Online-MegazineInterview

THE ACCÜSED

Martha Splatterhead mordet wieder!

Ihr wollt wissen, warum THE ACCÜSED eine der Crossover-Underground- Kapellen der achziger Jahre waren? Was es mir Martha Splatterhead und ihrer Oberweite auf sich hat und vor allem: Wer Mr. Fart ist? Ladies and Gentlemen, Wolf-Rüdiger-Mühlmann Splatterproductions proudly present: The Return of THE ACCÜSED!

Eigentlich war eine Reunion der Erfinder und alleinigen Vertreter des 'Splatter-Rock' ein Ding der Unmöglichkeit. Denn für eine Rückkehr der Westküstenlegende konnte es nur einen Albumtitel geben: 'The Return Of Martha Splatterhead'. Dummerweise erschien diese Platte bereits im Jahr 1986. Aber nichtsdestotrotz ist es jetzt tatsächlich so weit. Applaus! Applaus! THE ACCÜSED are back -und mit ihnen die Dame des Mordens und Grauens: die reizende Martha Splatterhead!

Es ist fast 25 Jahre her, da gründete eine Hand voll Teenager von der kalifornischen Küste eine Punkband namens THE ACCÜSED. Schon bald merkten die Burschen, dass sie sogar für Punkverhältnisse zu asozial sind und sie viel zu viele Schrauben im Gehirnkästchen locker haben.

Also mixten sie ihren Schrammelsound mit Metal, Rock, Funk sowie Jazz und schrieben abgedrehte Blutrauschtexte über Serienkiller. Wer schon immer wissen möchte, welche Verrückten inhaltlich den Weg für Lyrikverbrecher wie Macabre geebnet haben, sollte sich mit THE ACCÜSED mal eingehend beschäftigen.

Im Laufe der achtziger Jahre gehörte die Truppe zum Erlesensten des so genannten Crossover-Undergrounds und tourte regelmäßig mit den Genrekollegen von D.R.I., Cryptic Slaughter und Wehrmacht. THE ACCÜSED brachten es auf elf offizielle Veröffentlichungen, unter denen sich einige Perlen befinden, die Klassikerstatus genießen und deren Aufnahmen übrigens von den damals noch unbekannten Produzenten Terry Date und Jack Endino überwacht wurden. Neueinsteigern in die blutspritzende Materie seien vor allem die (mittlerweile äußerst raren) Alben 'The Return Of Martha Splatterhead' (1986), 'More Fun Than An Open Casket Funeral' (1987), 'Martha Splatterhead´s Maddest Stories Ever Told' (1988) und 'Hymns For The Deranged' (1989)empfohlen.

Vier maßgebliche Dinge zeichneten die Chaotentruppe aus: Trotz aller Heftigkeit hatten die Amis ein goldenes Händchen für eingängige, ja fast schon schmissige Songs. Mit Blaine Fart (Künstlername des Jahrhunderts!) verfügte man über den wohl abgedrehtesten Schreihals der Szene, der mit einem einmaligen Textkonzept über eine Serienkillerin namens Martha Splatterhead die Öffentlichkeit genussvoll schockte. Zudem verknüpfte Frontmann Blaine seine Schauerlyrics mit originellen, zuweilen geschmacklosen Comiczeichnungen, deren Stil Jahre später von White Zombie adaptiert wurde.

Nun also, nach zehnjähriger Funkstille, kehren die Krawallheimer zurück. Grund genug, mit dem mittlerweile 42-jährigen Mr. Fart, der sich jetzt auch Lord Zippy Blaine nennt, Kontakt aufzunehmen.

Herr Furz, wieso habt ihr euch vor zehn Jahren aufgelöst?

»Dafür gab es nur dumme Gründe. Persönliche Konflikte innerhalb der Band, es waren Drogen und Alkohol im Spiel. Drei Bandmitgliedern fehlte es an gesundem Einschätzungsvermögen. Sie waren nicht mehr in der Lage, ganz objektiv die kommerzielle Situation zu bewerten. Sprich: Sie hoben ab. Zudem gab es keine richtige Marschroute, keinen Plan. Wir lebten nur für den Moment. Heutzutage hingegen planen wir wenigstens ein halbes Jahr im Voraus.«

THE ACCÜSED begründeten den Begriff 'Splatter-Rock'. Damals wussten die Leute nicht so recht, wo sie euch einzuordnen hatten. Manchmal galtet ihr als Punkband, manchmal als Hardcore, und andere nannten euch Metal-Punks. In welchem Genre habt ihr euch gesehen?

»Ich finde, dass wir eine Hardcore-Band waren, die sich von anderen Stilen beeinflussen ließ. Hardcore trifft auf Metal, und diese Mischung wiederum wurde um Punk, Jazz, Funk und Rock bereichert. Bereits kurz nach der Bandgründung entschieden wir, unseren Stil als 'Splatter-Rock' zu bezeichnen. Wir konzentrierten uns auf ein großes Story-Konzept, welches wie eine riesige Blutmesse wirkt.«

Die Hauptperson dieser Blutmesse ist eine Dame namens Martha Splatterhead. Wieso habt ihr euren lyrischen Blutrausch auf eine Lady personifiziert?

