Online-MegazineInterview

HEADHUNTER

Die Zeit ist reif

Schmier ist zurzeit ein beschäftigter Mann: Nachdem er Destruction seit nunmehr zehn Jahren wieder am Leben erhält, hat er nun auch seine damalige Post-Destruction-Band HEADHUNTER noch mal aus der Taufe gehoben.

Schmier, wir haben uns das letzte Mal auf der Musikmesse in Frankfurt gesehen. Dort hast du gerade mit David Vincent von Morbid Angel am Dean-Stand Autogramme gegeben. Kennt ihr euch schon länger?

»Ja, ich habe David kennen gelernt, als Morbid Angel noch eine Demoband waren. Wir haben damals mit den Cro Mags in Florida gespielt. Bei der Gelegenheit kam Vincent auf mich zu und hat mich zugetextet und mir das erste Morbid-Angel-Demo in die Hand gedrückt. Zwei Jahre später war die Band auf einmal groß. Seitdem haben wir uns immer wieder getroffen. David arbeitet auch für Dean, und seitdem mir in den USA mal meine Bässe geklaut wurden, kam ich über David dazu, auch Dean zu spielen. David wird aus alter Freundschaft heraus auf der neuen Destruction-Scheibe auch ein paar Guestvocals beisteuern.«

Und was hälst du von Davids neuem Styling? Er rennt ja mittlerweile eher wie ein Glam Rocker rum.

»Er spielt ja immer noch bei den Genitorturers, mit deren Frontfrau Gen er ja auch verheiratet ist. Vor ein paar Jahren war sein Styling aber sogar noch schlimmer, da bin ich etwas erschrocken, als ich ihn mit schwarzem Lippenstift sah. Vincent war früher auch ein schwieriger Typ, er ist aber mittlerweile richtig cool geworden. Ich hatte nie ein Problem mit ihm, aber ich weiß, dass viele anderen Leute ihn gehasst haben.«

Kommen wir zu HEADHUNTER. Im Plattenfirmen-Info werdet ihr als Power Metal klassifiziert. Kannst du dich mit dem Begriff noch anfreunden?

»Dieses schwülstige Kindergartenzeug, das die Leute mittlerweile als Power Metal bezeichnen, ist nicht das, wofür wir stehen. Wir reden schon vom Power Metal, der in den Neunzigern gemacht wurde. Die ersten Power-Metal-Bands waren ja Omen und der ganze US-Metal.«

Ab wann hat sich dieser Begriff denn deiner Meinung nach so inflationär entwickelt?

»Sehr gute Frage. Damals wurde einfach der Uptempo-Stil des Heavy Metal als Power Metal bezeichnet. Wie daraus dieses seichte Kindergekreische wurde, ist mir noch ein Rätsel.«

Unter welcher Bezeichnung würdest du HEADHUNTER denn klassifizieren?

»Ich nenne es "NWOBHM meets Thrash", das ist es im Prinzip auch. Es treffen bei uns halt meine Liebe für die englischen Bands wie Judas Priest und der Thrash Metal, mit dem ich groß geworden bin, aufeinander.«

Wann kam dir die Idee, neben Destruction auch HEADHUNTER wieder zu beleben?

»Die ganzen Jahre haben mich Fans danach gefragt und es gab auch Angebote von Plattenfirmen. Aber ich habe immer gesagt, dass ich mit Destruction ausgelastet bin und keine halbherzigen Geschichten machen will. Irgendwann war jedoch die Zeit reif, die alten Headhunter-Scheiben neu aufzulegen. Währenddessen ist dann die Idee entstanden über mehr nachzudenken, weil ich zu dem Zeitpunkt eh ein paar Songs geschrieben hatte, die nicht zu Destruction gepasst hätten. Der erste davon war 'Silverskull', der von meinem Lieblingstattooladen in Freiburg handelt. Den habe ich dem Cheftätowierer zum Geburtstag geschenkt. Der Song lief dann ständig in seinem Laden und alle Leute haben danach gefragt. Da kam mir die Idee, dass das eigentlich ein typischer HEADHUNTER-Song ist. Danach habe ich Schmuddel und Jörg Michael angerufen und gefragt, wie es mit einer Reunion aussieht.«

Vor ein paar Jahren wäre das sicher nicht so einfach gewesen, da Jörg Michael noch stark bei Stratovarius eingespannt war.

