Online-MegazineInterview

OBLITERATION

Bösartig und krank

OBLITERATION

Während die meisten Bands Interviews auf Tour allenfalls in Telegramm-Manier abspulen, nimmt sich OBLITERATION-Fronter Sindre Solem reichlich Zeit, nicht nur um das neue Album „Black Death Horizons“ anzupreisen. Deshalb findet ihr hier noch eine Online-Ergänzung zum Interview aus Rock Hard Vol. 320.

Drittes Album, drittes Label. Treibt ihr alle Partner in den Bankrott?

»Hätten sie Tyrant Syndicate nicht geschlossen, wären wir wohl immer noch dort unter Vertrag. Shit happens. Wir verlangen von einem Label, dieselben Anstrengungen zu investieren, die wir in die Musik legen und ich möchte betonen, dass wir noch nie gefeuert wurden. Indie können einfach mehr für uns erreichen als Fysisk Format, aber wir haben sie nicht im Streit verlassen. Den US-Lizenzdeal habe ich selbst eintüten können, weil ich Eli und Bob vom Label schon länger persönlich kenne. Ich bin sehr glücklich, dass sie diese Aufgabe übernommen haben, da sie wirklich tolle Arbeit leisten.«

Nach der recht abgeschmackten Slayer-Interpretation auf dem 2004er Demo wurden eure Coverversionen von der Auswahl her schrittweise origineller. Dr. Shrinker war schon eine exquisite Wahl, jetzt kommen auf der aktuellen „Goat Skull Crown“-Single eure Versionen von 'Devils's Pig' und 'Reincarnation' dazu. Was bedeuten euch Von und Necrophagia?

»Das ist einfach eine natürliche Entwicklung. Wir haben Songs ausgewählt, die uns inspiriert haben und von denen wir eine hochwertige Interpretation abliefern konnten. Die beiden Originalsongs haben extrem verschiedene Bedeutungen für uns, aber mir gefällt der Gedanke, dass „Black Death Horizons“ von einem Ort irgendwo in der Mitte davon stammt. Die bösartige Atmosphäre bei Von und der kranke Vibe von Necrophagia stehen bei uns hoch im Kurs.«

Dark Funeral coverten Von schon Mitte der 1990er auf „The Secrets Of The Black Arts“, als keine Sau die Band kannte. Mittlerweile wurden deren Demos zigfach gebootlegt und es gibt eine ganze Reihe offizieller aktueller Veröffentlichungen, wenn auch nicht mehr in Originalbesetzung.

»Ich verehre nur das „Satanic Blood“-Demo, alles andere seither spricht mich nicht an. Die Magie dieser speziellen Aufnahme wird allerdings immer leben.«

Necrophagia hätten als Pioniere mit einer eigenen musikalischen Vision, einem individuellen Image und dem Mut zu Experimenten den Erfolg verdient gehabt. 'Reincarnation' hat beinahe 30 Jahre auf dem Buckel. Sind sie ein Vorbild in Sachen Durchhaltewillen für euch?

»So habe ich es noch gar nicht betrachtet. Auch hier stehe ich eigentlich nur auf „Season Of The Dead“ und habe mich nie wirklich um das Drumherum gekümmert. Da waren Autopsy, Darkthrone und Bathory viel wichtiger. Aber in erster Linie ziehen wir unser Ding durch.«

Du hast bereits erwähnt, dass eure Landsleute Vomit für deine musikalische Sozialisation unbedeutend waren. 'Baptized In Vomit' von „Total Fucking Obliteration“ ist also kein Tribut an sie?

»Haha, an den Song hab ich seit Jahren nicht gedacht! Aber ich bezweifle, dass es da irgendeinen Zusammenhang gibt.«

Eure US-Partner bezeichnen das neue Album als sicheren Kauf für Freunde von Autopsy und Dismember. Ersteres ist nachvollziehbar, aber Dismember erschließen sich als Vergleich nicht wirklich...

»Dem muss ich beipflichten. Wenn es um schwedische Bands geht, waren Obscurity, Bathory, Nihilist und Treblinka wesentlich wichtiger für uns.«

Gehören eure Split-Partner von der „Oslo We Rot“-Doppelsingle - Diskord, Lobotomized und Execration - zur Kolbotn Thrasher Union? Sind Xecutioner und Obituary, denen das Cover überdeutlich huldigt, eure Helden?

