Online-MegazineInterview

AMASEFFER

Menschen des Buches

Amaseffer sind eine noch junge Band aus Israel, die die Welt grade mit ihrem sehr starken Erstlingswerk "Exodus - Slaves for Life" beglückt haben. Schlagzeuger Erez Yohanan stand uns im Interview Rede und Antwort über Musik, Religion, und das Leben an sich.

Zu allererst einmal: Stellt euch doch bitte unseren Lesern vor.

Erez: Amaseffer sind ein Trio aus Israel, wir bestehen aus Erez Yohanan (36, Drums und Percussion), Hanan Avramovich (25, Gitarren) und Yuval Kramer (24, Gitarren).

In "Exodus - Slaves for Life" geht es um Moses Auszug aus Ägypten. Das Album soll dabei der erste Teil einer Trilogie sein. Habt ihr schon eine Ahnung, um was genau es in den Nachfolgern gehen soll?

Erez: Die Trilogie beginnt mit dem Anfang des Buches "Exodus", welches zu Zeiten der Sklaverei im großen ägyptischen Imperium spielt, und endet mit Moses Tod auf dem Berg Nebo, nachdem er das gelobte Land gesehen hat. Der erste Teil der Trilogie endet mit dem zerstörten Ägypten nach der tödlichsten aller Plagen. Der zweite Teil beginnt mit dem Exodus an sich und endet, kurz bevor die Israeliten den Berg Sinai erreichen. Der dritte Teil schließlich beginnt mit dem Empfangen der Zehn Gebote auf dem Berg Sinai und endet mit Moses erstem und letzten Blick auf das Heilige Land.

Ihr habt über vier Jahre an eurer Platte gearbeitet. Warum hat das so lang gedauert?

Erez: Wir haben uns alle Zeit genommen, um richtig tief in unsere Musik einzutauchen. Wir wollten alles genau durchdenken, das gesamte Konzept, die Arbeit an der kompletten Trilogie, die Lyrics und natürlich auch die Atmosphäre. Es handelt sich bei unserem Werk schließlich um kein normales Album. Es ist nicht grade einfach, eine komplette Band inklusive Orchester, Chor und Sänger, die auf der ganzen Welt verstreut sind, aufzunehmen und abzumischen. Bei den meisten Songs haben wir mit über 250 Spuren gearbeitet. Wir wollten, dass unser Album in jeder Hinsicht den Visionen in unseren Köpfen entspricht. Also haben wir uns alle Zeit genommen, die wir brauchten.

Gab es denn während des Aufnahmeprozesses irgendwelche Schwierigkeiten? Ich könnte mir vorstellen, dass die Arbeit mit Gastmusikern eine Herausforderung ist.

Erez: Ja, das hatten wir im Hinterkopf, als wir den Aufnahmeplan festgelegt haben. Erstaunlicherweise ging alles gut und jeder hat echt sein bestes gegeben. Unsere Gastmusiker waren alle echte Profis und wenn wir die Zeit im Nachhinein betrachten, dann können wir sehr zufrieden sein.

Warum habt ihr euch denn Mats Levén als Sänger ausgesucht? Er hat eine einzigartige Stimme mit der eure Musik sehr an seine eigene Band (Abstrakt Algebra) erinnert. Wie genau seid ihr in Kontakt getreten? Und wie habt ihr zusammengearbeitet, in einem Studio, oder habt ihr ihm die Musik zugeschickt, und er hat seine Gesangslinien hinzugefügt?

Erez: Wir haben ihm die Songs rein instrumental und mit einer Gesangs-Guide-Line zugeschickt, und er hat seine Stimme dann darüber aufgenommen. Manchmal hat er unsere Linie dupliziert, an anderen Stellen hat er sie ein bisschen verändert - aber manchmal hat er auch einfach etwas komplett anderes gemacht. Wir haben ihm dann unsere Feedbacks geschickt, und er hat so lange daran gearbeitet, bis alle zufrieden waren. Als das komplette Album aufgenommen war, hat er mit seinen Gesangsaufnahmen begonnen, und jetzt klingt alles perfekt.

Bisher habt ihr ja keinen Lead-Sänger. Welchen Vorteil sehr ihr darin, mit verschiedenen Sängern zu arbeiten? Würdet ihr euch bei der Arbeit mit nur einem Sänger eingeschränkt fühlen? Oder ist es vielleicht in Israel schwierig, jemanden für die vakante Position zu finden?

Erez: Wir haben momentan keinen Bedarf, dem harten Kern von Amaseffer einen weiteren Musiker hinzuzufügen. Wir haben uns nach keinem festen Sänger umgesehen, weil wir keinen wollen, und nicht, weil wir keinen finden könnten.

Wenn es um das Schreiben der Lyrics geht, inwiefern bezieht ihr euch auf die biblische Geschichte? Seht ihr vielleicht zwischen der Geschichte von Moses und dem heutigen Leben einen Zusammenhang?

