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NAZARETH, URIAH HEEP

Gießen, Hesenhalle

Die Wege kreuzen sich! Neben ihren eigenen Headliner-Auftritten in Deutschland machen die beiden britischen Hardrockveteranen NAZARETH und URIAH HEEP unter dem passenden Titel „Rock Legends In Concert“ für einige Shows gemeinsame Sache. Interessant dabei zunächst die Einlasskontrolle: Einen Großteil der Besucher würde man eher auf einem Pur-, Höhner-, Howard-Carpendale-, James-Last- oder Zillertaler-Schürzenjäger-Konzert vermuten („Never judge a book by it's cover!“) und die Alterssumme des heutigen Abends dürfte das Gesamtalter der Summer-Breeze-Besucher locker übersteigen.

Den Opener machen NAZARETH, die die Setlist ihres Auftritts in Aschaffenburg wenige Wochen zuvor einfach um drei Songs kürzen. Offensichtlicht kämpft Frontmann Dan McCafferty während des achtzigminütigen Auftritts mit Stimm- bzw. Atemproblemen. Mehrfach muss er zu einem Inhalierspray greifen und rotzt ständig auf den Bühnenboden, wie man es sonst von Kollegen Buffo im Stadion gewohnt ist. Bei seiner Reibeisenstimmen fallen die Komplikationen allerdings nicht ins Gewicht, da er sein Bestes gibt und die anderen Bandmitglieder ihn gekonnt entlasten. So sorgt man beispielsweise bei 'Changin' Times' für einen improvisierten Jam, der es in sich hat. Vor der Zugabe greift sich Dan wie gewohnt bei 'Hair Of The Dog' den Dudelsack und dreht anschließend bei 'Razamanaz' noch einmal voll auf. Well done!

Es folgt eine umfangreiche Umbaupause, die Sinn macht, denn der Headliner hat ein gänzlich anderen Bühnenaufbau. Im Gegensatz zu den Schotten starten URIAH HEEP mit einem schauderhaften Intro, um dann passenderweise mit 'I'm Ready' bei fettem Sound und wesentlich lauter als der Opener voll einzusteigen. Dass heute kein Retroabend angesagt ist, wird schnell deutlich denn es gibt insgesamt fünf (!) Nummern vom neuen saustarken Album „Into The Wild“. Diese schlagen sich ausgezeichnet neben den anderen teilweise 40 (!) Jahre alten Klassikern und haben so durchaus ihre Daseinsberechtigung. Ansonsten ist natürlich eine brutale Klassikerdichte angesagt. Sei es 'The Wizard', 'Gypsy', 'Stealin', 'Look At Yourself', 'Bird Of Prey', 'Lady In Black','Easy Livin' oder 'Return To Fantasy': die Band bietet alle Facetten, die Hardrock ausmachen und legt eine Spielfreude an den Tag, die begeistert. Sogar das Old-School-Drumsolo von Russel Gilbrook hat seinen Reiz und überhaupt überzeugt die ganze Truppe, die hoffentlich noch lange nicht an den Ruhestand denkt. Höhepunkt allerdings die erste Zugabe 'Free 'n' Easy', die Gitarrist und Gründungsmitglied Mick Box selbstbewusst als ersten Heavy-Metal-Song überhaupt bezeichnet (warum eigentlich nicht 'Easy Livin'?) und zahlreiche Fans zum Headbangen auf die Bühne bittet. Ein geniales Bild mit Fans unterschiedlicher Generationen, was die Bedeutung der Band zudem unterstreicht. Mick selber hält sich ansonsten im Hintergrund und hätte sich mit seinen mittlerweile weißen Haaren auch ganz gut als Gandalf-Darsteller gemacht.

Fazit: Ein absolut gelungenes Gipfeltreffen der britischen Veteranen, die sich beide in Hochform zeigen und ohne die Hardrock und Heavy Metal sicherlich eine andere Entwicklung genommen hätten. Der HEEP-Auftritt zählt dabei sogar zu den bisher besten Shows des Jahres! Für diejenigen, die heute ausschließlich wegen den alten Hits der beiden Truppen gekommen sind, sollte morgen sofort der Weg in den nächsten Plattenladen anstehen, um sich „Big Dogs“ und „Into The Wild“ zuzulegen. Enttäuschungen ausgeschlossen! Schade nur, dass der (wohl ausverkaufte) Auftritt nur in der kleineren der Hessenhallen stattgefunden hat. Würdiger wäre die ausverkaufte große Halle gewesen.

 

Setlist Nazareth

Intro
Silver Dollar Fogger
Big Dogs Gonna Howl
This Month`s Messiah
Dream On
This Flight Tonight
Radio
When Jesus Comes To Save The World Again
Changin` Times
Hair Of The Dog
+++
Razamanaz
Love Hurts
Morning Dew

 

Setlist Uriah Heep

Intro
I`m Ready
Return To Fantasy
Stealin`
Rainbow Demon
Money Talk
Drum Solo
Nail On The Head
The Wizard
Into The Wild
Gypsy
Look At Yourself
Kiss Of Freedom
July Morning
Lady in Black
+++
Free`n`Easy
Bird Of Prey
Easy Livin`

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