Online-MegazineInterview

ECLIPSE

Alt und legendär

ECLIPSE

Ein neues W.E.T.-Album harrt bereits seiner Veröffentlichung, doch derzeit konzentriert sich Sänger, Gitarrist und Songwriter Erik Martensson vollständig auf ECLIPSE und deren neues Hammeralbum „Bleed & Scream“. Wer diesem edlen Hardrock-Monument mit leichten Melodic-Metal-Geschmacksnuancen bereits verfallen ist, sollte sich schnell noch die Ausgabe # 95 des Sweden-Rocks-Magazins sichern: Die dort enthaltene Single zum Titelsong im Gatefold-Cardboard enthält mit ´Come Hell Or High Water´ und ´Into The Fire´ zwei anderweitig nicht erhältliche Tracks aus den Albumsessions.

Genug der Fremdwerbung. Wen habt ihr für die teilweise sehr bombastischen Chöre auf dem Album ins Studio eingeladen?

»Die Backingvocals stammen alle von mir. Ich habe das jetzt auf so vielen Alben gemacht – unter anderem dem letzten von Primal Fear – dass ich es im Schlaf beherrsche. Mein Stil diese zu arrangieren ist ziemlich individuell. Das ist cool auf einem Album, aber live ist es eine andere Situation und die Songs funktionieren auch ohne. Viele Bands schummeln dabei, nicht aber ECLIPSE.«

Viele Soli auf dem Album sind von klassischer Musik inspiriert. Welcher Künstler hat das am meisten beeinflusst: Wolf Hoffmann, Yngwie Malmsteen, John Norum oder der selige Randy Rhoads?

»Magnus ist bei uns der Leadgitarist und er wurde definitiv von allen vieren massiv inspiriert. Am meisten wohl von John Norum, aber auch John Sykes darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Da wir beide das selbe Instrument spielen, spornen wir uns gegenseitig an, sehr gitarrenorientiert zu komponieren. Als Kids hatten wir einige wenige Stunden Unterricht, uns das meiste aber selbst erarbeitet. Kein Gitarrenlehrer hat uns angespornt, wie Maniacs zu spielen! Eher im Gegenteil... «

Was entgegnest du Experten, die mosern, jede mögliche Notenfolge sei bereits x-fach gespielt worden?

»Ich gebe ihnen recht. Aber es gibt so viele andere Aspekte in Musik, die jeden Musiker und jede Band einzigartig machen. Sonst hätten wir Menschen schon vor Jahrhunderten mit dem Komponieren aufhören können. Lass auch nur vier Musiker oder Sänger den selben Song interpretieren – du bekommst vier oft sehr verschiedene Ergebnisse. Ich fühle mich als Songschreiber nicht ansatzweise limitiert. Natürlich gibt es Tage, an denen sich für dich ein G-Akkord wie das Langweiligste auf der Welt anhört. Du hast es eine Million mal zuvor gehört. An einem anderen Tag schlägst du den selben Akkord an und es ist der coolste und inspirierendste Sound überhaupt. Es kommt alles auf deine momentane Stimmung an.«

Es gab Gerüchte, dass Jeff Scott Soto mit Queen gemeinsame Sache machen würde. Welche Band, die dein Leben verändert hat, würde dich reizen?

»Ja, die Gerüchte habe ich auch vernommen – und zwar direkt von ihm. Ich weiß, wie sehr er diese Band verehrt und hätte mich entsprechend für ihn gefreut. Nunmehr singt er für eine Queen-Show in den USA, die bestens läuft. Ich selbst habe nie davon geträumt, bei einer bekannten Band einzusteigen. Würde ich vor die Wahl gestellt, wären es wohl AC/DC, da sie schlicht die beste Band überhaupt sind. Aber ich würde sicherlich nicht lange überleben, sondern von einem ihrer Fans dafür gemeuchelt werden, dass ich die ganzen Klassiker zerstöre.«

In der zweiten Auflage seiner „The Encyclopedia Of Swedish Hardrock And Heavy Metal“ bezeichnete Janne Stark, bekannt als Musiker bei Overdrive, die damals blutjungen ECLIPSE als extrem empfehlenswert.

