Online-MegazineInterview

HAMMERCULT

Botschafter des Metal

HAMMERCULT

Die Israelis von HAMMERCULT haben mit „Steelcrusher“ zum wiederholten Male eine starke Scheibe veröffentlicht. Teilweise wird der Band sogar attestiert, das nächste große Ding im Thrash Metal zu sein. Grund genug, Frontmann Yakir Shochat zum Gespräch zu bitten und mit ihm über das neue Album, die Szene an sich und Wacken zu plaudern. Yakir zeigt sich dabei sowohl selbstbewusst als auch überrascht von den positiven Kritiken, die „Steelcrusher“ bislang eingefahren hat.

Yakir, habt ihr mit einer solch positiven Reaktion auf „Steelcrusher“ gerechnet?

»Lass mich erst einmal danke sagen. Es freut uns sehr, dass Rock Hard unser Album gefällt und ihr ein Feature über die Band bringt. Uns erreichen jeden Tag positive Feedbacks zu der Platte, was uns froh und auch stolz macht. Viele Leute haben sich sogar dahingehend geäußert, dass „Steelcrusher“ wohl eines der besten Alben 2014 sein könnte. Das ist ein großartiges Gefühl und wir genießen momentan jede Minute.«

Wann war für euch klar, dass „Steelcrusher“ ein besonderes Album werden würde?

»Ich denke, dass jeder Künstler, der ein Album aufnimmt, auch davon überzeugt sein sollte, starkes Material zu haben. Zumindest sollte das vorherrschende Gefühl vor den Recordings positiv sein (lacht). Falls das nicht der Fall ist, wäre es vielleicht klug, die ganze Sache noch einmal zu überdenken und kein mittelmäßiges Album zu veröffentlichen, das lediglich dazu dient den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das ist Bullshit. Wenn Künstler Kompromisse bezüglich ihrer Musik eingehen, gehen sie auch in Bezug auf ihre Fans Kompromisse ein. In einem solchen Fall gebührt dir nicht mehr als ein großes „Fuck You!“. So etwas wird es bei HAMMERCULT nicht geben. Niemals. Kommt ein Stück nicht über den Status eines Lückenfüller heraus, kannst du gleich das ganze Projekt vergessen. Wenn du aber keine Kompromisse eingehst, fokussiert bist und eine genaue Vorstellung von deiner Musik hast, dann kannst du auch ein starkes Album aufnehmen.«



„Steelcrusher“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album, was sich nicht nur im Riffing, sondern auch in deiner Performance niederschlägt. Zudem klingt das Album nicht zwingend nach dem Vorgänger. Stagnation darf man von euch also nicht erwarten. Wie weit könnt ihr mit der Verschmelzung verschiedener Stile gehen, ohne dass die Fans es euch übel nehmen?

»Das ist eine sehr gute Frage. Unser Debütalbum „Anthems Of The Damned“ hat für einigen Tumult im Underground gesorgt und wurde von vielen als eines der brutalsten Thrash-Metal-Alben aller Zeiten bezeichnet. Das Album hat nicht nur hinsichtlich seiner aggressiven und brutalen Form des Thrash Metal ein Zeichen in der Szene gesetzt. Bei den Fans haben wir anscheinend einen guten Eindruck hinterlassen, was uns viel bedeutet. Mit „Steelcrusher“ wollen wir das, was wir auf dem Debüt begonnen haben, fortführen. Auf der anderen Seite sollten einige Parts noch abwechslungsreicher gestaltet werden, ohne dabei unseren typischen Stil zu verlieren. Genau darin liegt das Geheimnis. Du musst als Band zu dir selbst stehen, denn es gibt eine dünne Linie zwischen dem, was dich bekannt gemacht hat und einer Entwicklung, die einen Ausverkauf bedeuten und die Fans verärgern würde.
Ich hasse es, wenn Bands von einem zum nächsten Album ihren Stil ändern und ihre Fans ficken, nur um ein paar mehr Kröten zu verdienen. Das läuft bei uns nicht. „Steelcrusher“ klingt zwar etwas polierter, ist aber - obwohl ich unser Debütalbum liebe - das bessere Album. Es finden sich mehr Melodien auf der Platte, der Zugang zum Thrash ist intensiver und es gibt auch einige Hardcore-Elemente in den Songs. Das alles hält das wahre Metal-Gefühl intakt.«



