Online-MegazineInterview

EVOCATION

Wiedervereinte Wahnsinnige

Im Interviewteil der Printausgabe plauderte Marko Plamén, Gitarrist der klassischen Schweden-Deather EVOCATION, aus dem Nähkästchen als Gefängnispsychologe und über das neue Album „Apocalyptic“. Neben einigen weiteren Details aus seinem Berufsleben, reflektiert er in dieser Fortsetzung auch die Unsterblichkeit apokalyptischer Vorstellungen und die erste gemeinsame Europatour. Diese führte den Evo-Tribe letztes Jahr in einem gar seltsam ausstaffierten Reisegefährt im Auspuffstrahl von Cannibal Corpse und Dying Fetus kreuz und quer über den Kontinent.

Marko, bist Du während Deines Studiums oder jetzt in Deinem Arbeitsumfeld mit Kollegen konfrontiert worden, die Death Metal nicht als kathartische Kunst verstehen, sondern als Auslöser von Aggressionen?

»Im Gegenteil, sie schätzen und unterstützen das Musikerdasein. Selbst mein Boss, der Gefängnisdirektor. Ihnen geht es nicht so sehr um den Musikstil, sondern auch darum, dass man sich kreativ betätigt. Ich arbeite seit anderthalb Jahren nicht mehr mit Sexualstraftätern, sondern in einem Hochsicherheitsgefängnis mit Mördern, Drogendealern usw. die mindestens zehn Jahre einsitzen, oft lebenslänglich.«

In den jüngsten Wahlen haben die rechtsgerichteten Schwedischen Demokraten beunruhigend gute Ergebnisse eingefahren. Ist dies nur ein Spiegelbild der ökonomischen Krise?

»Darauf weiß ich keine stichhaltige Antwort, zumal dieser Rechtsruck mehrere Gründe hat. Einer davon ist der Erfolg vergleichbarer Parteien in anderen europäischen Länder. Für eine tiefergehende Analyse bin ich aber nicht der richtige Ansprechpartner. «

Obwohl Thomas schon anlässlich Listeningsession in Hamburg betont hat, dass der Albumtitel nicht auf biblische Vorstellungen bezogen werden muss, spielt das hervorragende Artwork mit dieser Interpretation. Seit Jahrtausenden fürchten Menschen das Ende der Welt, ganz gleich, welcher Ethnie oder Religionsgemeinschaft sie angehören. Warum ändert sich in unseren aufgeklärten, von Wissenschaft und technologischem Fortschritt geprägten Zeit so wenig daran?

»Es ist ein archetypisches Thema, welches die Menschen immer und überall fesseln wird. Die Umweltzerstörung und ihre Konsequenzen sorgen für ein neues Verantwortungsbewusstsein und gleichzeitig heizen sie die Angst vor der Apokalypse an. Wohin geht es mit diesem Planeten? Werden wir uns selbst zerstören? Das menschliche Leben ist endlich. Alles, was wir sehen, verwelkt oder stirbt irgendwann. Genau deswegen können wir weder die Ewigkeit, noch die Endlosigkeit begreifen. Wie wollen wir uns vorstellen, dass das Universum keine Grenzen hat? «

Was auch immer der Textinhalt von ´We Are Unified Insane´ sein mag: Denken Eure Frauen und Freundinnen so über EVOCATION?

» (lacht) Gut möglich. Tatsächlich hat Thomas schon auf „Tales From The Tomb“ Texte geschrieben, die uns als Band thematisierten. Er ist sehr sensibel für Stimmungen. «

Auf Eurer ersten Tour war er mit das größte Partytier. Was hat Euch als Evo-Tribe dieser Europatrip mit Cannibal Corpse, Dying Fetus und Euren Busnachbarn Obscura im Hippieplüschbus gebracht?

»Wir haben noch nie zu fünft derart viel Zeit miteinander verbracht. Wären wir in den frühen 90ern unterwegs gewesen hätten wir uns gegenseitig die Nervenkostüme ruiniert. Mit Mitte 30 sind wir reifer und haben einfach mehr Lebenserfahrung. Wer einen Monat lang zusammengepfercht ist, der streitet sich irgendwann oder ist angepisst. Aber das konnte uns nichts anhaben. Wenn es einen Disput gab, ist die Situation nie eskaliert, sondern der Verantwortliche hat sich nach einer Bedenkzeit entschuldigt. «

Du hast das theoretische und praktische Rüstzeug, um schlichtend einzugreifen. Keine dankbare Position.

»Jeder löst seine Probleme für sich, ich bin nicht die Anlaufstation für allen Kleinkram. Abseits meiner Arbeit im Gefängnis spiele ich mich auch nicht als Psychologe auf, der auf alles eine Antwort zu wissen vorgibt. Das würden sich die andere auch nicht lange gefallen lassen. Wir haben einiges über Hierarchien gelernt und auch wenn wir manchmal doch hart gefeiert haben, sind wir doch alle professionell. Sobald ein Problem auftauchte, konnten wir auch ganz schnell umschalten. Wir hoffen, dass wir von nun an für jedes Album eine Europa- und eine US-Tour spielen können. Continental Concerts reißen sich diesbezüglich den Arsch für uns auf. „Apocalyptic“ wird in den USA und Kanada via Metal Blade veröffentlicht. «

Die Songs standen zum Zeitpunkt dieser Kaffeefahrt bereits – die Texte nicht. Hat Thomas auf „Apocalyptic“ Tourimpressionen verarbeitet?

»Ich bin mir nicht sicher. Aber ich weiß, dass Thomas als Texter eine Tiefe besitzt, die gegen den momentane Trend gerichtet ist. Gerade in Schweden ist es total in, Partytexte zu schreiben. Das ist alles sehr hohl und oberflächlich, es langweilt mich zu Tode. Ich gehe auch davon aus, dass sich diese Welle schnell totläuft. Die meisten von ihnen leben dieses Image höchstens am Wochenende – und selbst wenn es nicht so ist: Wen interessiert es? Es ist so verdammt hohl, nur über Mädels, Saufen und Party zu schreiben. So wie Poison, Twisted Sister oder Mötley Crüe in den 1980ern. Death Metal war das komplette Gegenteil, ein Stinkefinger. Ich habe gelesen, dass Twisted-Sister-Songs für eine große Stadion-Choreographie mit Lichteffekten und Pyroshow geschrieben haben. Metallica hatten auf „Master Of Puppets“ großartige Texte, die mich nachdenklich gemacht haben. Im Death Metal schätze ich den Stil von Tompa, speziell natürlich auf „Slaughter Of The Soul“. Was ich überhaupt nicht leiden kann sind Death-Metal-Texte, die lustig sein wollen. Death Metal ist eine ernste Sache, da macht man keine Scherze drüber – auch nicht ironisch. «

Dann wäre das eher nichts für Euch? „Such a sweet obsession, can’t get enough/I feel the magic every time that we touch/sweet obsession comes over me/take me to the fire, girl – and set my heart free“

» (lacht) das ist der Bonfire Song, Du Bastard – oder? Wir hatten echt keine Ahnung von dieser ´Sweet Obsession´.«

Aber das hatten wir ja schon im Studioreport geklärt.

www.evocation.se

 

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

ASPHYX + EXODUS + DEKADENT + ENTHRONED + ENTRAILS + EVOCATION + MANTAR + MORGOTH + SABIENDAS + THE UNNAMED DEATHER + u.v.m.07.06.2018
bis
09.06.2018
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