Online-MegazineInterview

HELLYEAH

Die Straßen von New Orleans

HELLYEAH sind der Groove-Bastard aus Vinnie Paul (ex-Pantera, Damageplan), Tom Maxwell, Jerry Montano (beide Nothingface), Chad Gray und Gregg Tribbett (beide Mudvayne), der seine Metalwalze auf alle Unbeteiligten loslässt. Ein prächtig aufgelegter Tom Maxwell erklärt, wie's losging.

Wer hatte die Idee zu HELLYEAH?

»Es begann mit mir, Chad und Jerry, als unsere Bands, Mudvayne und Nothingface 2002 gemeinsam auf Tour waren. Wir schlenderten durch die Straßen in New Orleans und spielten eigentlich nur mit dem Gedanken, so etwas zusammen zu machen. Nach der Tour haben wir uns zusammengesetzt und einen Song geschrieben. Das war 'Waging War', der auch auf "Hellyeah" zu hören ist. Der hat dermaßen Arsch getreten, dass wir uns einig waren weiterzumachen. Es war lediglich eine Frage des richtigen Zeitpunktes: wir tourten, Mudvayne tourten, wir mussten uns irgendwie koordinieren. Das dauerte satte vier ganze Jahre. Aber nachdem Mudvayne Anfang mit Korn unterwegs waren, hatten wir plötzlich den Spätsommer und den Herbst frei, um uns unserer Idee zu widmen. Da wussten wir: 'Jetzt ist die Zeit reif für HELLYEAH!' Wir holten dann noch Gregg dazu, der ein verdammt guter Gitarrist ist - und dann machten wir uns daran, Vinnie Paul in die Band zu holen.«

Wie habt ihr ihn überzeugen können? Er hatte sich ja aus der aktiven Musikszene mehr oder weniger zurückgezogen und arbeitete vornehmlich für sein eigenes Label Big Vin Records, über das er vor kurzem die Rebel Meets Rebel-Scheibe veröffentlicht hat, ein Album, das auch Dimebag noch eingespielt hat ...

»Das stimmt. Vince war wirklich sehr beschäftigt, aber Jerry hat ihn einfach angerufen. Was soll's? Das Schlimmste, was er hätte sagen können, war: 'Nein.' Und das hat er auch gesagt. Er meinte, er hätte genug zu tun und würde lieber aus dem Hintergrund arbeiten. Aber Jerry hat nicht aufgegeben und hat ihn immer wieder angerufen, bis er ihn in der richtigen Stimmung erwischt hat. Vinnie war an diesem Abend ziemlich entspannt, hörte Musik und stimmte schließlich zu. Einfach, um zu sehen, was draus werden würde. Der Rest ist Geschichte: wir haben uns fast blind verstanden, und eine Woche später hatten wir acht Songs geschrieben.«

Wie habt ihr das angestellt? Ihr kommt aus verschiedenen Bands, wie ist es euch da gelungen, einen gemeinsamen Stil zu finden?

»Es ist ganz einfach passiert, ganz natürlich. Wir alle sind Freunde, wir kennen uns verdammt gut. Wir haben also einfach da gesessen und gespielt. Irgendeiner fing mit einem Riff an, die anderen stiegen ein und Vinnie setzte sich hinters Schlagzeug und spielte dazu. Wir haben alles ein wenig umgestellt, und sieben, acht Stunden später war der erste Song im Kasten. Es war unglaublich! Ich kann dir nicht genau sagen, wie wir's angestellt haben, es war einfach da, wie eine unsichtbare Energie, die uns umgeben hat. Wir hatten uns vorher keinerlei Grenzen gesetzt, wie wir zu klingen hatten, niemand versuchte sich in den Vordergrund zu stellen ...«

Es war also eine Art 'Big Jam' - und kam die Magie hinzu ...

»Ganz genau! Ich mein', das war alles surreal, wir haben in weniger als drei Wochen ein komplettes Album geschrieben.«

Wer hat die Texte geschrieben?

»Chad. Er hatte ständig seinen Laptop auf dem Schoß, und immer, wenn er eine Idee hatte, hat er sie aufgeschrieben. Das lief alles simultan. Sobald ein Stück fertig war, hat er seine Vocals eingesungen, manchmal hatte er Melodien fertig, bevor wir überhaupt eine Riffidee dazu hatten.«

Ihr habt das Album im Chasin' Jason Studio aufgenommen, in Dimebags Garage in Dallas. Wie war die Atmosphäre dort?

»Sehr, sehr, sehr ... Dime. Es war fast schon spirituell, überall hing Dimebags Geist im Raum, sein gesamtes Leben. Man kommt da rein, überall sind kleine Notizen an die Wand geschrieben, damit niemand vergisst, das Licht auszumachen, die Alarmanlage scharf zu schalten und die Türen beim Rausgehen abzuschließen. Es war sehr emotionsgeladen, besonders für Chad, Jerry, Gregg und mich. Ich meine, hey, wir betraten da Pantera-Land. Dimebags Equipment steht da noch rum, all die Platin- und Goldplatten, all die Erinnerungsstücke, die wir mit Pantera verbinden. Überall. Es war überwältigend, wir fühlten uns aber gleichzeitig willkommen, da gab es nichts, das uns auf irgendeine Art mitteilte, dass wir nicht dort sein sollten. Wir hatten das Gefühl, dass es genau da passieren musste, dass HELLYEAH genau an diesem Ort entstehen sollte.«

Kommen wir zu einigen Songs. 'Alcohaulin' Ass' ist schon ein kleines Meisterwerk auf dem Album. Ist das ein reines Sauflied?

