Online-MegazineInterview

LUNA SOL

Die Energie des Mondes


LUNA SOL

LUNA SOL aus Denver, Colorado sind nicht irgendeine Stoner-Rock-Band. Mastermind David Angstrom spielt mit Kyuss-Fronter John Garcia bei Hermano und hat sich mit drei weiteren Musikern/Musikerinnen zusammengetan und unter dem Namen LUNA SOL das Debüt „Blood Moon“ veröffentlicht. Im Interview erzählt David, was ihn an Bergen so begeistert und warum „Blood Moon“ ein Tritt in Richtung des Bibelgürtels ist.

David, welche Geschichte steckt hinter dem Bandname LUNA SOL?

»Wow, daran erinnere ich mich kaum, an dem Abend floss sehr viel Alkohol (lacht). Ich mag die Energie des Mondes. Als ich von Kentucky nach Colorado zog, konnte ich plötzlich die Sonne und den Mond häufiger sehen, weil die Wolken sie nicht mehr verdeckten. Morgens stehe ich immer sehr früh auf, um vor der Arbeit noch schreiben zu können und nach der Arbeit gehe ich mit meinem Hund für einen langen Spaziergang in die Natur. Es ist schön, den Mond jede Nacht so klar sehen zu können. Der Name sollte etwas damit zu tun haben. Außerdem wollte ich die Gegensätze einer Persönlichkeit darstellen. Deshalb kam zu Luna eben noch Sol. Ich fand das cool.«

Was ist der Unterschied zwischen LUNA SOL und deinen anderen Projekten wie Hermano?

»Ich bin es anders angegangen. Ich wollte immer in einer Band sein. Das ist eines der Dinge, das ich an Hermano so liebe: Letzte Woche hingen wir einfach hier rum, haben ein bisschen aufgenommen, Zeit miteinander verbracht und viel Spaß gehabt. Ich interessiere mich nicht so für dieses Rock 'n' Roll-Dasein, ich hänge lieber mit den anderen ab. 
Als ich mit meiner Frau nach Colorado gezogen war und das Studio in unserem neuen Haus baute, fragte sie mich: „Wie wäre es denn, wenn du ein Projekt starten würdest, das sich langsam mit dir zusammen entwickelt? Das du an den verschiedenen Stadien deines Lebens festmachen kannst?“ Einen Versuch war es wert, also stellte ich eine Anzeige ins Internet, ließ allerdings unerwähnt, dass ich bei Hermano spiele. Das Projekt sollte einfach nicht auf einem anderen aufgebaut sein. Im Endeffekt lernte ich viele Leute durch meine Frau kennen. Der Unterschied zwischen den Projekten ist jedenfalls, dass ich bei LUNA SOL machen kann, was ich möchte. Wenn es den anderen nicht gefällt: kein Problem. Am Ende des Tages möchte ich mit etwas meine Zeit verbringen, das mich glücklich macht. LUNA SOL sollte niemals eine große Band werden, ich wollte nur Leute finden, mit denen ich Musik machen kann.«

Du wirst immer als „Mastermind“ hinter LUNA SOL bezeichnet. Wodurch lässt du dich immer wieder inspirieren?

»Ich würde sagen durch Freunde, Familie, meinen Hund, das Leben. Das Älterwerden und Musik einfach um der Musik willen zu spielen. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich Pat, Shanda und Shannon getroffen habe. Außerdem inspiriert mich Colorado, die Landschaft unterscheidet sich sehr von der in Kentucky. Innerhalb von fünf Minuten steht man neben hohen Bergen, dann wieder fährt man durch Geisterstädte. Viele Menschen denken bei Colorado ans Skifahren, aber ich sehe die Dekadenz und den Zerfall des alten Westens.«

Songs wie 'Death Mountain', 'Leadville' und 'Standley Lake' klingen wie eine Art Märchen über die Berge und das Leben in den Bergen. Was fasziniert dich an Bergen?

»Ich kannte Berge bisher nicht wirklich. Auf Reisen hatte ich natürlich schon Berge gesehen, Kentucky besteht aber größtenteils aus flachem Land. Für mich ist das eine ganz neue Landschaft, so friedlich. Ich mag es sehr, mich mit einer guten CD ins Auto zu setzen, zehn Minuten zu fahren und dann mitten in den Bergen zu stehen. Der Unterschied zu der Landschaft, in der ich aufgewachsen bin, ist sehr inspirierend.«

Das kann ich verstehen. Ich bin selbst eben erst aus der Stadt in ein Weingebiet gezogen. Es ist schön ruhig, aber auch voll mit alten Menschen.