»Ja, das wäre völlig unmöglich gewesen. Ich habe aber anfangs trotzdem nicht mit Jörg gerechnet. Ich habe mich zuerst mit Schmuddel getroffen und die ersten Songs komponiert, da wir erst mal checken wollten, ob es vom Songwriting her überhaupt passt. Danach habe ich Jörg eine Mail geschrieben und fest damit gerechnet, dass er mir aufgrund seiner Tätigkeit als Tourmanager absagt. Dann kam jedoch die Antwortmail: "Jeder andere Mann, der bei HEADHUNTER Schlagzeug spielt, ist ein toter Mann. Ich bin dabei!" Nur diese zwei Sätze! Damit war die Sache beschlossen. Es war uns auch sehr wichtig, das Original-Line-up zu behalten, da wir untereinander immer super lockere Vibes hatten. Nach 14 Jahren wieder miteinander zu spielen war schon sehr geil!«

Es muss doch sehr strange gewesen sein, nach zehn Jahren mit Destruction, wieder mit anderen Musikern zusammen zu spielen.

»Dadurch, dass wir alle Profis sind, findet man sich wieder schnell zusammen. Schmuddel und ich haben die Demos mit einem Drumcomputer aufgenommen und mit Jörg erst im Studio geprobt, weil wir einfach nicht mehr Zeit zur Verfügung hatten. Es hat im Studio aber wieder sofort klick gemacht. Entweder man hat die Vibes oder man hat sie nicht. Wir haben uns im Studio auch abends immer schön volllaufen lassen, es war genau wie früher.

Wir haben bei der Produktion auch komplett auf Schnickschnack verzichtet: Es gibt nur zwei Gitarren zu hören und wir haben auch das Schlagzeug so belassen, wie wir es aufgenommen haben. Es war auch wichtig, dass wir zusammen in einem Studio waren und nicht getrennt voneinander in verschiedenen Studios gearbeitet haben.«

Im Gegensatz zu so mancher Destruction-Produktion?

»Bei Destruction müssen wir uns einfach manchmal aus dem Weg gehen, da wir eh das ganze Jahr aufeinander hängen. Deswegen haben wir es im letzten Jahr so eingerichtet, dass jeder auch mal für sich arbeiten konnte. Das läuft bei der neuen Produktion aber ganz anders. Da nehmen wir die HEADHUNTER-Vibes ein bisschen mit und gehen zusammen bei Jacob Hansen ins Studio.«

Wird es weitere Liveaktivitäten von HEADHUNTER geben?

»Das müssen die Fans entscheiden. Dadurch, dass Jörg nun mehr Zeit hat als ursprünglich erwartet (bedingt durch die Auflösung von Stratovarius – rb), könnten wir auf jeden Fall mehr machen. Aber dafür ist es jetzt noch zu früh. Wir haben uns als Ziel gesetzt, in Wacken zu spielen, und das haben wir geschafft. Noch dazu im gleichen Jahr wie Iron Maiden, das ist ein echter Ritterschlag für mich! Alles, was danach kommt, ist Bonus.

Genauso werden wir abwarten, wie die Scheibe läuft, und dann entscheiden, ob es noch weitere HEADHUNTER-Scheiben geben wird. Mit Destruction machen wir im nächsten Jahr nur eine Live-DVD/-CD. Ich hätte also Zeit, eine neue Headhunter zu schreiben. Das wäre schon geil, wir wissen jetzt auch, was wir noch verbessern können. Wenn HEADHUNTER noch mehr miteinander musizieren würden, könnten da noch viel größere Taten bei raus kommen. So spontan "Parasites Of Society" auch war, ein paar mehr Proben hätten auch nicht geschadet (lacht).«

Immerhin würdest du dann die Chance erhöhen, jedes Jahr in Wacken auftreten zu können.