»Ich weiß nicht, ob's nur ein Sauflied ist, es ist eher ein "Have-a-good-Time"-Song. Gregg und Chad haben das Lied in zehn Minuten geschrieben, als einer von uns gerade unterwegs war, um neues Bier zu holen. Sie haben einfach gejammt, und ein paar Minuten später sind sie mit einer akustischen Version ins Studio gegangen. Es geht einfach nur darum Spaß zu haben.«

Was passt denn besser zu dem Song: Whisky und 'ne Zigarre oder Bier und Kippen?

(lacht) »Oh Mann, ich denke, ein riesiges Glas mit Whisky auf Eis, dazu eine, nein, eine ganze Schachtel Kippen, ein paar Titten und Ärsche, und der Abend kann kommen.«

'Matter Of Time' ist um einiges härter. Vinnie scheint sich hinter seinem Schlagzeug recht wohl zu fühlen, während er auf die Felle drischt. Wie war das Arbeiten mit ihm?

»Großartig. Vinnie ist ein Meister in dem, was er tut. Er hat seinen eigenen Stil, seinen eigenen Sound, er weiß, wie die Sachen klingen müssen, und er ist ein verdammt guter Produzent. Irgendwann, wir jammten gerade einen Song, kurz bevor wir ihn aufnehmen wollten und ich dachte: 'Wow, ich sitze hier mit meinen Freunden in Dallas, Texas, in Dimebags Studio, ich spiele in einer Band mit Vinnie Paul ...' Ich mein', das ist so ein verdammt geiler Traum, aus dem du normalerweise aufwachst und denkst: 'Scheiße, war das geil!' Aber ich bin bis jetzt noch nicht aufgewacht ...« (lacht)

'You Wouldn't Know' ist ein Song, der sehr groovy, heavy und trotzdem sehr melodisch rüberkommt. Wird das eure erste Single in Europa?

»Kann sein, zumindest ist das die erste Single, die vor ein paar Tagen hier in den Staaten veröffentlicht worden ist. Ich mag das Lied, weil es die Essenz der Band in sich vereint. Der Track kam einfach so über uns. Ich saß im Studio und spielte das Riff ein paar Mal, plötzlich stand Vince neben mir und meinte: 'Merk' dir das Riff, merk's dir!' Ein paar Tage später haben wir den Song geschrieben, vielmehr hat er sich selbst geschrieben, so wie irgendwie jeder Song auf der Scheibe sich selbst geschrieben hat.«

Hast du ein Lieblingslied auf dem Album?

»Zu 'Waging War' habe ich eine besondere Beziehung, weil das der erste Track war, den wir für das Album geschrieben haben, Chad, Jerry und ich. Der Song ist einfach heavy, heavy, heavy und hat trotzdem 'nen tierischen Groove. Das mag ich so an HELLYEAH: egal, wie hart wir spielen, es gibt immer 'ne Hookline, eine bestimmte Melodie, die alles auffängt. Darum geht es. Irgendwie nur darum...«

Wie sieht's mit der Zukunft von HELLYEAH aus: Ist die Band ein Projekt für euch, neben euren Stammbands oder geht's damit noch weiter?

»Am Anfang war's ein reines Projekt, wir wussten ja noch nicht, wohin uns das führen würde. Aber im Studio haben wir schnell gemerkt, dass das Ding ernster wird, dass es mehr ist als ein reines Projekt. Da waren nicht nur fünf Musiker, die zusammen ein paar Songs einspielen, da war von Anfang an mehr. Wir haben dann beschlossen, es durchzuziehen, jeder von uns steht hundertprozentig dahinter.

Die Platte ist draußen, wir werden sehen, was kommt. Wir gehen jetzt erstmal auf die Bühne, machen eine kleine Tour und werden dann entscheiden, was wir machen. Ich denke, das wird sich, wie das Schreiben, irgendwie von selbst regeln, ich bin da ganz zuversichtlich.« (lacht)

Dann will ich dir mal die Daumen drücken ...

»Na ja, das ist ja nichts anderes als das, was Corey mit Slipknot und Stone Sour macht oder Maynard mit Tool und A Perfect Circle. Wir gehen jetzt ja nicht jahrelang auf Tour. Wir wollen, dass die Leute Spaß mit uns haben, aber nicht ständig über uns verfügen können. Wir wollen uns nicht totlaufen. Wir machen das jetzt, weil alle Bock drauf haben, und wenn's am schönsten ist, ziehen wir uns zurück, bis die Lust auf HELLYEAH wieder groß genug ist.« (lacht)

Bleibt abzuwarten, ob es den Fünfer auch nach Deutschland treibt. Zumindest Hirschgulasch-Fan Tom hofft drauf ...

www.hellyeahband.de

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