„Steelcrusher“ spielt mit den verschiedensten Einflüssen aus anderen Genres, wirkt dabei aber zu keinem Zeitpunkt konstruiert. Muss sich Thrash Metal heute anderen Einflüssen öffnen, um auch in Zukunft im Metal eine Rolle zu spielen?

»Nein, das denke ich nicht. Thrash kann ruhig so bleiben, wie er ist. Es gibt Bands, die sich ziemlich nah am Sound der Klassiker befinden, und es gibt Bands wie HAMMERCULT, die den ursprünglichen Gedanken des Thrash leicht modifizieren. Ich glaube, wenn es gut klingt, ist es das auch, und wenn du mit deiner Band gut genug bist, wirst du auch Aufmerksamkeit bekommen. Selbst, wenn man nur eine kleine Fanschar im Underground erreicht.«

Ihr werdet in einem Statement zitiert, dass Thrash Metal heute extrem und ultrahart sein muss. Wie kommt ihr darauf? War er das nicht schon immer?

»Thrash Metal hat sich Anfang der Achtziger entwickelt, um eine extreme Alternative zu den damals gängigen Stilen zu sein. Seitdem sind über dreißig Jahre vergangen und es haben sich andere Stile entwickelt und etabliert, die ihrerseits extremer sind als Thrash. Es ist also nur natürlich, dass sich auch der Thrash Metal weiterentwickeln muss. HAMMERCULT bieten eine Alternative zum traditionellen Thrash an. Wir addieren zu unserem Basis-Sound noch Elemente aus dem Death- und Black-Metal, sowie Versatzstücke aus Punk und Hardcore. Diese Melange ergibt die Einzigartigkeit von HAMMERCULT. Unser Antrieb ist der Spirit des wahren Metal, der uns hilft Thrash Metal auf das nächste Level zu heben und ein extremes Metal-Chaos zu initiieren. Warum unsere Musik so extrem ist? Kannst du dich an die Zeit erinnern, als Metal noch ein knallharter Typ war? Wir bringen diese Zeit zurück.«

Wie hat sich der Gewinn des 2011er „Wacken Metal Battle“ für euch ausgewirkt?

»Wir haben durch diesen Gewinn das erste Mal ein wirkliches mediales Echo bekommen. Der „Wacken Metal Battle“ war die Abschussrampe für unsere musikalische Karriere. Wir haben an dem Tag erst unsere achte Show gespielt und waren in dieser Konstellation eine noch sehr junge Band. Wenn man bedenkt, dass wir seitdem zwischen 120 und 130 Konzerte gespielt haben, kommt es einem so vor, als wäre das schon eine Ewigkeit her. Wacken wird immer einen Platz in meinem Herzen haben.«

Wie stehst du generell zu Wacken? Gerade hier in Deutschland ist das Festival sehr umstritten und wird von Teilen der Szene als Karnevalsveranstaltung abgetan.

»Wacken ist Karneval. Ich denke aber nicht, dass das eine schlechte Sache ist. Ist Wacken vor allem ein Metalfestival? Ja. Gibt es dort andere Attraktionen zu sehen? Ja, und das ist cool. Es gibt viele Besucher, die diese Attraktionen mögen. Für diese Fans ist Wacken eine Erfahrung, die sich ihnen auf anderen Metalfestivals nicht bietet. Womit ich natürlich nicht sagen möchte, dass es keine anderen geilen Festivals im Metalbereich gibt. Natürlich finden viele große, erfolgreiche und respektierte Festivals statt, die zu einhundert Prozent auf die Musik an sich ausgelegt sind und diese Vielfalt ist großartig. Man könnte Metal auch mit Wodka vergleichen. Manche mögen ihn am liebsten pur, andere lieber in Verbindung mit anderen Zutaten als Longdrink. Für jeden ist etwas dabei, das macht den Metal so großartig.«

Andreas Marschall hat euch ein schönes Artwork erstellt. Wie ist es euch denn gelungen ihn für euer Album zu gewinnen?