»Wir haben uns auch bei den Nachbarn mit den Worten: „Hallo, wir haben Tattoos und sehen vielleicht etwas wild aus. Das sind wir aber nicht!“ vorgestellt. Sie antworteten nur: „Ach wie schön, auch mal Kids in der Straße zu haben!“
Aber was du sagst, ist richtig, es ist sehr ruhig. Ich bin es nicht gewohnt an einem Fluss oder einem Berg zu sitzen und die Stille genießen zu können.«

Von der Ruhe zu etwas anderem: Was kannst du mir über die Entstehung des Anti-Kriegs-Songs 'Your War' sagen?

»Ich schrieb den Song, als ich noch in Kentucky wohnte. Die Nachrichten und Zeitungen waren voll mit Berichten über Militärangriffe und Tote. Als mein Sohn um die drei Jahre alt war, hörten wir System Of A Down. Danach fragte mein Sohn seinen Großvater: „Gramps, why do they always send the poor?“ (eine Zeile aus dem SOAD-Song 'B.Y.O.B.' - bm) Mein Vater fragte nach: „Wohin?“ Und mein Sohn antwortete: „In den Krieg.“ Es verstörte mich, dass mein Sohn in diesem Alter schon so viel vom Krieg mitbekommen hat. Diese Ignoranz und Begierde der Oberhäupter. Die politisch Interessierten hier in Amerika kriegen vielleicht viel mit. Aber wir anderen merken erst, was abgeht, wenn wieder etwas Tragisches passiert. Es ist schlimm, dass ältere Politiker so einfach das Leben der Jüngeren opfern.«

Hast du deinen Kindern dieses Song auch vorgespielt?

»Ja, aber unser Geschmack ist mittlerweile sehr unterschiedlich. Sie schauen sich Musik im Fernsehen an und ich bin ein Niemand. Ich spielte es ihnen trotzdem vor und meine Tochter meinte: „Klingt gut ...“, aber eigentlich hört sie lieber Marina And The Diamonds. Sie sagte auch mal zu mir: „Es ist cool, mach einfach das, was du liebst.“«

Euer Album heißt „Blood Moon“, warum genau dieser Titel?

»Während der Arbeit an dem Album ging ich sehr oft nachts mit meinem Hund spazieren und konnte immer den Verlauf des Mondes und einige Blutmonde beobachten. Dann recherchierte ich im Internet und fand heraus, dass die Leute im Bibelgürtel, in dem ich auch aufgewachsen bin, sich extrem vor dem Blutmond fürchten. Sie glauben nämlich, dass er die Apokalypse ankündigt. Der Titel ist also auch ein kleiner Seitenhieb an diesen Glauben. Ja, wir kommen alle in die Hölle.«

Das Albumcover zeigt einen Blutmond, im Vordergrund sieht man allerdings eine Frau. Was hat es mit der auf sich?

»Frauen wirken auf Bildern immer sehr stark, elegant und klassisch. Für das Cover-Artwork wollten wir uns einen Künstler dazu holen. Eine Freundin von mir, Christel Perkins, ist Tätowiererin in Denver. Sie fragte, was wir haben wollen und ich sagte nur: „Ich finde Raben ziemlich cool. Deine Porträts sind auch schön… Mach, was du meinst.“ Innerhalb von einem Wochenende war sie fertig. Es ist als Cover schon sehr schön, aber ihr eigentlicher Entwurf ist auf Holz gemalt. Wir sind sehr froh, dass sie mit uns zusammengearbeitet hat.«

Ihr spielt im September mit Black Stone Cherry, sind noch andere Konzerte geplant?

»Es gibt sehr viele E-Mails deswegen, unterschrieben ist noch nichts. Wenn sich etwas ergibt, würde es mich natürlich freuen, nach Europa zu kommen und allen LUNA SOL zu präsentieren. Trotzdem soll aus diesem Projekt nichts anderes als Spaß werden. Sobald man sich ums Touren und um Aufträge Gedanken macht, geht die Seele der Band verloren. Und ich möchte, dass es nur um die Musik geht.«

 

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Pic: Colin Farrell (Promo)