würde, obwohl die Songs schon gut waren. Im April 2013 ist Harald dann verstorben, womit das Projekt vorerst sozusagen begraben war. Im Oktober 2013 hatten wir dann nochmal einen Gig ihm zu Ehren in Giengen an der Brenz, wo sich alle nochmal trafen. Schon im Vorfeld hatten wir darüber gesprochen, dass es ja eigentlich schade wäre, wenn wir das begraben würden.

Da war dann auch schon Martin Winkler (g.) mit im Boot, mit dem ich die ganzen Songs dann nachbearbeitet habe. Dann kamen noch die Tracks dazu, die er und ich geschrieben haben. Als dann klar war, dass wir als Band weitermachen wollten, ging es um den Namen, und da wir ja alle außer Stormwitch nicht viel in unserer Vergangenheit zu bieten haben, war klar, dass wir das mit reinbringen mussten, obwohl wir nicht unbedingt Stormwitch 2 werden wollen. Harald hatte damals die Idee, dass ganze Ravenlord zu nennen, aber der Name war schon besetzt und dann kam irgendwer mit dem Namen WITCHBOUND, den wir alle gut fanden. Aufgenommen haben wir dann bei Martin im Studio und gemixt hat die Platte Achim Köhler, der ja auch schon andere Bands wie z.B. Hammerfall gemixt hat.«

Eure neue Platte heißt „Tarot's Legacy“, tatsächlich sind zwölf der vierzehn Songs auf der Platte von Harald Spengler alias Lee Tarot mitgeschrieben. Wird es bei diesem Vermächtnis bleiben oder seht ihr WITCHBOUND als vollwertige Band, die auch weiter bestehen wird?

»Wir haben auf jeden Fall geplant, die Band weiterzuführen und auch schon Ideen, obwohl Harald natürlich mit seinen Ideen auf dieser Platte sehr präsent ist. Wobei man auch sagen kann, dass ich mit ihm musikalisch viel in die Richtung gemacht habe. Die Texte kamen zwar von ihm, aber musikalisch habe ich mehr beigetragen. Von daher denke ich, dass es in eine ähnliche Richtung gehen wird, und vielleicht bringen die anderen ja auch noch Ideen ein. Wir sind offen und wollen jetzt neben Liveauftritten auch an neuen Songs arbeiten. Von den elf Songs, die ich angesprochen habe, haben es nur neun auf die Platte geschafft, weil die anderen noch nicht ganz fertig waren, aber ansonsten ist jetzt das Erbe von Lee Tarot soweit veröffentlicht und wir denken, dass es ihm gefallen würde.«

Zwei Songs auf der Scheibe hat Martin Winkler im Alleingang verfasst. Sind die Tracks nach dem Tod von Harald entstanden?

»Zum Teil. Er hat ja das Intro zu 'Die Sword In Hand' geschrieben (auf der Platte als 'Wrath Of The Northmen', mb) und 'Stranded'. Die Nummer hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel, ist aber nie richtig veröffentlicht worden. Uns hat das aber sehr gut gefallen, also haben wir das aufgenommen. Das Lied hat auch einen etwas anderen Stil. Martin hat den Song auch eingesungen, genauso wie 'Jester's Day'. Ich glaube, dass wir ein gutes Komponistenteam werden, da ich mich gut mit ihm verstehe. Außerdem hat er einen etwas anderen Stil als Harald, von daher sehen wir mal, was daraus wird.«

In eurem Pressezettel steht, dass zuerst geplant war, das Album von verschiedenen Sängern einsingen zu lassen. War es Thorstens Freundschaft zu Harald, die den Ausschlag gegeben hat, ihn als Sänger zu nehmen? Oder gab es noch andere Gründe?

»Es waren von Haralds Seite mehrere Sänger im Gespräch. Er hat Thorstens ehemalige Coverband One gemischt, daher verstanden sie sich ganz gut. Thorsten war zuerst nur für die härteren Stücke geplant, weil er eine tiefe, raue Stimme hat. Wir hatten dann überlegt, noch jemanden mit einer höheren Stimme zu nehmen oder vielleicht noch eine Frau zu fragen, aber letztendlich waren die Songs schon so weit vorgegeben, dass wir mit zwei Sängern gearbeitet haben. Er passt auch persönlich gut rein in die Band. Er ist ja schon etwas älter – wenn auch nicht so alt wie ich (lacht) – und er bringt einfach schon viel Erfahrung mit. Außerdem hat er von Anfang an Bock auf die Band gehabt und sich gefreut, dass er mit seinen „Jugendidolen“ zusammen Musik machen kann.«


Die Platte ist auf den neugegründeten Label El Puerto-Records erschienen, aufgenommen habt ihr im Studio eures Gitarristen Martin Winkler. Ist diese Do-it-yourself-Attitüde Teil eures Selbstverständnisses, oder war das eher ein notwendiges Übel?