»Jetzt wo du es erwähnst, erinnere ich mich daran, den Eintrag gelesen zu haben, als das Buch damals rauskam. Seither habe ich Janne mehrfach getroffen und weiß, dass er ein großer Fan ist. Aber ich würde sagen,  dass unser aktuelles Schaffen empfehlenswerter ist, als unsere ersten Gehversuche. Ich würde nicht behaupten, stolz auf die ersten beiden Alben zu sein. Ich sehe sie eher als Demos und war zu Zeit ihres Entstehens noch sehr jung. Man erkennt unser Talent, aber wir waren als Musiker und vor allem Songwriter noch sehr unreif. Von der Produktion mal ganz abgesehen. Für Fans mögen sie dennoch ein Hörgenuss sein. Den Songs würde aber auch keine Neuaufnahme oder klangliche Bearbeitung helfen. Die beiden Alben sind sehr selten und so soll es auch bleiben.«

Bedauerst du insgeheim, dass „Bleed & Scream“ nicht in den 1980er erschienen ist?

»Absolut nicht. Vielleicht wäre es damals erfolgreicher gewesen, aber andererseits habe ich auch heute die Möglichkeit, zeitgemäßere Musik zu spielen. Aber ich mache das, was ich liebe. Gute Musik entsteht aus Leidenschaft. Ich glaube nicht, dass dieses Album vor 30 Jahren hätte geschrieben und eingespielt werden können. Wir haben die Musik, an der unseren Herzen hängen, genommen und ins Hier und Jetzt transportiert. Es ist klassischer Hardrock, klingt aber nicht antiquiert.«

Reizt dich eine Teilnahme am Rock-Meets-Classic-Format, der Arbeit mit Band und Orchester?

»Das wäre wirklich cool, hat mich bislang aber noch nie beschäftigt. Ich bin gut mit Mat Sinner befreundet, der stark involviert ist. Vielleicht werde ich einfach erst mal alt und legendär, dann könnte ich dafür auch brauchbar sein.«

„Only ruins can be found on battleground...all the glory days are gone, so much pain but nothing’s won“ ist ein starkes pazifistisches Statement, ´Battlegrounds´ steht in der Tradition von ´Out In The Fields´. Gleichzeitig könnte man zu dessen Rhythmus auch in den Krieg ziehen.

»Stimmt, das wäre in der Tat sehr ironisch. Abgesehen von unserem Keyboarder Johan Berlin war von uns niemand in der Armee. Sicherlich ist Krieg faszinierend, das gilt auch für mich. Allerdings habe ich genug gelesen und gesehen um zu verstehen, dass Krieg schrecklich ist, voller Horror und Schmerz für alle Beteiligten. Uniformierte im Gleichschritt sind für nichts gut und führen früher oder später ins Desaster. Wie der Song sagt, ist die Geschichte voller Nationen und Königreiche, die für mehr Macht und Land alles geopfert haben. Und was ist von ihnen übrig geblieben? Nichts. Trotzdem geht es immer so weiter. Alte Männer, die ihre Hand nach Macht und Boden ausstrecken. Lächerlich.«

Befürchtest du, dass diese Jahrzehnte des inneren Friedens in Europa wegen der ökonomischen Krise bald vorbei sein könnten?

»Die Tendenzen zu mehr Nationalismus bemerkt man überall auf dem Kontinent. Mit den letzten Wahlen setzte sich Schweden auch auf die lange Liste europäischer Staaten mit Nationalisten in der Regierung. Die Bürger suchen nach einfachen Antworten auf komplizierte Fragen und diese Parteien bieten ihnen genau das. Aber das ist einfach nicht realistisch. Der Euro wird immer instabiler und könnte kollabieren. Wer weiß, wo das hinführt? Es haben schon geringere Probleme den Lauf der Geschichte massiv verändert. Aber ich bin Optimist.«

Wie autobiographisch ist dann `S.O.S.`?

»Gar nicht, auch wenn ich natürlich auch schon mal verzweifelte Momente erlebt habe. Wenn ich mit meinem geschätzten Freund Miqael Persson Texte schreibe, versuchen wir immer das Gefühl der Musik aufzugreifen. Alle Melodielinien in diesem Stück drückten Verzweiflung aus, also habe ich mich dem gefügt.«

 

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Den ergänzenden Interviewteil aus Ausgabe 305 findet ihr hier.

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