Erez: Die Lyrics wurden schon sehr von der ursprünglichen Geschichte beeinflusst, aber wir lassen sowohl in musikalischer, als auch in textlicher Hinsicht unsere eigenen Interpretationen einfließen. Wir glauben daran, dass jeder Mensch aus dieser Geschichte lernen sollte. Jeder sollte schauen, was er daraus für sein Leben ableiten kann.

Es ist ja nicht nur eine religiöse Geschichte. Natürlich kann man sie in jeder Hinsicht religiös interpretieren, zum Beispiel die Teilung des Meeres als eine Demonstration von Gottes Macht. Aber auf der anderen Seite ist es auch eine Geschichte darüber, wie man seinen eigenen Weg gehen und seine Zukunft mit seinen eigenen Händen erschaffen kann.

Für uns persönlich gibt es sowohl in der Musik als auch in den Texten eine Menge Doppelbedeutungen und auch jede Menge Metaphern. Und wir glauben fest daran, dass jeder aus der Geschichte seine eigene Lehre ziehen kann.

Neben all diesen Fantasy-Geschichten und Songs über Sex, Drugs und Rock n'Roll sind die Texte auf "Slaves for Life" ja schon eher eine Ausnahmeerscheinung. Warum habt ihr einen biblischen Hintergrund für euer Album gewählt? Ging es dabei vor allem um euren national bedingten Hintergrund, oder wolltet ihr vielleicht auch ein Statement gegen die wachsende Anzahl an "satanistischen" Bands im Metal-Bereich setzen?

Erez: Wir haben uns entschieden, mit der Bibel zu arbeiten, weil wir dieses Buch einfach lieben und der festen Überzeugung sind, dass jeder Mensch daraus lernen kann - egal, welcher Religion er angehört. Hör dir einfach die Geschichten an, lies sie, und stimme nicht blind dem zu, was andere Leute dir erzählen, sondern bilde dir deine eigene Meinung. Wir wollen eine Botschaft rüberbringen, und zwar eine verdammt starke. Und dazu nutzen wir unsere Musik.

Es ist ja nicht ganz einfach, eure Musik zu beschreiben. Ich sage mal einfach, dass es sich um Epic-Melodic-Metal mit Heavy-Oriental-Einflüssen handelt. Was inspiriert euch denn auf musikalische Sicht?

Erez: Wir lieben jede Art von Musik mit "Seele". Wir sind sehr offen und schauen uns stets nach etwas neuem um. Wir hören uns klassische Musik an, Soundtracks, Jazz, Rock, Metal, Electronic, aber auch Ethnische Musik. Einfach alles.

Wärt ihr so nett, uns die Situation in eurem Land in Bezug auf Heavy Metal zu beschreiben? Habt ihr mit vielen Vorurteilen zu kämpfen? Wie sieht denn die Live-Situation aus, könnt ihr wann immer ihr wollt Gigs spielen?

Erez: Israel ist da wohl wie jedes andere Land auf der Welt auch. Es gibt hier Rock-Clubs und Bars. Es gibt jede Art von Metal-Bands, und wie überall werden sie von den Mainstream-Medien ignoriert.

Stellt euch bitte eine Frage, die euch bisher noch niemand in einem Interview gestellt hat, und die ihr schon immer beantworten wolltet - und beantwortet sie selber.

Erez: "Wie kann man sicherstellen, dass die Musik, die man schreibt, wirklich gut und zum weltweiten Release bereit ist?"

Hör' sie dir einfach an! Wenn du der Meinung bist, dass die Songs fertig sind, dann hör' sie dir genau an, und lass' die Musik auf deine Seele wirken. Wenn sie dich dort berührt, wo du berührt werden möchtest, dann ist sie wirklich gut. Du musst ehrlich zu dir selber sein, dann wirst du erkennen, wann deine Musik so weit ist.

Was genau bedeutet denn "Amaseffer"? Ist es auch ein biblischer Ausdruck, oder hörte es sich einfach cool an?

Erez: Amaseffer, oder Am-HaSeffer, wie es auf Hebräisch ausgesprochen wird, bedeutet "Menschen des Buches". Es ist ein altertümlicher Name, der den Israeliten in der Bibel gegeben wurde, und das passt perfekt in unser Konzept.

Zu guter Letzt, lasst uns über eure Pläne sprechen. Was habt ihr als nächstes vor? Habt ihr vielleicht Pläne, auf Tour zu gehen?

Wir kümmern uns momentan bereits um die Vorproduktion unseres nächsten Albums, und es soll bereits in anderthalb Jahren fertig sein. Wir werden in absehbarer Zeit keine Shows spielen. Später bestimmt einmal, aber nicht in nächster Zukunft. Aber wenn es irgendwann einmal passiert, dann wird es einzigartig sein.

 

www.amaseffer.com

www.myspace.com/amaseffer