»Martha Splatterhead war unser politisch korrekter Weg, Serienkiller zum Textschwerpunkt zu machen. Wir erkannten, dass man mit Texten über Mörder große Probleme in der ach so korrekten Szene bekommen kann. Also musste man die Szenepolizei verarschen, ohne dass sie es merkt. So entstand Martha. Wenn man eine Mischung aus Zombie und vollbusiger Frau erschafft, ist die Chance groß, dass die Szene sich eher amüsiert als empört. Und genau so war es. Martha Splatterhead fand viele Verehrer.«

Beschreib doch mal die Lady. Wie ist sie so drauf?

»She is sexy as fuck. Und sie ist wie ein Chamäleon, denn sie ändert stets ihr Äußeres. Heute schleicht sie als langhaarige Metal-Dame durch die Straßen, und morgen ist sie eine Punk-Prinzessin mit Mohawk. Sie stinkt etwas. Kein Wunder, denn sie ist eine lebende Tote. Der Geruch von Menschenfleisch und Blut ist ihre Energiequelle.«

Mein Lieblingsalbum von euch ist 'Martha Splatterhead´s Maddest Stories Ever Told'. Was hältst du von der Platte, 17 Jahre nach ihrer Veröffentlichung?

»Was, diese Platte magst du am meisten? Was ist mit all den anderen Alben? Ich mag sie alle. Das fängt schon mit den ersten Demos an. THE ACCÜSED hatten vor der ersten offiziellen Veröffentlichung mehrere Kassetten-Demos aufgenommen und für ein paar hundert Dollar vervielfältigt. Bevor ich in die Band kam, hatte sie bereits eine Split-LP mit den Rejectors herausgebracht. Bis zu 'Return Of Martha

Splatterhead' war die Band nur ein Hobby, es war purer Spaß. Ab 'More Fun Than An Open Casket Funeral nahmen wir alles ernster und bemühten uns, die Band vorwärts zu bringen. Wir probten mehrmals pro Woche und arbeiteten intensiver an den neuen Stücken. Das hört man der 'Maddest Stories'-Platte auch an. Übrigens ist es das einzige Album, das noch offiziell erhältlich ist. Alle anderen Platten sind vergriffen und deshalb so gut wie nicht erhältlich.«

Welche 'maddest stories' erzählst du in euren neuen Songs?

»Geschichten über den Horror des realen Lebens. Ein Song heißt ´Of The Body´. Es geht um einen kleinen religiösen Kult, in dem kleine Kinder just in dem Moment des Verlassens der Gebärmutter getötet werden. Ein anderes Stück handelt von einer Wurstmischung aus Schweine- und Menschenfleisch. Der Schweinebauer hat nämlich die Angewohnheit, Prostituierte zu töten und in den Häcksler zu stecken. Außerdem covern wir auf unserer nächsten Platte den Tank-Song ´Filth Hounds´ und Olivia Newton-Johns Hymne ´Have You Never Been Mellow´. Was wäre eine ACCÜSED-Platte ohne Coversongs?«

Ihr habt im vergangenen Jahr einige Konzerte in den Staaten gespielt. Kannten euch die Leute noch?

»Wir spielten ein paar Gigs in unserer Region, und die Leute gingen gut ab. Einige dieser Konzerte waren beschissene All-ages-Shows. Beschissen deshalb, weil 15-jährige Kids nicht wissen, wer wir sind. Wie auch immer: Die Band klingt so, als ob sie nie aufgehört hätte. Die neuen Stücke, die wir bereits live gespielt haben, sind kurz, schnell und gehen direkt in die Fresse. Meine Stimme klingt nicht mehr ganz so krank wie früher, aber immer noch krank genug, um es mit jenen kranken Stimmen aufnehmen zu können, die im Metal zurzeit angesagt sind.«

Es heißt, ihr habt bei Relapse Records unterschrieben.

»Der Deal ist noch nicht unter Dach und Fach, aber ich hoffe, dass wir bis Frühjahr den Vertrag in der Tasche haben. Wenn alles perfekt läuft, werden wir im Mai unser Comeback-Album veröffentlichen. Danach werden wir auf einigen Festivals an der Westküste spielen und mit Pig Destroyer die Ostküste betouren. Und später geht es, so hoffe ich, nach Europa.«

Welche Bands hast du in den achtziger Jahren geliebt, und welche Bands magst du zurzeit?

»Damals stand ich auf Slayer, Exodus, Mercyful Fate, N.W.A., Ghetto Boys, Ice Cube, Bad Brains und Black Flag. Heutzutage stehe ich nach wie vor auf Slayer und auf Bands wie Disclose, Municipal Waste, Destructions End, Mastodon und Holier Than Thou.«

Es scheint, dass White Zombie von den originellen Comics eurer Artworks beeinflusst wurden. Ist dir das auch aufgefallen?

»Ja, das habe ich auch bemerkt. Rob Zombie hat die Comiczeichnungen und die Inhalte natürlich ans Limit getrieben. Er ist talentierter als ich und hat mit seinen Zeichnungen Erfolg. Wir erhielten nie Respekt oder Geld für unsere Comics. Als ich unserer damaligen Plattenfirma vorschlug, ein Comicbuch zu veröffentlichen, dachte mein Label, dass ich jetzt total durchdrehe. Wie man an Rob Zombie sehen kann, war meine Idee gar nicht so falsch. Er verdient mit seinen Comics eine Menge Kohle.«