»Gemocht haben wir sie immer, aber sie sind kein musikalischer Haupteinfluss. Da kommen Autopsy und die Vader-Demos weit früher. Keine Ahnung, wie wir auf den Single-Titel kamen, das war wohl eine Gemeinschaftsentwicklung. Unser Drummer Kristian hat auch jenes Cover gemalt. Die Bands kommen aus Oslo und Umgebung und gehören zu Union. Die gedeiht auch weiterhin, da erwarten uns noch aufregende Dinge.«

Wie viele der 500 Vinyl-Exemplare von „Goat Horn Skull“, die am Tag eures Festivalauftritts veröffentlicht wurde, habt ihr auf dem Beyond The Gates absetzen können?

»Das Festival war eine prächtige Veranstaltung - Venom, Necros Christos, Drowned, Magla und viele mehr spielten umwerfend. Keine Ahnung, wie viele der Singles da über den Tresen gingen, aber es waren viele. Der Titelsong ist mit der Albumversion identisch und über die bereits diskutierten B-Seiten hinaus haben wir keine weiteren Songs aufgenommen. Unser Zeitrahmen war eng gesteckt, wir mussten also zügig aufnehmen und abmischen.«

Ihr hattet vor Monaten auch eine Show mit Repulsion. Ist „Horrified“ auch ein wichtiger Begleiter, auch wenn euer eigenes Material wesentlich verspielter ist?

»Sie haben uns auf jeden Fall sehr inspiriert und ich habe auch ein Repulsion-Tattoo. Aber wie alle anderen Einflüsse auch definieren sie uns keineswegs.«

Auf dem letzten Album hattet ihr Chris Piss von Repugnant als Gastmusiker...

»Nein, das ist der falsche Chris Piss. Der in unserem Fall ist von den bereits erwähnten Lobotomized (dort als Bowel Ripper bekannt – Anm. d. Verf.). Aber ich stehe mit Johan, alias Sid E. Burns, in Kontakt, der bei Repugnant spielte. Dieses Mal haben uns Luctus von One Tail, One Head und Mare geholfen, der einen Vers in 'Goat Horn Skull' singt.«

In dem Song sind auch einige klagende Klargesänge und hysterische Schreie zu hören.

»So etwas kommt ganz spontan, bei 'The Worm That Gnaws In The Night' auf dem letzten Album hatten wir ähnliches.«

Zudem hat Dirge Rep (u.a. ex-Gehenna) den Text zu 'Sepulchral Rites' beigesteuert.

»Das war eine neue Erfahrung für uns, aber vielleicht haben wir in Zukunft öfter Gasttexter. Ich hatte ihn darauf angesprochen und er hat gerne zugesagt. Dirge hat einen bestechenden Verstand.«

Auf „Necropsalms“ wurden die Texte nicht abgedruckt und durch kurze Slogans ersetzt.

»Bei „Black Death Horizons“ werden sie abgedruckt sein, allerdings in Kristians psycho-okkulter Handschrift.«

Wenn ihr euer Studio DIY nennt, ist es wohl eher für den Hausgebrauch, als für andere Bands verfügbar, oder?

»Viel Equipment haben wir nicht, aber ein analoges Mischpult und einige Kompressoren. Früher war es im Keller von Nekromantheon-Drummer Kicks Eltern, jetzt haben wir es in unserem Proberaum. Da wir alles selbst machen, haben wir uns für DIY entschieden.«

Nach der Welle orthodoxer Black-Metal-Bands gab es zuletzt eine vergleichbare Entwicklung im Death Metal. Fühlt ihr euch mit Venenum, Tribulation und Degial verbunden?

»In den letzten Jahren ist der Death Metal dunkler und atmosphärischer geworden, was ich begrüße. Ich fühle Gemeinsamkeiten mit diesen Bands, aber wir gehören dieser Bewegung nicht komplett an. OBLITERATION haben mehrere Dimensionen, was uns außen vor lässt.«

Ihr beantwortet das Interview von der gerade gestarteten Tour mit Degial und Dethronation. Was erwartet ihr davon – Chaos und Delirium?

»Chaos zumindest während der Shows – und jede Menge starke Musik. Für uns ist es wichtig, dass wir gute Shows abliefern, also werden wir versuchen, uns zu benehmen. Wir teilen uns einen Van mit Degial und pennen in Hostels, den Clubs oder auch privaten Schlafgelegenheiten.«

Hinter Killtown Bookings steht der Veranstalter des Killtown Deathfest in Dänemark. Heißt das für die nächsten zwei Wochen Fleischverzicht?

»Hoffentlich nicht, haha. Aber gutes vegetarisches Essen ist auch nicht verkehrt.«

 

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