»Teils, teils. Harald hat damals mit verschiedenen Plattenfirmen gesprochen. Bernd Stelzer (Mitbesitzer von El Puerto-Records, mb) ist ein alter Kumpel, der früher zeitweise auch den Stormwitch-Fanclub betrieben hat. Der hatte die Idee, zusammen mit Thorsten Ihlenfeld von Brainstorm eine Plattenfirma zu gründen. Ich hatte durch meine Pause zwischen Stormwitch und WITCHBOUND keine große Ahnung vom Business, wir haben halt den Harald machen lassen. Als Harald dann verstorben war, mussten wir das dann übernehmen. Da haben wir dann hin und her überlegt und uns ein paarmal mit ihnen getroffen. Letztendlich haben wir gesagt: Die fangen gerade neu an, wir fangen neu an, es ist vielleicht ein wenig schwierig, aber wir machen das mit denen. Das hat natürlich alles seine Vor- und Nachteile, aber wir haben Vertrauen in die Jungs und man kann bei so einem kleinen Label vieles persönlich besprechen und ist nicht einer von vielen, dass gab dann den Ausschlag. Wir sind auch bis jetzt sehr zufrieden mit dem Vertrieb.«

Stormwitch spielen eine große Rolle in eurer Bandgeschichte. Besteht noch Kontakt zur aktuellen Stormwitch-Formation? Wie ist das Verhältnis?

»Wir haben ja nach Haralds Tod zusammen mit der aktuellen Stormwitch-Besetzung das Tribute-Konzert gespielt. Wir hatten auch immer wieder Kontakt mit ihnen und haben als Vorbereitung auf das Konzert natürlich gemeinsam geprobt. Ansonsten ist es ein unglücklicher Zufall, dass beide Platten jetzt im Abstand von drei oder vier Monaten erschienen sind. Das war nicht so geplant, wir wollten die Platte ja eigentlich schon 2007 veröffentlichen und bei Stormwitch hat sich die Veröffentlichung der letzten Platte auch etwas hinausgezögert, aber so ist es nun mal. Ich würde vielleicht lügen, wenn ich sagen würde, dass wir Stormwitch nicht als gewisse Konkurrenz sehen, aber wir waren jetzt auch erst auf einem Konzert von den Jungs und haben gelabert. Wir versuchen, dass partnerschaftlich zu regeln und jeder soll seinen Erfolg bekommen. Aber es ist natürlich nicht zu verhindern, dass Fans die beiden Gruppen vergleichen.
Wir können die Vergangenheit nicht unter den Tisch kehren, und wenn man die Platte hört, ist es schon ein bisschen anders, aber es sind Parallelen gerade zu den alten Stormwitch da, was natürlich am Komponisten-Duo liegt. Wir wollen gut miteinander auskommen, und ich hätte absolut kein Problem damit, zusammen auf einem Festival zu spielen. Ich würde mir wünschen, dass es nicht als Konkurrenzbetrieb gesehen wird, aber die Vergleiche lassen sich nicht verhindern. Wir spielen natürlich, gerade bei Headliner-Gigs ein paar Stormwitch-Songs, aber die werden wohl mit neuem Material weniger.«

Wie ist der Kontakt mit Oscar Dronjak, der auf 'Keep The Pyre Burning' ein Solo beigesteuert hat, zustande gekommen?

»Wir hatten eigentlich keinen persönlichen Kontakt außer über Achim Köhler, bei dem sie mal Platten haben mischen lassen. Wir haben uns gemeinsam überlegt, dass das doch ein guter Gag wäre, weil wir ja ursprünglich viele Gasteinlagen geplant hatten. Das hat sich durch die Entscheidung, eine richtige Band zu machen dann erübrigt, aber trotzdem fanden wir das gut und ehrlich gesagt ist das ja auch gute Werbung, wenn man ihn da gewinnen könnte. Martin hat ihn dann angeschrieben, Oscar hat tatsächlich geantwortet und Bock, das zu machen. Er ist zwar nicht hergekommen, aber so etwas geht ja heute alles online und über Dateien. Wir haben ihm die Scheibe auch geschickt und ihm gefällt sie wohl sehr gut. Ich treffe ihn wahrscheinlich auf „Rock am Herzfeldsee“ hier bei uns in der Gegend. Wir haben ihm auch ein T-Shirt geschickt, da meinte er „I wear it with pride!“. Ich glaube ihm das eigentlich schon, er zählt Stormwitch ja zu seinen Einflüssen. Die Zusammenarbeit hat uns auf jeden Fall gefreut!«

Gerade hast du schon kurz über Konzertplanungen gesprochen. Wann darf man auch live mit euch rechnen?

»Wir haben zuerst ein paar Termine bei uns im Gespräch, aber solange die noch nicht fix sind, möchte ich natürlich nichts bekannt geben. Wir möchten auf jeden Fall dieses Jahr noch irgendwo unterkommen, zum Beispiel bei Festivals. Ob und wie es mit einer Tournee klappt, müssen wir noch sehen. Für die diesjährige Festivalsaison sind wir mit unserer Veröffentlichung eigentlich schon zu spät gewesen, deswegen wird das erst nächstes Jahr richtig anlaufen, aber wir haben natürlich Bock darauf live zu spielen und die Band bekannter zu machen. Wir sind auf jeden Fall dran und hoffen, dass wir bald Termine veröffentlichen können.«

 

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