»Zunächst muss ich sagen, dass Andreas Marschall ein toller Künstler ist, und ich die Ehre hatte für das „Steelcrusher“-Album mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich weiß, dass er schon länger keine Cover für Metalalben gemacht hat, weshalb ich sehr stolz bin, dass er für HAMMERCULT das „Steelcrusher“ Artwork angefertigt hat. Der Mann hat so viele Cover gezeichnet, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich habe die Alben gekauft und nicht nur der Musik gelauscht, sondern auch immer die Cover untersucht. Ich weiß noch genau, wie fasziniert ich von seinem Talent war. Wir haben ihn kontaktiert und ihn zunächst gebeten die Musik zu hören und sich ein Bild von unserem Konzept zu machen. Andreas ist ein Mensch, der sehr beschäftigt ist und wir wollten im Vorfeld ausloten, ob wir arbeitstechnisch zusammen passen würden. Während wir uns unterhielten, hat es ‚klick‘ gemacht und wir haben wunderbar zusammen gearbeitet. Der ganze Prozess war sehr geschmeidig und natürlich. Ich bin davon auch heute noch sehr beeindruckt.«

Der Krieger auf dem Cover zeigt seiner Kontrahentin den Mittelfinger. Ist das Bild auch als Metapher an eure Kritiker zu sehen?

»Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen (lacht). Aber es geht um wesentlich mehr. Tagtäglich versuchen Mitmenschen, Gefühle, das Leben an sich dich runterzuziehen oder zu schikanieren. Meine Meinung dazu ist: Ihr könnt mich alle mal! Man muss sich wehren, die negativen Gefühle vertreiben! Zeig es all diesen Leuten, steckt der ganzen Welt den Mittelfinger entgegen und schickt ihnen ein riesiges „Fuck you!“ - genauso wie es auf dem „Steelcrusher“-Cover zu sehen ist. Das ist es, worum es geht. Wenn sich jemand zwischen dich und deine Träume stellt, sag ihnen, dass sie sich selbst ficken können - und dann zeig ihnen wo der Hammer hängt!«

Ihr habt mit SPV ein ziemlich starkes Label im Rücken. Was versprecht ihr euch von dem Deal?

»Wir sind natürlich sehr glücklich, dass wir ein Teil der SPV-Familie geworden sind und ich habe das Gefühl, dass SPV genau das richtige Label für HAMMERCULT sind. Die Kombination aus einem starken Album und einer großartigen Plattenfirma wie SPV, erlaubt beiden Seiten voneinander zu profitieren. Durch SPV haben viele Fans weltweit die Chance zum ersten Mal in Kontakt mit HAMMERCULT zu kommen. Anders ausgedrückt: Ein starkes Album braucht eine starke Plattenfirma.«

Ihr seid sehr oft auf Tour und schreibt euer Material dadurch fast zwangsläufig während dieser Tourneen. War das kein Problem für euch?