»(lacht) Nein, das will ich nicht. Da sagen die Leute ja irgendwann: "Nicht schon wieder der blöde Schmier." Wir haben mit Destruction auch erst mal Wacken-Verbot, weil wir schon vier Mal da waren.«

Wie kamt ihr darauf mit '18 And Life' (Skid Row) und 'Rapid Fire' (Judas Priest) zwei stilistisch sehr unterschiedliche Songs zu covern?

»Die Priest-Coverversion musste bei uns einfach mal irgendwann kommen, das ist so ein großer Einfluss für uns. Eigentlich sollte der Song nur als Bonustrack in Japan erscheinen. Die Skid-Row-Nummer war hingegen fest für das Album eingeplant. Das war mein Fave, da hat natürlich auch keiner erwartet, dass wir den covern. Ich hatte gerade schon ein Interview mit einem Griechen, der mir erzählt hat, dass dort heiß diskutiert wird, ob ich so was überhaupt machen darf.«

Es ist ja momentan wieder die Rede von einem Thrash-Metal-Revival. Wie beurteilst du das, nachdem ihr mit Sodom und Kreator 2001 schon das Thrashback ausgerufen habt?

»Ich denke, das wird alles wieder ein bisschen zu heiß gekocht. Weltweit gewinnt Thrash Metal wieder an Ansehen. Wir bekommen ständig von Magazinen Anfragen, die Thrash-Specials machen wollen und dafür Kommentare von mir benötigen. Auch auf unseren Shows kommen immer mehr Leute, gerade in den USA geht wieder einiges ab, nachdem das Thema dort jahrelang totgeschwiegen wurde. Die letzten Shows, die wir in LA gespielt haben, waren alle ausverkauft. Es gibt dort auch eine neue Generation von Thrashern, keiner auf den Shows ist älter als 25. Ich würde aber nicht sagen, dass Thrash Metal das nächste große Ding sein wird. Thrash Metal ist einfach zu unkonventionell, um dem Mainstream entsprechen zu können. Es ist auf jeden Fall sehr schön, dass nun auch wieder junge Talente einen Plattenvertrag bekommen. Ich kenne genügend Labels, die vor ein paar Jahren den Teufel getan hätten, bevor sie eine Thrashband signen.«

Ich denke aber auch, dass es 2001 noch gar nicht so viele junge Bands gab, die reinen Thrash Metal gespielt haben, und sich die Thrashwelle deshalb gar nicht so richtig durchsetzen konnte.

»Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Genauso ist es. Das Thrashback war eine Initialzündung dafür, dass viele Kids wieder Thrash gehört haben. Als Destruction wieder zusammenkamen, haben uns viele ausgelacht und gemeint: "Bei euch kommen nur noch alte zahnlose Menschen aufs Konzert." Mit der Zeit wurde das Publikum aber immer jünger. Daraufhin hat sich eine neue Szene entwickelt, die den Thrash Metal für sich entdeckt hat.«

Nochmal zu HEADHUNTER: Mein Lieblingssong eures Comeback-Albums ist 'Read My Lips'. Kannst du uns was zu der Entstehungsgeschichte der Nummer erzählen?

»Wir machen Lieder oft mit einem bestimmten Vorbild im Hinterkopf. Wir haben versucht, den Song so ähnlich wie 'Princess Of The Night' von Saxon aufzubauen. Das war die Grundintention des Stücks, was man aber natürlich nicht mehr wirklich raushört. Es war geil, dass Jörg den Song eh spielen konnte, und so haben wir den Saxon-Song diskutiert und zum Beispiel das Schlagzeug ebenso sporadisch eingesetzt. Das ist eins der traditionellsten Stücke auf der Scheibe und auch einer meiner Faves.«

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