»Großartige Frage. HAMMERCULT sind eine Live-Band, die das tut, was sie am besten kann. Wenn wir nicht mehr auftreten könnten, wäre die Konsequenz die Band aufzulösen. Das Material für „Steelcrusher“ zu schreiben, sowie das Album aufzunehmen, war eine verrückte Zeit, da wir die ganze Tour als Support von Sepultura in Europa mitgefahren sind. Das heißt, du bist immer unterwegs und hast nicht allzu viel Zeit neues Material zu schreiben. Die Tour war im April und Mai, die Aufnahmen für Juli/August angesetzt, so dass wir Vollgas geben mussten, um gut vorbereitet zu sein. Wir hatten nicht wirklich viel freie Zeit (lacht). Damit aber nicht genug, denn im Sommer ist bekanntlich Festivalsaison. Also mussten wir die Aufnahmen unterbrechen, um beispielsweise auf dem Summer Breeze und dem Metaldays-Festival in Slowenien spielen zu können. Wir waren also den einen Tag im Studio, um uns am folgenden Tag in einem Flieger zu den Festivalshows wieder zu finden. Wir konnten uns während dieser Zeit keinen Lenz schieben (lacht). Das war es aber wert, weil uns das Touren die Kraft und Inspiration gegeben hat, neue Musik zu kreieren.«

Sehr viele kreative und einzigartige Bands kommen aus Israel. Denkt ihr, dass diese Kreativität ein Kanal ist, die immer drohende Gefahr von Terror und Krieg für eine Weile zu vergessen?

»Ja. Ich denke, dass Kunst auch immer ein Fluchtweg von dem sein kann, das uns in der Realität schaden könnte. Dabei spielt es keine Rolle aus welchem Land du kommst, wie alt du bist, oder ob du für diese Flucht Musik, Gemälde oder Literatur wählst - das entscheidet jeder für sich. Genau dafür ist Kunst da.« 

Der Staat Israel wird seit seiner Gründung 1948 fortlaufend von Krisen geschüttelt. Seht ihr HAMMERCULT in gewisser Weise auch als Botschafter eures Landes und der israelischen Kultur?

»Nein. Verblüffend, oder (lacht)? Unser Job ist es Musik zu machen und musikalisch werden wir nicht von der israelischen Musikkultur beeinflusst. Unser Stil ist, wenn überhaupt, eher deutsch. Das haben uns schon viele Leute gesagt. Und von unserer Nationalität her? Ja, man könnte sagen, dass wir eine Art Botschafter sind, weil wir eine der wenigen israelischen Bands sind, die weltweit aktiv sind. Aber musikalisch? Wir sind Botschafter des Metal und seiner Kultur.«

Wie siehst du die Metalszene im Allgemeinen? Ist es durch das Internet und der damit zusammenhängenden Informationsflut heute schwieriger für Bands Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?

»Das ist eine interessante Frage. Es ist für gute Bands heute schwieriger Aufmerksamkeit zu erregen, weil es im Internet auch viel Müll gibt und man leicht den Überblick verliert. Anders sieht es aus, wenn man ein fettes Budget zur Verfügung hat. Das ist bei uns nicht der Fall (lacht). Wie auch immer. Ich denke, wenn sie gut ist, bekommt die Musik auch Aufmerksamkeit. Zumindest ein wenig von dem, was sie verdient. Metaller machen verdammt gute Musik, und manchmal hat man Glück, dass die gute alte Mundpropaganda noch funktioniert. Und es gibt ja auch noch die Konzerte, bei denen man als Band für sich werben kann. Ich denke aber, dass es heute sehr viel schwerer für eine Band ist. Das ist aber in Ordnung, denn das Leben ist einfach zu kurz, um sich schlechte Musik anzuhören.«

 

 

www.facebook.com/hammercult/
http://www.hammercult.com/

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

MUNICIPAL WASTE + HAMMERCULT + TRACER25.06.2016Berlin, Bi NuuHELLFIRE FESTTickets
ASPHYX + HAMMERCULT + DESTRUCTION + DEATHSTORM + ARROGANZ + XICUTION + ENTER TRAGEDY + BIONIC ANGEL13.01.2017
bis
14.01.2017
Berlin, SlaughterhouseROTTEN AND POOR STAGE KILL FESTIVALTickets
HAMMERCULT28.04.2017BerlinSlaughterhouseTickets